Daimler-Manager Stefan Buchner
„Wir brauchen mehr Mut zum Fortschritt“

Daimler will Lkws selbstständig fahren lassen. Im Interview erklärt Stefan Buchner, Chef der Mercedes-Lkws, warum Trucker trotzdem nicht arbeitslos werden und warum auch Spediteure von der neuen Technologie profitieren.

DüsseldorfWer Nutzfahrzeuge verkauft, der muss ganz rational bleiben. Spediteure lassen sich beim Kauf nicht von Emotionen, sondern vom Kalkül leiten. Deswegen müssen auch neue Technologien mehr als Spielereien sein. Auf dem „Campus Connectivity“ in Düsseldorf erklärt Stefan Buchner, Chef der Mercedes-Lkw-Sparte bei Daimler, warum es sich lohnt, in den selbstfahrenden und vernetzten Lkw zu investieren.

Herr Buchner, Daimler arbeitet daran, dass Lkws schon in wenigen Jahrzehnten selbstständig fahren können. Würden Sie einem 20-Jährigen noch empfehlen, Trucker zu werden?
Auf jeden Fall. Nicht nur, weil weltweit nach neuen Fahrern gesucht wird. Ich glaube sogar, dass der Beruf des Truckers in den nächsten 10 bis 15 Jahren deutlich attraktiver werden wird. Derzeit kann der Job noch eintönig sein: lange Fahrten mitunter nachts, dazu vielfach Zeitdruck. Durch teilautonome und vollautonome Fahren wird der Beruf des Truckers verantwortungsvoller – und damit attraktiver.

Wie lange wird es dauern, bis ein Fernfahrer auch freihändig fahren kann?
Teilautonome Lkws wollen wir zum Ende dieses Jahrzehnts auf die Straße bringen, bei vollautonomen Systemen könnte es bis ins Jahr 2025 dauern. Das hängt davon ab, wie wir bei der Regulierung mit dem Gesetzgeber gemeinsam vorankommen.

Wo sehen Sie Nachholbedarf?
In erster Linie muss es darum gehen, gemeinsame Standards zu schaffen – auch bei grenzüberschreitendem Verkehr. Wir sehen es heute schon beim Thema Maut, dass die Politik sich schwertut, ein gemeinsames System festzulegen. Wenn Sie heute durch drei Länder fahren, brauchten Sie drei verschiedene Boxen für die Mautsysteme. Beim selbstfahrenden Truck sollte man das nicht wiederholen. Eine größere Entscheidungsfreudigkeit und mehr Mut zum technologischen Fortschritt würde mich sehr freuen.

Geht es denn woanders schneller voran?
Extrem schnell sind einige Staaten beispielsweise in den USA. Wir haben im vergangenen Jahr im Bundestaat Nevada zwei offizielle Zulassungen für selbstfahrende Trucks bekommen. Einzelne Bundesstaaten sind beim autonomen Fahren sehr aufgeschlossen. Das liegt auch daran, dass die Infrastruktur optimal geeignet ist. Die langen Straßen sind dort im Grunde wie asphaltierte Schienen. Letztlich ist für uns als globaler Konzern aber nebensächlich, wo wir testen, da wir unsere Informationen untereinander austauschen. Wir arbeiten auch sehr eng mit den Entwicklern im Pkw-Bereich zusammen. Darum können wir die Technologie schnell entwickeln und ins Fahrzeug bringen. Das ist unser Vorteil.

Trotzdem sind auch unter den Spediteuren vielfach noch skeptische Stimmen zu hören, wenn über den selbstfahrenden Truck geredet wird…
Das ist in erster Linie eine deutsche Diskussion, weil eher die Risiken als die Chancen gesehen werden. Natürlich wird es immer Menschen geben, die das zunächst mal skeptisch sehen. Wir sind bei Mercedes-Benz aber fest davon überzeugt, dass die Technologie sich durchsetzen wird.

Warum? Welche Argumente sprechen für den teil- und vollautonomen Truck?
Wir wollen den Truck mit den Systemen nicht nur selbst fahren lassen, sondern auch vernetzen. Der Truck wird integriert in das Internet der Dinge. Dadurch ergeben sich völlig neue Möglichkeiten für den Spediteur: er kann sicherstellen, dass seine Trucks weniger Standzeiten haben und er weniger Leertouren fahren muss. Das alleine ist schon ein wirtschaftlicher Vorteil für den Kunden. Mit effizienter Vernetzung kann ein Truck rund um die Uhr, sieben Tage die Woche unterwegs sein.

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