Daimlers Elektro-Strategie Weitere E-Modelle in Planung

Daimler setzt verstärkt auf E-Mobilität: Der Autobauer will einem Bericht zufolge in sechs Jahren mehr als sechs neue E-Modelle auf den Markt bringen – vom SUV bis zum Kompaktfahrzeug. Auch die E-Bus-Pläne kommen voran.
Update: 03.09.2016 - 13:36 Uhr
Beim Autosalon in Paris will Daimler drei elektrische Smart-Modelle präsentieren. Quelle: dapd
Serienproduktion von Elektro-Smart

Beim Autosalon in Paris will Daimler drei elektrische Smart-Modelle präsentieren.

(Foto: dapd)

StuttgartDer Autobauer Daimler plant nach einem Bericht der „Automobilwoche“ von 2018 bis 2024 mehr als sechs neue Elektromodelle. Der Schwerpunkt soll demnach auf sportlichen Geländewagen und Crossover-Modellen liegen, aber auch Kompaktfahrzeuge und Limousinen sind geplant. Statt einer Submarke sei eine klar erkennbare Produktfamilie vorgesehen, die sich auch durch die Namensgebung abgrenze, berichtet die Branchenzeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Eine Daimler-Sprecherin erklärte am Samstag auf Anfrage, der Spekulationen nicht zu kommentieren. Sie verwies aber auf den Pariser Autosalon im Oktober, bei dem drei elektrische Smart-Modelle präsentiert werden - und ein sogenanntes Showcar Weltpremiere feiert. Das Fahrzeug soll Ausblick auf eine „völlig neue Fahrzeuggeneration mit batterieelektrischem Antrieb geben“. Daimler hat neben dem E-Smart und einer B-Klasse mit Elektromotor auch acht Plug-in-Hybride im Portfolio.

Die Zeit ist reif für einen Elektro-Lkw – zumindest ein bisschen
Maue Aussichten beim Lkw
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Elektroautos sollen die Basis für den Verkehr der Zukunft bilden – so viel ist klar. Ob der Strom dabei aus einer Batterie oder einer Brennstoffzelle kommt, ist zweitrangig. Hauptsache CO2-neutral. Das Problem: Autos stehen nur für einen Teil des Straßenverkehrs. Während bereits einige wenige Elektro-Motorräder und -Roller unterwegs sind, sieht es an einer anderen Front bislang eher mau aus: bei den Lkw.

Mercedes-Benz eTruck
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Mit dem Elektro-Lastwagen zeigte Daimler im Vorfeld der Nutzfahrzeug-IAA, wie man sich einen Elektro-Truck vorstellt – und das in einer seriennahen Form.

Bahn frei für die Elektrifizierung
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„Bislang war der Einsatz von Elektroantrieben im Lkw extrem limitiert. Mittlerweile entwickeln sich Kosten, Leistung und Ladedauer so rasant weiter, dass wir für den Verteilerverkehr jetzt eine Trendwende sehen: Die Zeit ist reif für den Elektro-Lkw“, sagt Daimler-Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard. „Mit dem Mercedes-Benz Urban eTruck elektrifizieren wir jetzt den schweren Verteilerverkehr bis 26 Tonnen.“ Zwischenstufen wie Plug-in-Hybride will Bernhard aber auslassen – der Markt für Nutzfahrzeuge unterteile sich klar in die beiden Bereiche Fernverkehr und Verteilerverkehr – für den einen den Diesel, für den anderen der Elektro-Truck. Mischformen wie bei den Pkw-Kollegen gebe es laut Bernhard kaum.

Der Diesel bleibt
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Das Stichwort ist hier Verteilerverkehr: Die Langstrecken-Trucks auf der Autobahn werden also vorerst weiterhin mit Diesel fahren. Hier reichen die Batterien noch nicht aus. Der Urban eTruck bietet bei einer mit dem Diesel vergleichbaren Nutzlast eine Reichweite von bis zu 200 Kilometern bei voller Nutzlast – was laut Daimler für den innerstädtischen Transport ausreicht. „In Städten können Elektro-Lkw in naher Zukunft Realität werden“, sagt Bernhard.

