Es ist eine Zeitenwende im Zeitraffer. Zetsche verlagerte nicht nur den Konzernsitz und gab Chrysler ab. Er setzte auch die Sanierung von Mercedes samt einem schmerzlichen Stellenabbau durch, er strich jeden dritten Managerposten, zog beim Verlustbringer Smart endgültig die Notbremse, verkaufte MTU
Friedrichshafen und reduzierte frühzeitig die riskante Beteiligung am Luftfahrtkonzern EADS.
Ob Jürgen Schrempp seinen Konzern überhaupt noch wiedererkennt?
Der Umbau hat allerdings auch einen Preis: In der Doppelfunktion als Mercedes- und Konzernchef vereint Zetsche mehr Macht auf sich als jeder seiner Vorgänger - inklusive Jürgen Schrempp, und allein das will schon etwas heißen.
Einen Kronprinz gibt es nicht in Stuttgart. Im System Zetsche dreht sich alles um den Chef selbst.
Wie einst Schrempp in seinen ersten Jahren als Daimler
-Boss
erhält Dieter Zetsche Preis um Preis. Die Springer
-Wirtschaftsmedien
ehrten ihn gerade als "Unternehmer des Jahres" mit dem "Goldenen Bullen".
Im Daimler-Reich knirscht es vernehmlich
Der Chef wird gefeiert, aber in seinem Reich knirscht es auch vernehmlich. Manche Schrempp?sche Altlast drückt noch immer, manches erhielt auch beim Aufräumen zu wenig Aufmerksamkeit - solche Fehler wirken nach. Das Image erholt sich nur langsam. Zetsches Spardruck ist enorm, und er hinterlässt Spuren. So räumte Konkurrent Audi
bei der Leserumfrage zum "Auto des Jahres" der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport" die Preise ab. Und nur mühevoll hält das Daimler
-Flaggschiff
S-Klasse den alten A8 von Audi
in der Kundengunst in Schach. Die neue C-Klasse ist gegen den A4 gar chancenlos.
"Man spürt, dass Mercedes an den Produkten sparen musste", sagt ein Branchenkenner. Mercedes, normalerweise Branchenspitze bei Ausstattung und Verarbeitung, wird dem in der C-Klasse nicht gerecht. In der ADAC-Pannenstatistik kommt der Mercedes CLK zwar auf Platz sechs, liegt aber dennoch hinter Audi
-
und BMW
-Modellen.
Auch verpuffte die Kampagne von Mercedes für umweltfreundliche Dieselmotoren. Dazu rächt sich der anfängliche Verzicht beispielsweise auf Start-Stopp-Automatik. BMW
baut diese neben einem System zur Rückgewinnung der Bremsenergie längst ein. Prompt liegt Mercedes im Umweltimage bei den Kunden deutlich hinter BMW.
Das Motto des Managements - "Der Kunde zahlt das nicht, weil die neue Technik mehr kostet, als sie Sprit spart" - erwies sich als Irrweg. Bei Zetsches Sparzwang wurden allzu schnell billigere Lösungen als bessere Lösungen akzeptiert.
"Wir haben bei den Technologien ein Paar Verzögerungen, aber wir sind nicht weg vom Fenster", sagt Betriebsratschef Erich Klemm trotzig.
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gnadenlos auf Profitabilität

