Daimler in Paris
Ein Auto wie ein Bikini

Daimler-Chef Zetsche kündigt in Paris eine Plug-In-Offensive an. Damit will der Konzern mehr Kunden für den elektrischen Antrieb begeistern – obwohl der sich momentan noch nicht auszahlt.
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Ein Elektroauto, erklärt Daimler-Chef Dieter Zetsche, sei im Grunde wie ein Bikini. Der habe auch fast 20 Jahre gebraucht, um zu einem Verkaufserfolg zu werden. Im traditionsreichen Pariser Schwimmbad „Piscine Molitor“ verrät Zetsche, wie sein Konzern dem Elektroantrieb doch noch zum Durchbruch verhelfen will.

Zehn neue Plug-In-Modelle will Daimler bis zum Jahr 2017 auf den Markt bringen – alle vier Monate eins. Als erstes Modell mit dem doppelten Herzen, also einem doppelten Antrieb aus Elektro und Benzinantrieb, haben die Stuttgarter eine S-Klasse mit nach Paris gebracht. Die Verbrauchsdaten des Spitzenmodells klingen überzeugend: 2,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer soll der S500 verbrauchen, bei den CO2-Emissionen liegt das Modell mit 65 Gramm bereits heute unter dem EU-Grenzwert für das Jahr 2020.

Doch das liegt vor allem an den irreführenden Testverfahren, mit denen die Verbrauchswerte der Hersteller berechnet werden. Legen die Modelle lange Strecken auf der Autobahn zurück, ist die Spritersparnis deutlich geringer. Gerade bei Firmenwagen, die bei einem Premiumhersteller wie Daimler einen höheren Anteil ausmachen, dürfte das der Fall sein.

Welche Modellreihen nach der S-Klasse auf Plug-In umgestellt werden, will Zetsche noch nicht verraten. Auch zur Höhe der Investition in den neuen Antrieb schweigt er sich aus. Die C-Klasse sei allerdings ein interessantes Modell für diesen Antrieb. „Kein Premiumhersteller kann mit Verbrennungsmotoren allein unter Einsatz noch so teurer Technologie-Bausteine die gesetzten 95-Gramm-Ziele erreichen“, so Zetsche. 

Für den Hersteller dürfte die Plug-In-Offensive zur Belastung für die Marge werden, gibt Zetsche unumwunden zu.  50 Euro müsse jeder Hersteller für jedes zusätzliche Gramm CO2 ausgeben, das eingespart wird – Tendenz steigend. „Von der rein wirtschaftlichen Seite gibt es deutlich attraktivere Modelle als den S500 Plug-In, aber natürlich ist es für uns wichtig, im Flottenverbrauch an der Spitze der Wettbewerber zu stehen“, so Zetsche. Für keinen Hersteller sei es derzeit möglich, die Aufwendungen für ein batteriebetriebenes Fahrzeug im Markt so zu reflektieren, dass die Margen vergleichbar wären.

Damit sich die alternativen Antriebe auch rentieren, müssten die Modelle auch von den Kunden stärker nachgefragt werden. „Wir sind überzeugt, dass die Fanbasis für unsere Plug-In-Hybriden deutlich schneller wächst“, sagt Zetsche. Geht es nach den Plänen der Bundesregierung könnten die Plug-In-Hybriden bald genauso behandelt werden wie reine Elektromobile und in den Genuss zahlreicher gesetzlicher Vorteile, wie beispielsweise einer freien Benutzung der Busspur in großen Städten kommen.

Eine weitere Anpassung der CO2-Ziele hält der Daimler-Chef dagegen für überflüssig. Schon mit der heutigen Gesetzeslage sei deutliche Reduktion der Abgaswert in den kommenden Jahren möglich.

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