Gegen Dreck und Lärm
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Die Herausforderung: Weltweit ziehen immer mehr Menschen in die Stadt, bis 2050 werden laut der UN 70 Prozent der Weltbevölkerung in Großstädten leben – und müssen entsprechend mit Gütern versorgt werden. Zugleich werden aber die Grenzwerte für Luftqualität und Lärmpegel immer strenger, die Einfahrrestriktionen immer größer. „Metropolen wie London oder Paris erwägen inzwischen, künftig Verbrennungsmotoren aus den Stadtzentren zu verbannen“, so Bernhard. „Das bedeutet: in Zukunft werden dort vollelektrische Lkw die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln oder anderen Gütern des täglichen Bedarfs sicherstellen.“ Oder wie Stefan Buchner, Leiter Mercedes-Benz Trucks hinzufügt: „Dann ist nicht nur der Apfel im Supermarkt bio, sondern auch der Transport dahin.“

Neue Batteriezellen als Durchbruch
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Bis vor Kurzem waren vollelektrische Lastkraftwagen beinahe undenkbar: Die Batterien waren zu groß und zu teuer, die Reichweite viel zu gering. Möglich wird der Elektro-Lkw jetzt durch bessere Batteriezellen: Daimler Trucks erwartet, dass die Kosten für die Batterien eines vollelektrischen Lkw von 1997 bis 2025 um den Faktor 2,5 sinken werden – von 500 Euro/kWh auf 200 Euro/kWh. Gleichzeitig steigt die Leistung in diesem Zeitraum um den gleichen Faktor von 80 Wh/kg auf 200 Wh/kg.

Neuer Antrieb, neue Achse
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Basis für den Urban eTruck bildet ein schwerer dreiachsiger Verteiler-Lkw von Mercedes. Bei der Karosserie ist der eTruck kaum von einem Diesel-Lkw zu unterscheiden – wenn der Aufbau montiert ist. Denn ohne die Transportbox wird das neue Antriebskonzept sichtbar. An die Stelle des konventionellen Antriebsstrangs tritt eine elektrisch angetriebene Hinterachse mit Elektromotoren unmittelbar neben den Radnaben. Die neue Achse wurde abgeleitet aus der E-Achse des Mercedes-Benz Citaro Hybrid Busses.

Außerdem treibt Daimler seine Pläne für Elektro-Großfahrzeuge voran: Elektrobusse könnten ihre Reichweite nach Einschätzung von Daimlers Buschef Hartmut Schick bis 2025 entscheidend vergrößern – und so den täglichen Linienverkehr problemlos bewältigen. „Bis 2025 halten wir eine Reichweite von 300 Kilometern für machbar“, sagte Schick den „Stuttgarter Nachrichten“ (Samstag). „Für den allergrößten Teil des Linienverkehrs reicht das aus.“ Die Batterien werden ihm zufolge deutlich leistungsfähiger und günstiger. Es sei daher absehbar, dass im nächsten Jahrzehnt die Mehrheit der Linien den ganzen Tag über mit E-Bussen bedient werden können. „Es reicht dann aus, die Batterie im Depot zu laden.“

2018 plant Daimler einen rein elektrisch betriebenen Bus, der bei den Kosten mit einem Diesel vergleichbar sein soll. Selbstfahrende Busse hält Schick indes für ferne Zukunftsmusik. „Die neuen Systeme, die Fußgänger erkennen und mit den Ampeln kommunizieren, selbstständig lenken und bremsen, entlasten den Fahrer und bringen mehr Sicherheit“, sagte er dem Blatt. „Aber sie werden ihn noch lange nicht ersetzen.“

  • dpa
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