Daimler-Chryslers 9. Hauptversammlung könnte die letzte mit der US-Sparte sein
Spätzle ohne Burger

Auf dem Aktionärstreffen wächst der Druck des Finanzmarktes auf Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche, sich öffentlich zu einer Trennung von Chrysler zu bekennen: Institutionelle Anleger haben ihr Urteil längst gefällt und halten damit nicht hinter dem Berg. Zetsche steht damit unter Zugzwang – auch wenn er in Berlin einen anderen Eindruck zu vermitteln versucht.

BERLIN. Messezentrum Berlin, Hauptversammlung Daimler-Chrysler. Vorstandschef Dieter Zetsche kommt mit seiner Frau Gisela kurz vor 9 Uhr zum Aktionärstreffen. Der Saal ist voll. Die Luft dick, die Stimmung aufgeheizt. Konzernchef Dieter Zetsche und der neue Aufsichtsratschef Manfred Bischoff stellen sich demonstrativ links auf dem Podium vor einen knallroten Chrysler Avenger.

Eine klar kalkulierte Geste an die rund 9 000 Aktionäre im weiten Rund des ICC-Kongresscenters. Seht her, wir verstecken Chrysler nicht, wir haben die Lage unter Kontrolle.

Das neue Führungs-Duo versucht Normalität zu demonstrieren, obwohl seit Wochen die Spekulationen um einen Verkauf der US-Sparte Chrysler sich überschlagen. Zetsche selbst hatte am 14. Februar am Stammsitz von Chrysler in Auburn Hills den Geist aus der Flasche geholt, als er sagte, der Konzern prüfe „alle Optionen". Nun fällt es ihm schwer, ihn wieder hineinzubekommen.

Als um 10.24 Uhr Konzernchef Dieter Zetsche im dunklen Anzug mit rosa Krawatte nach vorne an das Pult im Berliner Kongresszentrum tritt, empfängt ihn dennoch warmer Applaus der Aktionäre. Doch Zetsche umgeht in Berlin eine frühe Festlegung zur US-Sparte. „Wir halten uns alle Optionen offen“, betont der Vorstandschef in Berlin. Er könne deshalb keine Details nennen, „um weiterhin den größtmöglichen Handlungsspielraum zu haben“. Der Druck des Finanzmarktes auf den Vorstandschef wächst auf dem Berliner Aktionärstreffen, sich öffentlich zu einer Trennung von Chrysler zu bekennen.

„Wenn Chrysler am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar“, sagt der einflussreiche Fondsmanager Henning Gebhardt von Deutschlands größter Investmentgesellschaft DWS unter dem Beifall der anwesenden Anleger. „Das Gericht aus Burger mit Spätzle hat uns überhaupt nicht geschmeckt“. Die Kleinaktionäre blasen in das selbe Horn. Das Zaudern des Managements sei nicht nachvollziehbar, sagt der Sprecher der Kleinaktionärsvereinigung DSW, Hans Richard Schmitz. „Was fehlt, ist die klare und schnelle Exekution des Verkaufs“, erklärt der Rechtsanwalt.

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