Daimler-Werksleiter Klein: „Wir wollen die Keimzelle sein“

Daimler-Werksleiter Klein
„Wir wollen die Keimzelle sein“

Im Interview spricht Frank Klein, Leiter des Daimler-Werks in Kecskemét, über seine Erfahrungen mit der ungarischen Politik und die Zukunft des deutschen dualen Systems in Ungarn.
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Immer wieder beschweren sich ausländische Unternehmen, dass die ungarische Politik nicht berechenbar sei. Sie sind einer der größten ausländischen Investoren in Ungarn. Welche Erfahrungen haben Sie am Standort gesammelt?

Wir haben in Kecskemét auf allen politischen Ebenen vom ersten Tag an eine sehr gute Unterstützung erfahren. Seit unserer Standortentscheidung haben wir drei Ministerpräsidenten erlebt. In der Zusammenarbeit war die Politik für uns bisher immer berechenbar.

Sie haben mit der Regierung eine strategische Partnerschaft vereinbart? Sind erste Ergebnisse dieser Partnerschaft bereits sichtbar?

Zunächst einmal hat sich im Bereich Arbeitszeitflexibilität sehr viel getan. Wir sind jetzt in der Lage, unsere Produktion durch Modelle wie Gleitzeitkonten flexibler zu gestalten. Auch andere Arbeitszeitgesetze wie Urlaubsregelungen wurden unternehmensfreundlicher gestaltet. Und bei der Weiterentwicklung der Fachausbildung nach deutschem Vorbild, bei Forschungsprojekten an ungarischen Hochschulen und bei der Stärkung der ungarischen Lieferantenlandschaft haben wir ebenfalls Fortschritte gemacht.

Bisher haben Sie aber kaum ungarische Lieferanten…

Grundsätzlich kauft Daimler global ein, ein Werksstandort ist nicht notwendigerweise auch ein Beschaffungsschwerpunkt. Zudem dauert es, bis sich eine Zulieferer-Landschaft in der Region entwickelt, die den Qualitätsansprüchen von Mercedes gerecht wird. Aber derzeit haben wir immerhin schon 25 Lieferanten, die in Ungarn produzieren. Auch in der zweiten und dritten Ebene sind erste Erfolge sichtbar. Ein Zulieferer, der nach einem Sublieferanten etwa für Schrauben sucht, wird sicherlich möglichst eher in Ungarn als international einkaufen.

Neben guten Zulieferern brauchen Sie vor allem gutes Personal. Wie wollen Sie auch am Standort Ungarn beim Personal deutsche Qualität garantieren?

Gemeinsam mit Politik und Verbänden haben wir in Ungarn die Weichen für eine duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild gestellt, im September 2011 wurde das Ausbildungsgesetz entsprechend geändert. Das ist ein historischer Schritt - und Kecskemét  kann als eine Keimzelle dieser Entwicklung gesehen werden. Wir wollen diese Art der Ausbildung bis in den kleinsten Betrieb hinein etablieren – davon wollen wir auch andere Unternehmen überzeugen.

Wann wird ein Ungar zum Werksleiter in Kecskemét?

Wir fördern unsere ungarischen Talente, und mit der Zeit werden sie ganz selbstverständlich mehr und mehr in Führungsebenen aufrücken. Vielleicht arbeitet einer der nächsten Werkleiter also schon heute in unserem Werk.

Lukas Bay hat am journalistischen Austauschprojekt „Nahaufnahme“ des Goethe-Instituts teilgenommen. Im Rahmen des Programms wechseln Redakteure aus Deutschland und anderen europäischen Ländern für jeweils zwei bis vier Wochen ihren Arbeitsplatz. Bay hat Anfang 2013 zwei Wochen für hvg.hu geschrieben. Weitere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/nahaufnahme.

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