Daimler

Kartellverdacht überschattet Zetsches starke Zahlen

Die Debatten um Dieselmanipulation, Fahrverbote und der Kartellverdacht setzen Daimler zu. Trotzdem präsentiert Konzernchef Zetsche am Mittwoch starke Zahlen – selbst wenn er die Erwartungen nicht komplett erfüllen kann.
Update: 26.07.2017 - 15:52 Uhr 3 Kommentare

Mitten in der Dieselkrise: Daimler erwägt neue Struktur

Mitten in der Dieselkrise: Daimler erwägt neue Struktur

StuttgartDaimler hat trotz einer starken Pkw-Nachfrage und einer Erholung im schwächelnden Lkw-Geschäft den Gewinn im zweiten Quartal nur leicht gesteigert. Das Konzernergebnis kletterte von April bis Juni um zwei Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, wie der Stuttgarter Autobauer am Mittwoch mitteilte.

Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) schnellte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 15 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro in die Höhe bei einem Umsatzplus von sieben Prozent auf 41,1 Milliarden Euro. Allerdings war der operative Gewinn vor Jahresfrist niedrig ausgefallen, da Kosten für den Austausch von Airbags und andere Sonderfaktoren belastet hatten.

Die Zahlen blieben damit leicht hinter den Markterwartungen zurück: Von Reuters befragte Analysten hatten ein unbereinigtes Ebit von 3,8 Milliarden Euro sowie einen Nettogewinn von 2,53 Milliarden Euro vorausgesagt. Schließlich war der Pkw-Absatz der Marke mit dem Stern weiter kräftig gewachsen – um neun Prozent im abgelaufenen Quartal auf fast 600.000 Fahrzeuge. Die Rendite lag etwas über zehn Prozent.

Die Daimler-Aktien kletterten zu Handelsbeginn am Mittwoch um bis zu 0,7 Prozent auf 61,49 Euro. Sie hatten in den vergangenen Tagen jedoch stark nachgegeben.

Im Nutzfahrzeuggeschäft verkaufte Daimler acht Prozent mehr Lkws, nachdem der Absatz im Auftaktquartal noch geschrumpft war. Hier hob der Konzern die Absatz- und Gewinnprognose an. Das operative Ergebnis soll nun das Vorjahresniveau erreichen statt darunter zu liegen.

„Es lohnt sich für den Diesel zu kämpfen“

Daimler-Chef Dieter Zetsche verteidigte damit im zweiten Quartal die Position als größter Premiumhersteller weltweit vor BMW. Doch der Erfolg wird von Dieselbetrugs- und Kartellvorwürfen überschattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob bei Mercedes-Benz die Abgasreinigung ähnlich wie bei Volkswagen manipuliert wurde. „Natürlich muss man den Diesel an seiner NOx- und auch CO2-Bilanz messen. Aber wer das vorurteilsfrei tut, erkennt: Es lohnt sich für den Diesel zu kämpfen“, schreibt Zetsche in einem auf LinkedIn veröffentlichten Beitrag.

Das sind die meistverkauften Autos von Daimler
Platz 7: Sports Cars
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Den Anfang der meistverkauften Fahrzeuge machen die Sportwagen von Mercedes. Der Absatz ging im Jahr 2016 allerdings um sieben Prozent auf 27.000 verkaufte Fahrzeuge zurück. Der abgebildete Mercedes-AMG GT Roadster feierte am 24. Juni 2016 Weltpremiere.

Quelle: Geschäftsbericht Daimler 2016

Patz 6: S-Klasse
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Die S-Klasse von Mercedes wurde im abgelaufenen Jahr 84.000 Mal verkauft. Die anderen Mercedes-Klassen waren erfolgreicher und liegen im Ranking höher. Kein Wunder, der Absatz der S-Klasse ging um 21 Prozent zurück – obwohl der Autobauer das neue S-Klasse Cabriolet auf den Markt brachte.

Platz 5: Smart
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Das kleinste Fahrzeug aus der Produktpalette belegt Platz fünf. Der Absatz des Smarts stieg im Jahr 2016 um 19 Prozent auf 144.000 Fahrzeuge. Die Großbestellung der New Yorker Polizei trug bestimmt zur Absatzsteigerung bei: Die ersten 100 Smart Fortwo gingen an das Police Department – 150 weitere Fahrzeuge sind bestellt. Sie ersetzen in Zukunft die dreirädrigen Motorräder in der Stadt. Andere Autos waren trotzdem erfolgreicher.

Platz 4: E-Klasse
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Die E-Klasse belegt mit 304.000 verkauften Fahrzeugen den vierten Platz in der Rangliste der meistverkauften Daimler-Fahrzeuge. Weitere Auszeichnung: Fünf Sterne beim Euro NCAP-Rating für Sicherheit. Der Absatz ging gegenüber dem Vorjahr ging trotzdem um ein Prozent zurück.

Platz 3: A-/B-Klasse
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Den Auftakt der Plätze eins bis drei macht die A- und B-Klasse von Mercedes. Der Absatz im Vergleich zum Vorjahr stieg um 2 Prozent auf 435.000 verkaufte Fahrzeugen. 2016 baute Mercedes das Zubehörprogramm für die A-Klasse aus und lässt sie dadurch sportlicher wirken.

