Rekordgewinne und eine Portion Optimismus mit Blick auf die künftige Ertragsstärke machen es möglich: Deutschlands Großkonzerne kaufen so viele Aktien zurück wie noch nie. Die meisten in diesem Jahr nahm bislang Daimler aus dem Markt. Besonders gern sehen das die Investoren.
DÜSSELDORF. Allein in den vergangenen beiden Wochen nahm der Energieversorger Eon
eigene Aktien im Wert von rund 200 Mill. Euro aus dem Markt. Siemens
und Daimler
schlugen in ähnlichem Umfang zu.
Am meisten Aktien in Deutschland kaufte in diesem Jahr bislang Daimler
zurück. Nach der Trennung von der verlustreichen US-Tochter Chrysler und guten Erträgen aus dem laufenden Geschäftsjahr verfügt Daimler
über liquide Mittel von über zehn Mrd. Euro. Nachdem der Automobilkonzern zwischen August 2007 und März 2008 knapp 100 Mill. Aktien im Wert von 6,2 Mrd. Euro gekauft hat, wollen die Stuttgarter nun bis zur Hauptversammlung im Frühjahr 2009 erneut maximal sechs Mrd. Euro dafür investieren. Das neue Programm läuft gerade an. 246 Mill. Euro hat Daimler
in den vergangenen Tagen bereits ausgegeben. Die rasante Börsentalfahrt macht die Aktien billiger: Allein in den letzten vier Wochen verlor der Titel 20 Prozent.
Fotostrecke: Die größten deutschen Kurspfleger
Insgesamt laufen aktuell bei acht Dax-Konzernen Rückkaufprogramme. Aus der Riege der traditionell großen Käufer schert angesichts milliardenhoher Abschreibungen allein die Deutsche Bank
aus. Fünf der zehn größten Rückkäufer in Europa kommen in diesem Jahr aus Deutschland. Das gab es noch nie. Dazu zählen neben Daimler
der Mischkonzern Siemens
, der Stromversorger RWE
, die Deutsche Börse
und der weltgrößte Chemiekonzern BASF
.
In Deutschland sind Rückkäufe seit 1998 erlaubt. Machten die Firmen anfangs davon kaum Gebrauch - 1999 erwarben allein BASF
für 246 Mill. Euro und Münchener Rück
für 1,3 Mrd. Euro Aktien - so erhöhten sich 2005 die Rückkäufe im Dax auf 6,5 Mrd. Euro. Das war doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Fall Deutsche Börse
gab den Startschuss und offenbarte vielen Investoren die Vorteile aus Rückkäufen gegenüber Investitionen.
Experten gehen davon aus, dass die Firmen auch dann an ihren Entscheidungen festhalten, wenn die Zeiten schwieriger werden. "Trotz eines dramatischen Rückgangs erlebten wir gerade das zehnte Quartal in Folge mit Rückkäufen von mehr als 100 Mrd. Dollar", sagt Howard Silverblatt von der Ratingagentur Standard & Poor's mit Blick auf die 500 größten börsennotierten US-Konzerne. Hier kündigte zuletzt der angeschlagene Fotoausrüster Eastman Kodak
an, Aktien im Wert von einer Mrd. Dollar zurückzuerwerben. Damit verschwinden 25 Prozent der umlaufenden Aktien. Der auf ein 40-Jahrestief gefallene Kurs schoss daraufhin um 15 Prozent nach oben.

