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29.04.2008 
Autobauer enttäuscht im ersten Quartal

Daimler muss weiter für Chrysler bluten

Der Stuttgarter Autokonzern Daimler hat im Auftaktquartal einen Gewinneinbruch verkraften müssen und die Erwartungen der Analysten verfehlt. Daimler verkaufte zwar deutlich mehr Fahrzeuge. Der Umsatz stieg aber kaum, weil sich der schwache Dollar auswirkt. Der Autobauer stellt sich nun auf härtere Zeiten ein.

Der starke Euro macht Daimler und Konzernchef Dieter Zetsche zu schaffen. Foto: ReutersLupe

Der starke Euro macht Daimler und Konzernchef Dieter Zetsche zu schaffen. Foto: Reuters

HB STUTTGART. Der Stuttgarter Konzern bekräftigte zwar am Dienstag seine Erwartung, im laufenden Jahr das operative Ergebnis nochmals steigern zu können. Dem starken Euro, den hohen Rohstoffpreisen und der lahmenden US-Konjunktur zollt der Konzern mit einer verhalteneren Absatzprognose Tribut.

Vor Zinsen und Steuern (Ebit) verdiente Daimler in den Monaten Januar bis März 1,98 Mrd. Euro. Vor Jahresfrist waren es noch 3,29 Mrd. Euro, da der um Chrysler geschrumpfte Konzern vom Verkauf eines milliardenschweren Aktienpakets am Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS profitiert hatte. Der Sonderertrag damals belief sich auf rund 1,56 Mrd. Euro.

Analysten hatte dem Konzern mehr zugetraut und im Schnitt mit einem operativen Gewinn von 2,13 Mrd. Euro gerechnet. Auch mit dem auf 1,33 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,97) gesunkenen Quartalsüberschuss enttäuschte Daimler die Erwartungen des Finanzmarkts, die bei 1,51 Mrd. Euro lagen.

Die Aktien büßten unmittelbar nach Veröffentlichung der Zahlen gut 1,50 Euro auf 49,80 ein. Später machten sie die Verluste teilweise wieder wett und stiegen wieder auf über 50 Euro.

Daimler teilte weiter mit, wegen der knapp 20-prozentigen Beteiligung an Chrysler seien im ersten Quartal Kosten von 340 Mill. Euro verbucht worden. Diese Verluste spiegelten im Wesentlichen die Entwicklung des Schlussquartals 2007 wieder, da die Beteiligung zeitlich verzögert in den eigenen Büchern berücksichtigt werde. Die Einbußen drücken das Ergebnis der Daimler-Sparte Transporter und Busse, in der auch der Anteil an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS geführt wird.

Im Leasing-Geschäft korrigierte Daimler die erwarteten Restwerte für die Chrysler-Autos deutlich. "Vor dem Hintergrund rückläufiger Restwerte für Chrysler-Fahrzeuge musste Daimler diesen Vermögenswert im ersten Quartal um 151 Mill. Euro abwerten", teilten die Stuttgarter mit. Bislang waren die Restwerte mit 185 Mill. Euro bilanziert worden. Weder der zu berücksichtigende Chrysler-Verlust noch die Wertberichtigung sind zahlungswirksam.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Daimler senkt Absatzprognose

Der Finanzinvestor Cerberus hatte Daimler Mitte vergangenen Jahres gut 80 Prozent des Chrysler-Kapitals abgekauft, damit wurde die transatlantische Problem-Ehe formal beendet. Die restlichen 20 Prozent will Daimler halten, um sich weiterhin Einfluss auf die ehemalige Tochter zu sichern. Aus den in der Daimler-Bilanz zu berücksichtigenden Verlusten von Chrysler können nur schwer Rückschlüsse auf die detaillierte Ertragslage von Chrysler gezogen werden, da unterschiedliche Bilanzregeln angewandt werden.

Beim Umsatz trat Daimler im ersten Quartal trotz der um neun Prozent gestiegenen Fahrzeugverkäufe mit 23,5 Mrd. Euro gegenüber 23,4 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum praktisch auf der Stelle, da der schwache Wechselkurs des Dollar bremste. Anlysten hatten mit einem Umsatz von 23,6 Mrd. Euro gerechnet.

Die Konzernsparte Mercedes-Benz Cars legte glänzende Zahlen vor: Im ersten Quartal wurde der Absatz um 17 Prozent auf 318 300 Fahrtzeuge gesteigert. Die Marke Mercedes-Benz steigerte ihren Absatz um 10 Prozent auf 284 000 Fahrzeuge und erreichte ebenfalls eine Bestmarke für das erste Quartal. Der Smart-Absatz konnte nahezu verdreifacht werden.

Für das Gesamtjahr geht der Autobauer weiterhin von einem moderaten Umsatzzuwachs zum Vorjahreswert von 99,4 Mrd. Euro aus. Auch den Gewinnausblick ließ Daimler unverändert. Das Ebit werde ohne Berücksichtigung von Sondererträgen und-kosten deutlich über Vorjahr liegen.

Der Gegenwind für die Automobilindustrie und auch Daimler sei allerdings stärker geworden, räumte das Unternehmen ein. Abstriche machte der Traditionskonzern beim Absatz, der 2008 über dem Vorjahreswert von 2,1 Mill. Pkw und Nutzfahrzeugen liegen soll. Bislang war ein deutliches Plus bei den Verkaufszahlen in Aussicht gestellt worden.

Im Gegensatz zum Konkurrenten BMW verzichtete Daimler im Leasing- und Gebrauchtwagengeschäft auf eine demonstrative Erhöhung seiner Risikovorsorge, wie sie den Münchenern einen Gewinneinbruch im ersten Vierteljahr beschert hatte. Die Risikokosten sei zwar gestiegen, lägen aber weiterhin unter dem langfristigen Durchschnitt, teilte Daimler mit.

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