Daimler und Bosch
Bei den Traumpartnern kriselt es heftig

Daimler und Bosch sind seit 125 Jahren liiert. Doch in der Beziehung kriselt es mittlerweile immer stärker: Das Elektroauto etwa will Daimler weitgehend ohne Bosch vorantreiben - ausgerechnet eine der wichtigsten Zukunftsfragen der Automobilindustrie. Der erste Krach zwischen beiden ist dies nicht.
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STUTTGART. Das Traumpaar von einst geht bei einer der wichtigsten Zukunftsfragen der Automobilindustrie getrennte Wege. Und das just ein Jahr bevor beide einen 125. Jahrestag begehen: Daimler den der Erfindung des Automobils, Bosch den der Firmengründung. "Wir müssen das Automobil ein zweites Mal erfinden", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche, wenn er über Elektroautos spricht. Aber der Name des traditionsreichen und engen Partners Bosch fällt dabei nicht.

Beide Stuttgarter Unternehmen haben die Mobilität maßgeblich vorangetrieben. Carl Benz und Gottlieb Daimler erfanden das Auto, Robert Bosch den für höhere Drehzahlen unverzichtbaren Niedrigspannungs-Magnetzünder. Als "die Lösung aller Lösungen" soll Gottlieb Daimler den Bosch-Zünder wegen seiner Zuverlässigkeit gelobt haben. Doch die daran anknüpfende einzigartige Partnerschaft ist Vergangenheit.

"Da muss es auf höchster Ebene richtig gekracht haben", heißt es in Aufsichtsratskreisen. Beweise dafür gibt es nicht, aber deutliche Indikatoren: Daimler geht die Entwicklung der Batterien für die Elektroautos zusammen mit Evonik an. Die beiden Großkonzerne ziehen im ostdeutschen Kamenz die größte Batteriefabrik auf Lithium-Ionen-Basis in Europa hoch. Zudem liefert Boschs härtester Konkurrent Conti die wichtige Leistungselektronik. In Berlin will Daimler selbst Elektromotoren bauen, ohne bisher eigene Kompetenz auf diesem Feld vorweisen zu können. Auch hier bleibt Bosch außen vor.

Dort, in der Firmenzentrale auf der Gerlinger Schillerhöhe, gibt man sich gelassen. Als weltgrößter unabhängiger Automobilzulieferer könne Bosch ein solches Projekt nicht mit einem einzelnen Hersteller angehen, allein schon um seine Unabhängigkeit nicht zu gefährden und aus Rücksicht auf die anderen Kunden. Der Chef der Autosparte, Bernd Bohr, ist sich sicher, dass sowohl der Bau von Elektromotoren wie auch der noch wichtigeren Batterien auf Dauer Sache von großen Zulieferern wird. "Da reichen die Stückzahlen nicht aus, und ich weiß nicht, ob andere Automobilhersteller ausgerechnet Batterien bei ihrem Konkurrenten einkaufen wollen", sagt er.

Die Batterie entscheidet

"Die Elektrifizierung des Autos wird das Verhältnis von Zulieferern und Herstellern neu definieren. Jeder versucht, sich möglichst gut zu positionieren", sagt Autoprofessor Willi Dietz von der Fachhochschule Nürtingen. Die Autohersteller müssen sich die Frage neu stellen, was künftig ihre Kernkompetenz sein wird. Denn über den im Vergleich zum Verbrennungsmotor relativ simplen Elektromotor werden sie sich nicht mehr so leicht differenzieren können. Das trifft vor allem die Premiumhersteller, die bislang immer auf eigene Aggregate Wert legten.

Viel bedeutsamer werden dagegen die Leistungsfähigkeit der Batterie und die Leistungselektronik. Hersteller wie Daimler müssen sich genau überlegen, was künftig ein Autobauer selbst macht und was er einkauft.

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  • Heutzutage vergibt/nimmt niemand ein Auftrag an, weil man einem "Partner" einen Gefallen schuldig ist. Es geht immer um Preis und danach Qualität. Dieser bericht stellt die beziehung zwischen Daimler und bosch schlechter dar, als sie in Wahrheit ist.

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