Patz 2: C-Klasse
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Die C-Klasse wurde 490.000 Mal verkauft und liegt damit auf Platz zwei. Nicht ohne Grund: Seit Sommer ist das erste Cabriolet auf der Basis der C-Klasse bestellbar. Der Absatz legte im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent zu. Doch ein anderes Fahrzeug-Modell ist noch beliebter.

Platz 1: SUVs
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Die Mercedes-SUVs waren 2016 die meistverkauften Autos im Konzern. Die Beliebtheit dieser Klasse stieg dabei stark an. Deswegen konnte Mercedes schon im August des vergangenen Jahres das erste Jubiläum feiern: Der 4-millionste SUV wurde ausgeliefert. Der Absatz lag 2016 mit 712.000 Fahrzeugen um 31 Prozent höher als noch im Vorjahr.

Zudem prüft die EU-Kommission, ob Daimler mit den anderen deutschen Herstellern Volkswagen und BMW seit den 90er-Jahren im großen Stil illegale Absprachen zu Technik, Lieferanten und Märkten traf. Einem Insider zufolge hatte Daimler noch vor VW den Kartellverdacht gegenüber den Behörden gebeichtet. So könnte der Autobauer aus Stuttgart als Kronzeuge straffrei ausgehen.

Die Medienberichte zum Kartellverdacht bezeichnete Zetsche als Spekulation, zu der er sich nicht äußern will. „In der Tat macht die Autoindustrie derzeit Schlagzeilen – und keine guten", sagte Zetsche am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Er könne die Wünsche nach mehr Klarheit verstehen. „Aber wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen.“ Die EU-Wettbewerbsbehörde habe nur bestätigt, dass es kein Verfahren gebe.

Über den Ruf des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) nach einem Kulturwandel der Autobauer hin zu einer „Null-Fehler-Toleranz“ auch in Sachen Rechtstreue äußerte sich Zetsche verärgert. „Ich war überrascht über diese Stellungnahme und möchte derzeit nicht mehr dazu sagen“, erklärte er mit Blick auf Äußerungen von VDA-Präsident Matthias Wissmann im Handelsblatt-Interview.

Auch der Dieselskandal setzt Daimler unter Druck
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3 Kommentare zu "Daimler: Kartellverdacht überschattet Zetsches starke Zahlen"

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  • In Anbetracht der weit verbreiteten Schummelei von Unternehmen zu Lasten von Verbrauchern sind schärfere Gesetze sowie eine Verbesserung der Verbraucherrechte längst überfällig. Die von der SPD vorgeschlagenen Instrumente wie Musterfeststellungsklagen bzw. Sammelklagen und andere wurden von der Union rigoros abgelehnt.
    Die Union setzt eben Unternehmensinteressen vor Verbraucherinteressen!
    Damit leistet die Union der Wirtschaft aber einen Bärendienst: die mangelhaften Verbraucherschutzrechte verleiten manche Unternehmen zu Schummeleien, die, wenn sie wie jetzt bei der Autoindustrie ans Licht kommen, zudem Millionen Arbeitsplätze gefährden. Müßte man unser Land nicht vor solchen zwielichtigen Unternehmenslenkern schützen? Was wären dann die richtigen Instrumente, wenn offensichtlich auch die Kapitalseite, d.h. die Aufsichtsräte, versagen?
    Hatte die Union in ihrem Wahlprogramm nicht mehr Arbeitsplätze und Vollbeschäftigung (wenn auch erst für 2025) versprochen? Alles Schall und Rauch?
    Es sind Wahlkampfzeiten:
    https://youtu.be/dOa-fcp74uU

  • Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze gefährdet!
    Autokäufer betrogen! Gesundheit der Bevölkerung beeinträchtigt!
    Danke, Dobrindt! Danke, Merkel! Danke, Union (Verkehrsministerium seit 8 Jahren in der Hand der CSU!)!
    Danke, Tantiemen- und Dividenden-Ritter der deutschen Automobilindustrie!
    Diesel-Fahrer, keine Stimme für den zuständigen Verkehrsminister Dobrindt und seine CSU für Luftverschmutzung, Fahrverbote, Verlustabschreibungen!
    Wer glaubt, dass sich das Dieselabgasproblem durch Software-Updates kurzfristig lösen lasse, ist entweder naiv oder steckt mit der um ihre Reputation und Erfolge ringenden Autoindustrie unter einer Decke. Wenn das so einfach wäre, wäre die Autoindustrie gar nicht erst die Risiken eingegangen, die jetzt angesichts der zunehmenden "Enttarnung" deren Schummel-Abgasreinigungs-Lösungen sowie der Kartellbildung eintreten.
    Es sind Wahlkampfzeiten:
    https://youtu.be/dOa-fcp74uU
    Wie schön, dass es die Marketing-Kampagne zum autonomen Fahren gibt: da kann man schön von den Schmutzeleien ablenken:
    https://youtu.be/njj5Z7KzG60
    http://youtu.be/WzvpF6JR1cE
    Viel Spaß und neue Erkenntnisse beim Anhören!

    PS: Autoabgase sind gar nicht gesundheitsschädlich! - Dr. Benz/Geheimrat Porsche

  • Toi, Toi, Tio ihr Tesla-Fahrer: http://www.baubio-logisch.de/elektrosmog-im-elektroauto/. Hoffentlich haben die GRÜNEN dieses Thema nicht auch wieder verschlafen/unterschätzt.

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