So wirkt die Ära Schrempp auch zwei Jahre nach seinem überraschenden Rückzug bereits so weit weg, dass der bayerisch-türkische Kabarettist Django Asül bei der Verleihung der "Goldenen Engel" des ADAC im Januar vor den versammelten Vorstandschef der Autoindustrie seine Witze darüber reißen konnte.
Mercedes könne sich Gags wie Testfahrten mit dem Rennfahrer Ralf Schumacher wieder leisten, lästert Asül in der Münchener Residenz, denn "Herr Schrempp ist ja lange genug weg". Und: "Man nennt ihn ja nicht umsonst die Ein-Mann-Subprime-Krise."
In Reihe eins saß Dieter Zetsche. Ob er schon darüber lachen konnte?
Einmal "Welt AG" und zurück: Daimler-Benz - Benz + Chrysler - Chrysler = Daimler
1995
Jürgen Schrempp löst Edzard Reuter (Bild unten) als Vorstandschef bei Daimler
-Benz
ab. Indem er für das Geschäftsjahr einen Verlust von 5,7 Milliarden D-Mark bilanziert, desavouiert er die strategische Vision seines Vorgängers, der aus Daimler
einen "integrierten Technologiekonzern" machen wollte und so unterschiedliche Firmen wie AEG, MTU,
Dornier und Fokker übernahm. Die meisten davon stößt Jürgen Schrempp wieder ab.
1998
Am 7. Mai geben Schrempp und Chrysler -Chef
Bob Eaton (Foto rechts) die Fusion ihrer beiden Konzerne bekannt, den mit 36 Milliarden Dollar größten transatlantischen Zusammenschluss aller Zeiten. Schrempps neue Vision: Er will Daimler
zum Kern einer "Welt AG" machen, die auf den drei großen Automärkten USA, Europa und Asien Führungspositionen innehat.
2000
Schrempp vollendet die "Welt AG" und übernimmt 34 Prozent am japanischen Autokonzern Mitsubishi. Nur Tage später scheidet Eaton als Ko-Chef von Daimler -Chrysler
aus. Schrempp ist alleiniger Herr im Konzern. Weil die Geschäfte bei Chrysler immer schlechter laufen, schickt er Dieter Zetsche als Sanierer in die USA. Der neue Chrysler -Chef
schließt ein Jahr später sechs Werke und entlässt 26 000 Mitarbeiter.
2004
Schrempp will Mitsubishi frisches Kapital gewähren, aber der Vorstand überstimmt ihn. Daimler -Chrysler
kündigt an, bei Mitsubishi auszusteigen. Die "Welt AG" stirbt.
2005
Nun brechen die Gewinne bei Mercedes ein. Zudem müssen 1,3 Millionen Wagen zurück in die Werkstätten. Während der Dax steigt, fällt der Kurs der DCX-Aktie immer weiter. Am 28. Juli kündigt Schrempp überraschend an, er werde den Chefjob zum 1. Januar 2006 an Zetsche übergeben. Der Aktienkurs steigt um zehn Prozent.
2006
Zum Amtsantritt tut Zetsche das, was Schrempp jahrelang verweigerte: Er veröffentlicht sein Gehalt. Und er räumt auf: Bei Mercedes müssen 9 000 Mitarbeiter gehen, in der Konzernzentrale noch mal 6 000.
2007
Zetsche verkauft Chrysler und beerdigt die "Welt AG".

