Dallmayr, Melitta und Tchibo
Kaffee-Kartell muss Millionenbuße zahlen

Das Bundeskartellamt lässt das Jahr 2009 mit einem Paukenschlag ausklingen. Das trifft drei Namen mit bisher weitgehend tadellosem Ruf: Dallmayr, Melitta und Tchibo. Ausgerechnet diese Traditionsmarken haben acht Jahre lang illegal Preise abgesprochen. Jetzt bekommen sie eine Millionenstrafe aufgebrummt.
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DÜSSELDORF. Zur Zahlung von insgesamt 159,5 Mio. Euro - die höchste Geldbuße des laufenden Jahres - will die Bonner Behörde die Kaffeeröster Melitta, Dallmayr und Tchibo verdonnern. Wie die Kartellwächter gestern mitteilten, hätten die drei Familienunternehmen seit Anfang 2000 immer wieder ihre Verkaufspreise abgesprochen.

Noch aber ist der Bescheid nicht rechtskräftig. Eine Sprecherin des Mindener Melitta-Konzerns teilte gestern mit, das Unternehmen wolle gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen. Melitta habe "in Übereinstimmung mit der herrschenden Rechtslehre" erhebliche verfassungsrechtliche Zweifel an der Höhe des Bußgeldes. Somit wird sich demnächst das Oberlandesgericht Düsseldorf mit dem Fall befassen.

Ob sich die beiden übrigen betroffenen Kaffeeröster der Beschwerde anschließen, blieb gestern offen. Eine Dallmayr-Sprecherin sagte lediglich, man halte die Geldbuße für "völlig überzogen". Schließlich sei Röstkaffee in Deutschland "günstiger als sonst überall in Europa". Tchibo wollte sich zum Fall offiziell nicht äußern.

Schon am 3. Juli 2008 hatten die Beamten die Zentralen der drei Firmen durchsuchen lassen. Ihr Verdacht: Im Frühjahr 2004 und im Winter 2007/08 hätten die Konzerne sich abgesprochen. In jenen Wochen stellte die Behörde auffällige Preisänderungen fest.

Wie es aus informierten Kreisen heißt, hatten Aussagen eines ebenfalls am Preiskartell beteiligten Unternehmens die Ermittlungen angestoßen. Wegen der Kronzeugenregelung wurde gegen diesen Röster jedoch nicht ermittelt. Aus Kreisen der beteiligten Unternehmen hieß es, der Kaffeeröster Jacobs, der nach Tchibo (Marktanteil 24 Prozent) als zweitgrößter Bohnenanbieter Deutschlands gilt, könne dieser Kronzeuge sein. Für die Vermutung spricht, dass dort der Mutterkonzern Kraft in Bremen soeben den Verkaufschef ausgewechselt hat.

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  • So spart der Verbraucher nun vielleicht 10€ /Jahr, wenn überhaupt.
    Wie schön wäre es doch, wenn sich das Kartellamt einmal mit wirklich relevanten ingen beschäftigen würde:

    1. Wir sehen immer wie sich die Spritpreise in Abhängigkeit von Ferien etc. auf hohen Niveau im Gleichlauf bewegen,

    2. Die Gaspreise sind trotz Krise bei allen Anbietern auf höchstem Niveau

    3. Die Strompreise sind fest in der Hand eines Viererkartells

    4. Die Preise für Arzneimittel sind hier so hoch wie fast nirgens in der Welt.

    Ein richtiges Kartellamt könnte hier so viel bewegen, aber nein, Kaffee mußreichen. Das tut niemand richtig weh und wird als beruhigung ausreichen.

    So lenkt man von richtiger Kartellwirtschaft ab.

  • es ist begrüßenswert, dass solche Machenschaften bestraft werden, aber an die Ölfirmen bzw. Tankstellenbetreiber, die ja auch immer die Preise absprechen, warum haben sie denn immer die gleichen Preise, traut sich noch niemand heran.

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