Daimler
Die Abwehr von Korruption wird zur Vorstandssache

Der Autokonzern Daimler verschärft seinen Kampf gegen Korruption und schafft erstmals in seiner Geschichte einen eigenen Vorstandsposten für Integrität und Recht. Das neue Ressort solle extern besetzt werden, wie ein Daimler-Sprecher am Dienstag sagte.
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FRANKFURT. Nach Informationen aus Konzernkreisen soll der neue Topmanager bis zum ersten Quartal 2011 gefunden werden. Der derzeitige Leiter des Bereichs „Legal & Compliance“, Gero Hermann, kann sich damit keine Chancen auf den Posten ausrechnen.

Daimler erweitert mit dem neuen Ressort seinen Vorstand auf künftig sieben Mitglieder. Bisher war das Compliance-Personal direkt dem Vorstandschef Dieter Zetsche unterstellt. Nun wird es künftig einen eigenen Platz im Führungsgremium haben. Der neue Vorstand soll das Management der globalen Rechts- und Compliance-Organisation leiten. Der Konzern wolle bei Regelbefolgung und Integrität neue Standards setzen, sagte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. „Für die Gestaltung dieses Ressorts haben wir bereits klare Vorstellungen.“ Der Stuttgarter Autokonzern zieht damit weitere Konsequenzen aus einer Schmiergeldaffäre im Konzern und macht als erster Autohersteller die Bekämpfung der Korruption zur Vorstandssache.

Erst im April dieses Jahres hatten die Stuttgarter rund 180 Millionen Dollar Strafe gezahlt, damit die US-Justiz ein Verfahren wegen Korruptionsverdacht gegen den Konzern einstellt. Das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC hatten seit 2005 gegen die Daimler AG wegen Zahlung von Schmiergeldern in mindestens 22 Ländern ermittelt. Daimlers langjährige Verletzungen des Antikorruptionsgesetzes führte das US-Justizministerium unter anderem auf „nicht ausreichende Kontrollen“, „eine Firmenkultur, die Bestechungsgelder toleriert und gefördert hat“ sowie auf eine sehr dezentrale Vertriebsstruktur zurück.

Daimler-Boss Zetsche zog daraufhin noch vor der Einigung mit den Behörden erste Konsequenzen und richtete 2008 ein neues Ressort Compliance ein. Auch bei den Tochtergesellschaften wachen nun spezielle Mitarbeiter über die Einhaltung von Recht und Gesetz. Personell kehrte der Vorstand mit eisernem Besen im Unternehmen, im Zuge der SEC-Ermittlungen wurden mehr als 20 Mitarbeiter entlassen.

Daimler geht damit das Thema offensiv an und folgt dem Beispiel des ebenfalls von der SEC wegen Korruption verurteilten Industriekonzerns Siemens. Die Münchener, die von den Amerikanern zu hohen Strafzahlungen verdonnert wurden, hatten bereits im September 2007 ein eigenes Vorstandsressort zur Korruptionsbekämpfung geschaffen. Auch andere mit Schmiergeldskandalen kämpfende Unternehmen wie MAN und Ferrostaal haben inzwischen eigene Compliance-Ressorts aufgebaut.

Zetsche betonte am Dienstag, dass Daimler das Ziel verfolge, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, sondern auch höchsten ethischen Ansprüchen genüge und beispielhaft in der Branche sei.

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