Dank Staatshilfe
GM fühlt sich wieder gesund und hungrig

General Motors (GM) hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Ankündigung, Opel nicht mehr verkaufen zu wollen, kam überraschend, wenn man bedenkt, dass der Konzern noch zu Jahresbeginn in der Insolvenz steckte. Doch Staatshilfen und eine Rosskur lassen die einstige Nummer eins der Welt wieder durchstarten und Opel wird dabei zur Schlüsselfigur.

fas/ebe/hz/mcs DÜSSELDORF. So schnell hat sich ein Unternehmen selten saniert. Als General Motors am 1. Juni 2009 offiziell Insolvenz anmeldete, dauerte es gerade sechs Wochen, bis der Konzern wieder neu starten konnte. 50 Mrd. Dollar Staatshilfe steuerte die Regierung Obama in den ehemals größten Autohersteller der Welt. GM verglich sich mit seinen Gläubigern und kappte seine Schulden von 176 Mrd. Dollar auf 48 Mrd. Es folgte eine beispiellose Rosskur: 17 Werke in den USA machten dicht, ein Drittel der 90 000 Beschäftigten rund um Detroit mussten gehen. Die Sportwagenmarke-Pontiac wird abgewickelt, Saturn geschlossen, Saab nach Schweden und Hummer nach China abgegeben. Doch Opel wollen die Amerikaner unbedingt behalten.

Experten sind von der Entwicklung wenig überrascht. GM bekomme allmählich "sein Haus in Ordnung", sagt Jeremy Anwyl, Chef der Autoservice-Firma Edmunds.com. Die Tatsache, dass sich die Autoverkäufe in den vergangenen Wochen besser entwickelten, gebe der Konzernführung neues Selbstvertrauen. So sei es nur folgerichtig, am europäischen Markt festzuhalten und trotz großer Herausforderungen den nächsten Sanierungsversuch bei Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall in Angriff zu nehmen.

"GM ist vor allem an der Opel-Kompetenz bei Mittelklasse-Fahrzeugen interessiert", sagt Engelbert Wimmer von der Frankfurter Beratungsagentur PA Consulting. "GM braucht eine starke Präsenz auf dem europäischen Markt", glaubt der Experte. Zudem sitze Opel in einem starken europäischen Lieferantennetzwerk, zu dessen Innovationen GM unbedingt einen schnellen Zugang brauche. Das Problem bei Opel aber bleibe: "Eine beschädigte Marke, strukturelle Überkapazität und eine nicht wettbewerbsfähige Kostenstruktur", so Wimmer.

Doch dagegen stehen die Chancen für GM. "GM-Vizepräsident Bob Lutz hat mit Sicherheit sofort erkannt, was es bedeutet, Opel aufzugeben: Damit würde GM riskieren, den europäischen Markt und das wichtige Entwicklungszentrum für alle Mittelklassewagen im Konzern zu verlieren", sagte Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen.

Denn trotz beschädigter Marke und deutlichen Überkapazitäten ist Opel für GM immer noch ein guter Pfeiler in Europa. Immerhin verkaufen die Rüsselsheimer pro Jahr etwa 1,5 Mio. Fahrzeuge und leisten für den Konzern wichtige Entwicklungsarbeit - insbesondere bei kleineren und spritsparenden Modellen. Auch ein Teil der Forschungsarbeit für den geplanten GM-Elektrowagen wird in den Testlabors für Batterieforschung von Opel in Mainz-Kastel absolviert. In den USA wurde der Chevi Volt von dem Deutschen Frank Weber entwickelt. Der Wiesbadener wechselte erst vor vier Tagen von der Mutter zu Opel zurück. Ein deutlicher Fingerzeig für die künftige Entwicklung beider Unternehmen.

Offen bleibt die Zukunft von Opels Chefaufseher und faktischem starkem Mann Carl-Peter Forster. Klar ist nur, dass er Rüsselsheim verlassen wird. Branchenkreisen zufolge liegen ihm mehrere Angebote vor. Im Gespräch sei er für einen Spitzenjob bei einem großen Automobilzulieferer in Süddeutschland, heißt es. Forsters Familie hat ihren Lebensmittelpunkt seit seiner Zeit bei McKinsey und BMW in München.Dort sind aber alle Spitzenpositionen derzeit belegt.

Im Kampf um Opel gehörte der 55-Jährige ohnehin zu den Verlierern. Wäre Magna zum Zug gekommen, hätten andere die Führung übernommen. GM wiederum soll seinem langjährigen Europachef die Unterstützung für Magna übelgenommen haben. Forster, der aus gemeinsamen Tagen in der Europazentrale in Zürich ein enges Verhältnis zu GM-Chef Fritz Henderson hat, galt lange als Kandidat für den Konzernvorstand.

Forster warb gestern - anders als seine US-Chefs - bereits dafür, dass sich General Motors bei der Sanierung von Opel am Konzept des nicht zum Zuge gekommenen Zulieferers Magna orientiert. "Es gibt einen Restrukturierungsplan, er ist mit Magna ausgearbeitet worden, das heißt aber nicht, dass er ohne Magna falsch ist", sagte Forster.

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