Daimlers Comeback: "Mit hohem Drehmoment" aus der Krise

Daimlers Comeback
"Mit hohem Drehmoment" aus der Krise

Die blaue Krawatte passend zur neuen C-Klasse: Daimler-Chef Dieter Zetsche kann wieder strahlen. Denn der Autokonzern hat seine Ankündigung wahr gemacht: "Wir werden aggressiv zurückkommen."
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StuttgartBlauer Himmel, strahlender Sonnenschein in Stuttgart. Mit bester Laune kommt Daimler-Chef Dieter Zetsche die Treppe im Carl-Benz-Center hinunter, im Gefolge Finanzchef Bodo Uebber und Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler. Am Ort der Bilanzpressekonferrenz, direkt neben der Mercedes-Arena und nur einen Katzensprung von der Untertürkheimer Konzernzentrale herrscht Hochstimmung, ganz anders als bei der Niederlage des VfB Stuttgart am Wochenende.

Mit hellblauer Krawatte farblich passend zur neu gestalteten C-Klasse Limousine lächelt der mächtige Auto-Boss geduldig in die Kameras.  Mit einem operativen Gewinn von 7,3 Milliarden Euro hat der schwäbische Autokonzern seine im vergangenen Jahr dreimal nach oben korrigierten Prognosen im Schlussspurt noch einmal etwas übertroffen. Endgültig vergessen sind die  Krisensitzungen letztes und vorletztes Jahr, als Dieter Zetsche noch einen Verlust von 2,6 Milliarden Euro verkünden musste, die Dividende deshalb ausfiel und nur das vage Versprechen abgeben konnte, dass der Autobauer „mit hohem Drehmoment“ aus der Krise komme.

Zwölf Monate später sieht die Welt pünktlich zum 125-Jahr-Jubiläum der Erfindung des Autos von Carl Benz rosig aus. „Wir haben Wort gehalten. Im Jubiläumsjahr des Automobils ist dessen Erfinder in sehr guter Verfassung“, verkündet Zetsche. Voll ausgelastete Fabriken, brummende Geschäfte vor allem in China und den USA erfreuen den Protagonisten. Er spricht von einem „glänzenden Comeback“ und verspricht: „Wir bleiben auch 2011 auf dem Gas.“ In diesem Jahr will Daimler die Rendite weiter steigern und wie angekündigt bei Mercedes einen neuen Absatzrekord aufstellen. 

Die Stimmung könnte kaum besser sein. Dass die Batteriefertigung in Kamens erst langsam in Gang kommt, beim Mautsystem Toll Collect noch Schadenersatzzahlungen drohen, der Smart sich in den USA nicht verkauft und die Beteiligung am Luftfahrtkonzern EADS nicht mehr ins Konzept passt, aber eine Trennung schwierig wird, spielen nur am Rande eine Rolle. Scherzend fährt  Finanzchef Bodo Uebber seinem Chef in die Parade, als der übereifrig eine Frage zur EADS beantworten will. Beim Luftfahrtkonzern ist Uebber Verwaltungsratschef. Ob die Beteiligung abgegeben oder reduziert wird, lässt der Finanzchef aber offen. Heute gehe es um Autos und LKWs.

Die positiven Nachrichten sollen dominieren und sie tun es. Selbst die Kritik an der volatilen Dividende pariert Zetsche mit lockerer Ironie. Die Ausschüttungsquote sei mit rund 40 Prozent konstant. Im vergangenen Jahr seien es eben 40 Prozent von Null gewesen. In diesem Jahr können sich die Aktionäre über ein Ausschüttung von 1,85 Euro oder insgesamt zwei Milliarden Euro freuen. Der vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Krise mit knapp zehn Prozent zu einem Kaufpreis von zwei Milliarden Euro eingestiegene arabische Investor Aabar aus Abu Dhabi kann damit erstmals eine Dividende von rund 200 Millionen Euro einstreichen. Der Kurs ihres Investments hat sich in der Zwischenzeit ohnehin verdoppelt. 

Aber nicht nur die Aktionäre profitieren von der Rückkehr der Schwaben zu alter Stärke. Nach der vergleichsweise mageren Entlohnung von 11,1 Millionen Euro für 2009 winkt den fünf Vorständen für 2010 ein gewaltiger Gehaltssprung. Denn ein Großteil der Vorstandsbezüge wird variabel bezahlt und ist an das Ergebnis gekoppelt. Ein Grund mehr mit fröhlichen Gesichtern nach zwei Stunden Fragen und Antworten die Bilanzpressekonferenz mit fröhlichen Gesichtern zu beenden. Schnur stracks verlässt der Vorstand den Saal. Es geht ab zum Flieger nach Indien. Dort stellt Daimler morgen seine neue LKW-Marke in Indien vor.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Na, jetzt geht es ja wieder, Krise überstanden, die Abwrackprämie vom armen Steuerzahler kassiert. Wie wäre es denn wenn uns die Autokonzerne jetzt ein wenig unter die Arme greifen wo doch die Komunen so pleite sind und wir wieder zur Kasse gebeten werden (höhere Gebühren, Grundsteuer, Schwimmbadnutzung ect. Mein Vorschlag: z.B. im Strassenbau die maroden Straßen/Straßenlöcher stopfen.
    (schönes Wunschdenken............)

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