Daimler-Chrysler: Zetsche-Interview: „Vielleicht ging es uns zu gut“

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Zetsche-Interview: „Vielleicht ging es uns zu gut“

Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt im Handelsblatt-Interview Auskunft über die Zusammenarbeit von Daimler und Chrysler und darüber, ob die Marke Smart den Sprung in die USA wagen wird. Auch für die neue, von den USA geprägte Managergeneration findet er eine treffliche Beschreibung.

Herr Zetsche, seit diesem Jahr stehen Sie an der Konzernspitze, nachdem Sie zuvor Chrysler leiteten. Welche Lektion bringen Sie Mercedes nun von Chrysler bei?

Zunächst einmal halte ich es nicht für ehrenrührig, wenn ich feststelle, das Mercedes auch von Chrysler lernen kann....

Früher hätte man das in Stuttgart aber vielleicht so empfunden...

Eine Marke ist dann gefährdet, wenn sie glaubt, sie könne nicht von anderen lernen. Es steht, glaube ich, außer Zweifel, dass wir bei Chrysler – insbesondere in den letzten Jahren – eine Menge gelernt haben. Dazu gehören vor allem sehr effiziente Abläufe in der Produktion. Da kann Mercedes noch viel von Chrysler lernen. Das gilt aber natürlich bei anderen Themen auch andersrum.

Wieso konnte das Chrysler schon vor Jahren umsetzen und Mercedes nicht?

Wenn Sie wollen, brauchen Sie wahrscheinlich auch immer gewisse kritische Phasen, um mit mehr Nachdruck die Entwicklungen durchzuführen, die nötig sind. Vielleicht ging es uns zu gut.

Wie weit wird die Zusammenarbeit zwischen den beiden Marken gehen?

Ich sehe das größte Potenzial darin, das gesamte Know-how von Daimler-Chrysler allen zugänglich zu machen. Natürlich wissen wir, dass der oberste Wert der eigenständige Charakter der einzelnen Marken ist. Unter dieser Prämisse wollen wir die Potenziale für eine Zusammenarbeit stärker nutzen. Dies umfasst auch die gemeinsame Entwicklung von Teilen, so lange diese nicht charakterbildend und bestimmend für die Eigenschaften der Autos sind.

Wie weit können Sie da gehen, ohne dass es der Kunde merkt?

Also, zunächst mal möchte ich den Eindruck vermeiden, dass wir hier versuchen würden, dem Kunden eine Mogelpackung zu verkaufen. Im Gegenteil. Wir glauben, dass wir den Kunden mehr bieten, wenn wir Standardteile möglichst kostengünstig und effizient bereit stellen. Und das, was dann die Begeisterung des Kunden und sein Erleben an dem Fahrzeug ausmacht, individuell konzipieren und darauf zuschneiden.

Werden Chrysler- und Mercedes-Fahrzeuge auch von einem Band laufen?

Wir haben nicht das Ziel, gemeinsame Plattformen zu entwickeln. Ich sage aber ganz klar, wir produzieren heute schon bei Zulieferern wie Karmann und Magna Steyr Mercedes- und Chrysler-Fahrzeuge – insofern wäre es unsinnig, daraus ein Dogma zu machen. Ich will das nicht ausschließen, wenn wir damit unsere Kapazitäten besser nutzen könnten. Wir haben aber im Moment keine konkreten Pläne, so etwas in unseren Werken umzusetzen.

Wann kommen die ersten Mercedes-Modelle, die Ihre Handschrift tragen?

In meinen ersten Monaten habe ich mehr Zeit mit Design verbracht als mit Effizienzsteigerungen. Wir sind in den vergangenen Monaten durch das gesamte geplante Modell-Portfolio gegangen und haben an vielen Stellen – teilweise mehr, teilweise weniger – Veränderungen vorgenommen. Es ist aber klar, dass die Wagen, die in den nächsten drei Jahren kommen, in ihrer Konzeption bereits festgelegt waren. Bei der nächsten Generation der C-Klasse, die 2007 kommt, haben wir aber noch Hand angelegt.

Vom Ex-VW-Chef Ferdinand Piech ist bekannt, dass er penibel die Entwicklung überwachte und teilweise noch in letzter Minute an Einzelheiten feilte. Sind Sie auch ein Vorstandschef, der sich bis zuletzt in Details einmischt?

Ich sehe meinen Job generell darin, zu verhindern, dass wir in letzter Minute Entscheidungen treffen. Denn so entstehen genau die Qualitätsprobleme, vor denen auch die deutschen Hersteller stehen, wenn bis zur letzten Minute das Lastenheft verändert wird. Ich sehe mich aber ganz eindeutig als jemand, der intensiv als Teil des Teams Einfluss nimmt.

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