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30.04.2008 
Stuttgarter streben Sperrminorität an

Daimler steigt wieder bei Tognum ein

Der Autobauer Daimler steigt überraschend bei dem Großdieselmotorenhersteller Tognum ein. Der Autokonzern will den 22,3-Anteil des Finanzinvestors EQT an seiner ehemaligen Tochter übernehmen. Das lässt sich Daimler einiges kosten. Die Stuttgarter verfolgen mit dem Schritt ein konkretes Ziel.

Ein Mitarbeiter des Tognum-Tochterunternehmens MTU montiert in Friedrichshafen einen Motor. Daimler wird wieder Großaktionär bei seiner ehemaligen Tochter. Foto: dpaLupe

Ein Mitarbeiter des Tognum-Tochterunternehmens MTU montiert in Friedrichshafen einen Motor. Daimler wird wieder Großaktionär bei seiner ehemaligen Tochter. Foto: dpa

HB STUTTGART. Das Unternehmen zahle 585 Mill. Euro für den Anteil, teilte Daimler am Mittwoch in Stuttgart mit. Duch den Einstieg werde die langfristige Lieferbeziehung mit Tognum abgesichert. Der schwäbische Konzern hatte sich Ende 2005 von dem Unternehmen mit Sitz am Bodensee getrennt.

Tognum-Vorstandschef Volker Heuer begrüßte den neuen Großaktionär. Mit Daimler "als strategischer Ankerinvestor" sei nun die durch den Börsengang erreichte Unabhängigkeit des Unternehmens im Interesse der Kunden und Aktionäre langfristig abgesichert. Die Stuttgarter brächten als Ankerinvestor Stabilität in das Unternehmen, betonte Heuer. Der Autokonzern sei die Wunschlösung, nachdem der Ausstieg von EQT klar gewesen war.

Daimler habe sich zudem die Möglichkeit gesichert, zusätzlich knapp ein Prozent der Anteile an Tognum zu erwerben, teilte der Autokonzern mit. "Es gibt eine klare Aussage von Daimler: Sie streben die Sperrminorität an, wollen aber darüber hinaus keine weiteren Anteile kaufen", sagte der Chef des Motorenherstellers, Heuer. "Tognum wird als selbstständiges Unternehmen erhalten bleiben und auch an seiner Strategie festhalten."

Beide Unternehmen haben den Angaben zufolge ihre enge Zusammenarbeit auch nach dem Verkauf von Tognum intensiv fortgesetzt. So lieferte das Mercedes-Benz Werk Mannheim 2007 mehr als 17 000 Diesel-Motoren und das Werk der Detroit Diesel Corporation in den USA mehr als 5 000 Diesel-Aggregate an Tognum. Sie werden in Anwendungen wie landwirtschaftlichen Maschinen, Industrieanwendungen wie Kränen, Pumpen oder Pistenraupen, Marine-Anwendungen sowie in Anlagen zur Energieerzeugung verbaut.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Daimler weiß schon, was sie tun"

Speziell die Volumina im weltweit wachsenden industriellen Agrarmarkt sollen künftig weiter ausgebaut werden und so auch einen Beitrag zur langfristigen Absicherung der Zulieferungen von Daimler-Motoren leisten. Tognum setze jährlich über 300 Mill. Euro mit Motorenlieferungen von Daimler um. Weitere 160 Mill. Euro kommen durch die Lieferung eigener Gelenkwellen an Daimler hinzu, berichtete der Autobauer.

Tognum sei heute ein weltweit führender Anbieter von Off Highway-Motoren, dessen Profitabilität in den letzten Jahren deutlich verbessert werden konnte. Der Umsatz nahm 2007 gegenüber dem Vorjahr um zwölf Prozent auf 2,8 Mrd. Euro zu, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) konnte um 26 Prozent auf 390 Mill. Euro gesteigert werden.

An dem Ausblick für 2008 ändere sich durch den Daimler-Einstieg nichts, sagte Heuer. Zur Entwicklung des ersten Quartals wollte der Vorstandschef nichts sagen, außer: "Es ist ein gutes Zeichen, wenn Daimler zu diesem Zeitpunkt einsteigt. Die wissen schon, was sie tun." Tognum will die Quartalszahlen am 8. Mai veröffentlichen.

Das Geschäft soll spätestens im dritten Quartal diesen Jahres abgeschlossen werden. Die im MDax notierte Tognum-Aktie schoss nach der Mitteilung zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben, gab die Gewinne später aber komplett wieder ab. "Die Übernahmefantasie ist jetzt weg", bemerkte ein Händler.

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