Daimler vernetzt Lkw
Das Ende der Elefantenrennen

Der einsame Brummi-Fahrer ist Geschichte: Lkw sollen auf der Autobahn zu Herdentieren werden. Autobauer Daimler setzt auf die Vernetzung der Trucks – und investiert eine halbe Milliarde Euro in den Bereich.

DüsseldorfEine Zukunftsvision kann einem schon mal schwer im Magen liegen. Die Menschheit, so erklärt es der amerikanische Zukunftsforscher Jeremy Rifkin auf dem „Campus Connectivity“ von Daimler, stehe vor der Frage, ob man überleben wolle. Selbst ein simpler Hamburger könne am Ende ein kleiner Beitrag zum Klimawandel und damit zum Untergang der Menschheit sein.

Viele seiner rund 300 Zuschauer im Areal Boehler in Düsseldorf standen noch vor wenigen Minuten an einer Burgerbar im Foyer. Doch allzu schlechtes Gewissen mussten sie nicht haben, versichert Rifkin. Der Ökonom hatte seinem Plenum schließlich auch einen Ausweg aus der Misere mitgebracht: Die Menschheit müsse es schaffen, die verfügbare Energie der Welt effektiver zu nutzen. Damit das gelingt, müsse sie sich vernetzen.

Das ist der Moment, in dem Wolfgang Bernhard auf die Bühne tritt. „Der Vorstand der Daimler-Nutzfahrzeugsparte will dem Publikum zeigen, warum der vernetzte Truck gebraucht wird. Vernetzte Trucks haben enormes Potential: sie werden den Transport grundlegend verändern“, sagt der Lkw-Vorstand des Konzerns. Denn bis zum Jahr 2050 werde sich der weltweite Güterverkehr auf der Straße verdreifachen. Um dem Verkehrskollaps zu entgehen, muss die Branche sich effizienter organisieren.

Denn der durchschnittliche Laster verbringt nur ein Drittel seiner Zeit auf der Straße. Die meiste Zeit steht er still und wartet, be- oder entladen zu werden, Zugang zum Firmengelände zu bekommen, auf eine Reparatur oder steckt einfach im Stau fest. Einer von vier Lkws sei außerdem mit wenig oder völlig ohne Ladung unterwegs, so Bernhard. „Das führt zu einer Vergeudung von Ressourcen“.

Noch ist der Lkw quasi der Hamburger unter den Transportmitteln. Das soll sich ändern. Eine halbe Milliarde Euro will Daimler bis 2020 in vernetzte Systeme investieren. Schon heute seien damit 300 Mitarbeiter beschäftigt, sagt Bernhard. Künftig wolle man einen neuen Bereich „Future Mobility Solutions“ einrichten.

Erste Ergebnisse zeigt Daimler auf dem „Campus Connectivity“. In der Vision von Daimler sollen Lkw in Zukunft nicht mehr vereinzelt, sondern in der Gruppe unterwegs sein – in einer vernetzten Kolonne. „Platooning“ nennen Fachleute die Technologie, „Highway Pilot Connect“ heißt sie bei Daimler.

Wie das funktioniert, zeigen die Schwaben in einer beeindruckenden Live-Präsentation. Auf fünf miteinander vernetzten großen Leinwänden sehen die Gäste drei Trucks auf der A52 bei Düsseldorf, gefilmt aus einem Helikopter. Eine Szene wie aus der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“.

Der Leiter von Entwicklung und Einkauf der Daimler-Nutzfahrzeugsparte, Sven Ennerst, funkt live ins Führerhäuschen. „Bereit, die Hände vom Lenkrad zu nehmen?“ Natürlich ist der Fahrer bereit. Die Fahrzeuge vernetzen sich über Wlan, gelbe Lichter leuchten auf. Man sieht, wie sich die Lkws näher kommen. Auf 15 Metern verringern sie den Abstand, wenn sie im vollautonomen Modus unterwegs sind. Von oben sieht das aus wie eine Elefantenherde auf der Autobahn.

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