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26.10.2006 

Nur ein überraschend hoher Gewinn bei der Tochter Mercedes hat Daimler-Chrysler vor dem Absturz im dritten Quartal bewahrt. Trotz eines Milliarden-Verlustes bei Chrysler hat der Autokonzern damit immerhin noch einen Gewinn von knapp 900 Mill. Euro ausgewiesen. Die Börse reagierte erleichtert: Die Daimler-Aktie zählte am Mittwoch zu den Tagesgewinnern im Dax und legte zeitweise um mehr als 6 Prozent zu.

Die Fortschritte bei Mercedes sind so groß, dass der Konzern entgegen allen Befürchtungen seine bereits einmal korrigierte Jahresprognose bekräftigte. Daimler-Chef Zetsche stärkt damit wieder seine nach den jüngsten Hiobsbotschaften angekratzte Reputation am Finanzmarkt. „Zuletzt hatten sie ja mit der Gewinnwarnung für Chrysler einiges an Vertrauen verspielt, und jetzt zeigen sie durchaus, dass sie doch was draufhaben“, sagte LBBW-Aktienstratege Frank Schallenberger. Daimler halte an seinem Ziel eines operativen Gewinns von 5 Mrd. Euro für das Jahr 2006 fest, sagte Finanzchef Uebber. Die Mehrzahl der Analysten hatte dem Unternehmen einen solchen Gewinn in den vergangenen Tagen nicht mehr zugetraut.

Die Mercedes-Gruppe steigerte den operativen Gewinn im dritten Quartal um 127 Prozent auf 991 Mill. Euro und erreicht eine Umsatzrendite von 7,3 Prozent. Uebber rechnet zwar mit einem schwächeren Jahresauftakt 2007 bei der Mercedes-PKW-Gruppe. Doch Zetsche übertrifft mit der Umsatzrendite im dritten Quartal bereits deutlich das für das kommende Jahr anvisierte Margenziel bei Mercedes von 7 Prozent. Die vor Jahresfrist noch knapp an der Verlustzone entlangschrammende Mercedes-Gruppe schließt so wieder zum Erzrivalen BMW auf, der nächste Woche seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Die Mercedes-Gruppe werde im Gesamtjahr 2007 wie geplant eine operative Umsatzrendite von sieben Prozent erreichen, betonte Uebber. Schon im zweiten Quartal hatte Mercedes mit 807 Mill. Euro Gewinn fast wieder zu alter Stärke zurückgefunden.

Daimler fährt damit schneller als erwartet die Ergebnisse des Restrukturierungsprogramms „Core“ ein, das noch der mittlerweile ausgeschiedene Zetsche-Rivale Eckhard Cordes aufgelegt hatte. Der Gewinn der Gruppe, zu der auch die defizitäre Kleinwagenmarke Smart sowie die Luxuskarossen von Maybach zählen, soll damit bis 2007 um 3 Mrd. Euro auf ein neues Rekordniveau katapultiert werden. Dafür wurden massiv Stellen abgebaut, wurde die Produktion verschlankt und die Produktoffensive vorangetrieben. Rückenwind brachten dabei besonders Verkaufserfolge bei den margenstarken S- und E-Klasse-Fahrzeugen und der damit deutlich verbesserte Modellmix. Im vergangenen Jahr war Mercedes erstmals mit 505 Mill. Euro operativ in die roten Zahlen gerutscht.

Daimler kehrt nun wieder zu seiner gewohnten Weltordnung zurück: Während im Vorjahr noch Chrysler im Vorwärtsgang war und Mercedes schwächelte, zehrt nun die US-Sparte wieder die Ergebnisse von Mercedes auf.


Der amerikanische Patient

Sparprogramm: Im Juli dieses Jahres hat Chrysler angesichts der dramatischen Verluste ein Kostensenkungsprogramm mit dem Namen „Project Refocus“ gestartet, mit dem 1 000 Dollar je Auto gespart werden sollen. Der Konzern hat dazu ein Team um den Mercedes-Manager Rainer Schmückle nach Detroit geschickt.

Sparmodelle: Wegen der steigenden Benzinpreise vollzieht der Konzern nun den Wechsel zu verbrauchsärmeren Vier-Zylinder-Fahrzeugen und bringt in den nächsten Monaten gleich acht neue Modelle, darunter einen kompakten Jeep. Dies soll den Absatzrückgang bremsen.

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