Daimler und Renault
Peinliche Premiere der deutsch-französischen Allianz

Gemeinsam wollen Renault und Daimler ihre Modelllücken schließen. Doch im Detail entpuppt sich die deutsch-französische Allianz als ziemlich tückisch. Das erste gemeinsame Auto floppt im Crashtest.
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DüsseldorfEs war eine schöne Liebeserklärung, damals in Paris im Sommer 2012. Zwei Jahre nach der Verkündung ihrer Allianz erklärten Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn und Daimler-Chef Dieter Zetsche auf dem Autosalon, ihre Zusammenarbeit zu vertiefen. Das erste Kind der Kooperation rollte da schon über die Straßen. Der Kleintransporter von Mercedes, der Citan, in weiten Teilen baugleich mit dem Renault Kangoo, schloss eine wichtige Lücke in der Daimler-Modellpalette. Und auch einige Motoren und Getriebe wolle man künftig gemeinsam bauen, verkündeten die Unternehmenschefs.

Mittlerweile ist der Zauber des Anfangs verflogen. Beide Autobauer stecken auch im neuen Jahr in der Absatzkrise. Daimler musste nun sogar die Gewinnprognose kassieren, Nissan-Renault macht wieder Verlust. Dazu kommen weitere schlechte Nachrichten: Der im Renault-Werk Mauberge gefertigte Citan schneidet im Euro NCAP-Crashtest mit nur drei Sternen von möglichen fünf ab - ein Armutszeugnis. Die Probleme, die schon beim Kangoo im Jahr 2008 festgestellt worden waren, scheinen im Daimler-Modell übernommen worden zu sein. Peinlicher hätte das erste gemeinsame Modell der deutsch-französischen Allianz kaum starten können.

Auch bei den Premiummodellen hakt die Zusammenarbeit: Vor wenigen Tagen beerdigten die Franzosen ihre Pläne, ins Luxussegment vorzustoßen. Eigentlich wollte Renault die Architektur der E-Klasse nutzen, um ein eigenes Premiumauto zu entwickeln. Vorbei – die Pläne seien nicht wirtschaftlich sinnvoll, ließ das Unternehmen durchklingen. Die Kooperation in der Oberklasse beschränkt sich damit bisher auf eine gemeinsame Fertigung von Automatikgetrieben für Fahrzeuge der Nissan-Nobelmarke Infiniti ab 2016. In Mexiko entsteht darum eine gemeinsame Motorenfertigung der Konzerne.

Allzu große Kooperationsgewinne sind in der Premiumklasse damit nicht zu erwarten. Besser sieht es bei den Kleinstwagen aus. Für Smart und Twingo feilen Daimler und Renault derzeit an einer gemeinsamen Plattform. In der Mercedes-Benz-A-Klasse ist schon heute ein 1,5-Liter-Diesel aus dem Hause Renault verbaut, der künftig in der B-Klasse befeuern und sogar in die C-Klasse einziehen soll.

Sollte die Absatzkrise anhalten, dürfte auch die Fertigung von von Mercedes-Fahrzeugen in Renault-Werken wieder diskutiert werden. „Das könnte sich in einzelnen Ländern als sinnvoll oder sogar notwendig erweisen“, hatte Zetsche schon in Paris verkündet – doch damit vor allem auf die Märkte in Südamerika angespielt, die durch hohe Importzölle ein problematischer Markt für ausländische Autohersteller sind. Aber auch die Fertigung von Mercedes-Modellen in Frankreich schließt Ghosn nicht aus. „Mit leichten Nutzfahrzeugen machen wir das ja schon“, sagt Ghosn. So sollen die ungenutzten Kapazitäten der Franzosen besser ausgefüllt werden.

