Daimler Lkw-Chef
„Als Marktführer wird man immer angegriffen“

MAN und Scania wollen Daimler von der Truck-Spitze verdrängen. Im Interview spricht Daimler Lkw-Chef Troska über die neue Konkurrenz, die Herausforderungen der Branche und die Zukunftsantriebe für Lkws.
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Handelsblatt: Der Auftragseingang von Volvo sinkt, Iveco muss Werke in Deutschland schließen und auch ihr Konkurrent MAN ist der Gewinn um 38 Prozent zusammengeschmolzen. Nur Mercedes-Benz-Lkw konnte im zweiten Quartal erneut Umsatz und Gewinn steigern. Sind Sie resistent gegen die Krise?
Hubertus Troska: Immun sind wir sicher nicht. Es gibt aber verschiedene Gründe, warum wir uns im ersten und zweiten Quartal besser entwickeln. Das ist zum einen unsere globale Aufstellung. Auch wenn derzeit einige Regionen wie Südeuropa nicht so gut laufen und Brasilien sich im Augenblick deutlich niedriger als im Vorjahr entwickelt, profitieren wir ganz eindeutig von einer guten Performance in Nordamerika und in Asien. Auch unser Exportgeschäft mit Mercedes-Benz Lkw von Europa nach Russland und China ist sehr erfreulich.

Aber die Unsicherheit im europäischen Markt wächst…
Konjunkturell ist es derzeit sicherlich nicht einfach. Wir sind von der Gesamtkonjunktur abhängig. Spediteure investieren dann, wenn sie die Zuversicht haben, dass das Geschäft anziehen wird. Unseres Erachtens wird der europäische Lkw-Markt im Vergleich zum Vorjahr null bis minus zehn Prozent schlechter abschneiden. Das hängt stark davon ab, wie sich die Euro-Frage entwickelt. Sollte sich das finanzwirtschaftliche Szenario stabilisieren, ist auch schon bald wieder ein wachsender Gesamtmarkt denkbar, denn der europäische Lkw-Markt und die europäische Konjunktur haben Nachholbedarf.

In der Pkw-Industrie ist die Auslastung in einigen Werken so gering, dass die Profitabilität in Gefahr ist. Droht der Nutzfahrzeugindustrie ein ähnliches Schicksal?
Traditionell schwankt die Auslastung in der Nutzfahrzeugindustrie ohnehin viel stärker als in der Pkw-Industrie. Das ist bei Investitionsgüter so. Für uns sind Schwankungen von zehn, zwanzig oder sogar dreißig Prozent rauf und runter innerhalb von zwei drei Jahren keine Besonderheit. Das haben wir schon oft erlebt. Daraus resultiert, dass sich Hersteller, Lieferanten und Gewerkschaften dementsprechend besser aufgestellt haben. Wir haben sehr flexible Arbeitszeitmodelle.

Der Konkurrenzdruck insbesondere im rentablen Europageschäft dürfte aber wachsen. Ihre Konkurrenten MAN und Scania wollen mit der Rückendeckung von VW und neuem Personal bis 2020 zum „erfolgreichsten Nutzfahrzeughersteller weltweit“ aufsteigen. Fürchten Sie die Konkurrenz?
Wir nehmen jeden Konkurrenten sehr ernst. Auch heute schon habe ich nicht das Gefühl, dass der Wettbewerb locker und leicht ist. Wir haben in Europa sieben Marken, die um die Gunst der Kunden werben. Als Marktführer bin ich eigentlich ständig in der Situation, dass irgendeiner angreift.

Der Volkswagen-Konzern als einer der größten Autohersteller weltweit ist aber sicher nicht irgendein Konkurrent. Rechnen Sie mittelfristig mit einem Zweikampf?
Wir wissen aus vielen Jahren Daimler Trucks Erfahrung, was es heißt, verschiedene Unternehmen synergetisch zusammenzufahren. Das ist immer ein langer Weg. Auch dieser Zusammenschluss wird in absoluten Zahlen ungefähr halb so groß sein wie Daimler Trucks weltweit. Das soll keine überhebliche Aussage sein. Unser Ziel ist es, mit Daimler Trucks in 2020 rund 700.000 Lkw weltweit zu verkaufen. Wir wollen ganz eindeutig weiter wachsen. Jetzt begeben sich auch andere Hersteller auf den Weg. Insofern wird es sicher spannend. Aber ich kann nicht erkennen, dass sich dadurch kurzfristig die Spielregeln ändern.

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