Dainippon Sumitomo will Sepracor
Japans Pharmaindustrie kauft in den USA zu

Erneut kauft sich ein japanisches Pharmaunternehmen für eine Milliardensumme auf dem weltgrößten Pharmamarkt USA ein. Dainippon Sumitomo, Japans siebtgrößter Arzneimittelhersteller, will für umgerechnet 2,6 Mrd. Dollar die in Massachusetts ansässige Pharmafirma Sepracor übernehmen. Damit sichert sich der Konzern erstmals eine nennenswerte Präsenz auf dem wichtigen US-Pharmamarkt.

TOKIO/FRANKFURT. Bislang hatte das Unternehmen mehr als 90 Prozent seines Umsatz im Heimatmarkt Japan erwirtschaftet. Dainippon will im nächsten Jahr die Zulassung für das Schizophreniemittel Lurasidone in den USA beantragen und könnte für den späteren Markteintritt die Vertriebsstrukturen von Sepracor in den Vereinigten Staaten und Kanada nutzen.

Japans Pharmaindustrie sucht energisch nach neuen Umsatzquellen. Auf dem eigenen Markt lässt sich wegen gedeckelter Gesundheitskosten kaum noch Wachstum erzielen. Schlimmer noch: Branchenweit laufen in diesen Jahren Patente für wichtige Gewinnbringer aus. Im vergangenen Jahr verlor Dainippon Sumitomo den Patentschutz für sein Blutdruckmittel Amlodin. Sofort boten über dreißig verschiedene Anbieter preiswerte Nachahmermedikamente mit dem gleichen Wirkstoff an – Japan hatte den Generikamarkt erst kurz davor dereguliert. Der operative Gewinn des mittelgroßen Herstellers brach um 22 Prozent ein.



Dainippon Sumitomo entstand 2005 durch eine Fusion, blieb aber dennoch als siebtgrößter Anbieter weit hinter der Finanzkraft von Großkonzernen wie Takeda oder Daiichi Sankyo zurück. Diese beiden Unternehmen allein haben seit 2008 rund 17 Mrd. Dollar für Zukäufe ausgegeben. Dainippon setzte im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr umgerechnet rund 2,7 Mrd. Dollar um und verdiente netto 204 Mio. Dollar.

Für Dainippon wurde der Aufbruch in Überseemärkte und die Sicherung neuer Patente zuletzt so dringend, dass das Management dafür nun auch höhere Risiken eingeht. Denn die etwa halb so große Sepracor ist für Dainippon ein großer Brocken, der Kaufpreis soll größtenteils durch einen Überbrückungskredit finanziert werden. Das Management gehe davon aus, ohne eine langfristige Akquisitionsstrategie nicht überleben zu können, urteilen Branchenkenner. Die Japaner zahlen mit 23 Dollar pro Aktien einen Aufschlag von 27,6 Prozent gemessen am Aktienkurs vom 1. September. Bezogen auf den Durchschnittskurs der letzten sechs Monate beträgt das Premium 48 Prozent.



Analysten wie Les Funtleyder von der New Yorker Investmentfirma Miller Tabak & Co. ordnen den Deal dennoch als billigen Zukauf ein. Zum einen ist der Yen gegenüber dem Dollar derzeit sehr stark. Und mit dem 2,2-fachen des Umsatzes und den 5,4-fachen des Gewinns bleiben die Aufschläge für Sepracor tatsächlich weit hinter anderen Transaktionen zurück, die japanische Firmen in den USA zuletzt getätigt haben. Takeda hatte im vergangenen Jahr beispielsweise das 15-fache des Umsatzes für die US-Firma Millennium bezahlt, die damals noch operativ rote Zahlen schrieb, aber ein sehr vielversprechendes Krebsmittel-Portfolio hat. Eisai, Japans viertgrößter Konzern, hatte 2007 das Neunfache des Umsatzes für MGI Pharma bezahlt und das 190-fache des Gewinns.

Nachdem eine Zeitung in Tokio die Fusion vorab gemeldet hatte, setzte die Börse den Handel der Aktie von Dainippon Sumitomo nach heftigen Schwankungen aus. Sepracor legte an der Nasdaq um 26 Prozent zu, bevor der Handel ebenfalls ausgesetzt wurde.

Auch die US-Firma versucht seit längeren, ihr auf Nordamerika konzentriertes Pharmageschäft auf eine breitere Basis zu stellen. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr 1,2 Mrd. Dollar umsetzte und 480 Mio. Dollar Gewinn machte, ist auf Medikamente zur Behandlung der Atemwege und des Zentralen Nervensystem spezialisiert. In diesem Jahr hat Sepracor ein Antiepileptikum zur Zulassung angemeldet.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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