Auch bei den alternativen Antrieben sind die Partner aufeinander angewiesen. Gemeinsam mit Ford wollen die Unternehmen die Kommerzialisierung der Brennstoffzelle vorantreiben. Ein Projekt, das Daimler schon seit Jahren, doch bisher vergeblich, umtreibt. Die ersten Serienmodelle, die Daimler eigentlich für 2014 angekündigt hatte, will die Allianz nun erst 2017 vorstellen.

So problematisch sich der Flirt zwischen Daimler und Renault-Nissan sich auch erweist, eine Trennung scheint derzeit ausgeschlossen. 

Kommentare zu " Daimler und Renault: Peinliche Premiere der deutsch-französischen Allianz"

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  • The Renault Kangoo is a 2007 product : 4 stars Euro NCAP at this time, same rating that the VW Caddy, but the new NCAP criteria are now more severe ==> probably 3 stars for both now.
    The Citan is based on the 2007 Kangoo design, with cosmetic changes: no surprise ==> same test result.
    Next Renault, or VW design will obtain 4-5 stars, as the new Ford Transit
    (I hope) this fact was known by the Daimler management before the launch of project, this is not a question of bad design.

  • ----> Fortsetzung

    Zum Citan fällt eigentlich nur ein, daß das NCAP-Resultat des entsprechenden Renault Kangoos sicher schon etwas länger verfügbar ist. Vielleicht hätte da beim Daimler mal jemand nachschauen sollen, bevor sie ihren Markennamen dafür hergeben.
    Ich vermute die haben dieses Fahrzeug nur ins Programm genommen, damit Flottenbetreiber, die auch mal einen Hochdachkombi brauchen ihr komplettes Portfolio bei Mercedes beziehen können.
    Bleibt zu hoffen, daß die eigene Nutzfahrzeugsparte, die ja z.B. den wirklich hervorragenden Sprinter baut nicht auch in der Qualität nachlässt. Bitte keine Ducato-Motoren in den Sprinter packen - die sind bekannt für ihre zu kurze Lebensdauer (bei entsprechender Belastung)!

  • Vor einigen Monaten habe ich (vielleicht war es sogar hier im Handelsblatt) ein Interview mit einem/dem Designchef von Mercedes gesehen. Ein überaus eloquenter, leicht adipöser aber immer lächelnder 40-jähriger in Maßanzug, der begeistert von seinen Berufserfahrungen in den USA berichtete.
    Eine seiner Aussagen ließ mich geradezu erstarren. Strahlend berichtete er von dem lockeren Arbeitklima im Westen der USA und das dort auch beim Tennis auch mal neue Jobs klargemacht werden. Weiter führte er dann sinngemäß aus, daß die Amerikaner nicht so verkrampft wie wir Deutschen seien und eben oft auch mal eine 95%-ige Lösung am Markt ausreiche und man nicht so starr auf eine 100%-Lösung fixiert sein solle.
    Ich dachte wirklich ich hätte mich verhört.
    Ein Chefdesigner von Daimler muß nicht dauernd grinsen, er muß nicht eloquent sein, er selber darf sogar grottenhäßlich sein - aber eins muß klar sein: Wir (=Daimler) machen die 100% Lösung oder wir lassen es komplett sein!
    Ich selber habe in meinem Berufsleben nur sehr am Rand mit Daimler zu tun gehabt, ich kenne gewisse andere Unternehmen der Autoindustrie für die dieser "Herr 95-Prozent" von seinem Chef für so eine Aktion nach allen Regeln der Kunst ins Achtung gestellt worden wäre.
    Zum einen weil er offensichtlich mit 95% zufrieden ist, und zum anderen (viel schlimmer!), weil es dies auch noch öffentlich als Repräsentant des Unternehmens geäußert hat.
    Als ich neulich in einer neuen A-Klasse saß, fiel mir beim Blick auf das Instrumentencluster in offensichtlich preiswerter Zielflaggenoptik sofort dieser 95-Prozent Typ ein - das darf einfach nicht sein.

    ----> Fortsetzung

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