Darmstädter Pharmakonzern
Merck überrascht mit Milliarden-Deal in den USA

Das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck kauft den US-amerikanischen Chemikalienhersteller Sigma-Aldrich für rund 13 Milliarden Euro. Nach anfänglicher Skepsis reagieren die Anleger euphorisch.
  • 1

Darmstadt/FrankfurtDer Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA holt in den USA zum großen Schlag aus. Das Darmstädter Unternehmen kauft für 17 Milliarden Dollar (13,1 Milliarden Euro) den Life-Science-Spezialisten Sigma-Aldrich, wie Merck am Montag mitteilte. Merck zahlt 140 Dollar je Sigma-Aldrich-Aktie.

Das sind 36 Prozent als der Schlusskurs der Sigma-Aktie an der US-Börse Nasdaq vom Freitag. Bei Merck -Anlegern stößt die milliardenschwere Offerte für Sigma-Aldrich nach anfänglichen Zweifeln offenbar auf positive Resonanz. Die Aktien des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns stiegen am Montag nach vorübergehenden Kursverlusten um bis zu 5,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 73,80 Euro.

Mit dem Kauf entstehe einer der führenden Anbieter der sogenannten Life-Science-Industrie. Damit werden Geschäfte rund um Gesundheit, Pflanzenschutz und Saatgut sowie Biotechnologie zusammengefasst. Die zuständigen Behörden und die Aktionäre müssen dem Geschäft aber noch zustimmen. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung von Sigma wird in den nächsten Monaten erwartet. Die Übernahme soll bis Mitte 2015 über die Bühne gegangen sein.

„Merck ist ein exzellenter Schuldner, daher ist die Refinanzierung zu guten Konditionen kein Thema“, sagte Ulrich Huwald, Analyst beim Bankhaus MM Warburg. Zudem sei Sigma-Aldrich gut aufgestellt und habe sich erst jüngst restrukturiert. „Allerdings hatte ich eher kleine Zukäufe erwartet, daher kommt dieser Schritt schon überraschend.“

Merck rechne mit Einsparungen durch die Zusammenlegung in Höhe von jährlich 260 Millionen Euro. Der Pharmakonzern will die Übernahme mit einer Mischung aus Bargeld, Bankkrediten und Anleihen stemmen.

Für das Life-Science-Geschäft von Merck sei die Übernahme „ein Quantensprung“, erklärte Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley. Beide Unternehmen zusammen könnten ihren Kunden in Forschung und Wissenschaft, Pharma- und Biopharmaherstellung, Diagnostik und Testlabors ein „sehr viel breiteres Produktangebot anbieten“. Durch die Übernahme profitiere Merck zudem von Trends wie der zunehmenden Globalisierung von Forschung und Pharmaproduktion.

Gemeinsam werden die beiden Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 300.000 Produkte liefern können. In der Forschung könnten beide zusammen ein sich ergänzendes Angebot von Laborchemikalien und -reagenzien anbieten.

Mit der Übernahme beschleunigt Merck den eingeschlagenen Kurs weg von der Entwicklung neuer Medikamente. Die Konzerntochter Serono tut sich schwer, neue Produkte hervorzubringen. 2010 übernahm Merck für rund 6 Milliarden US-Dollar Millipore, einen amerikanischen Hersteller von Laborausrüstung und Chemikalien. Mit der Übernahme stärkt der Konzern die Sparte. Sie ist von den vier Bereichen des Unternehmens mit einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro die zweitgrößte.

Eine ähnlich große Milliarden-Übernahme wie mit Sigma-Aldrich geplant war Merck 2007 gelungen. Das Unternehmen hatte für fast elf Milliarden Euro den Schweizer Biotech-Konzern Serono übernommen und hatte sich damit zum größten europäischen Biotech-Unternehmen aufgeschwungen.

Merck ist seit fast 350 Jahren im Familienbesitz. Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr mit rund 39.000 Beschäftigten einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro. Sigma-Aldrich mit mehr als 9000 Mitarbeitern setzte 2013 umgerechnet rund 2,1 Milliarden Euro um.

Merck hat eine Schlankheitskur hinter sich und sieht sich als kerngesundes Unternehmen. Bei der Hauptversammlung im Mai hatte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley angekündigt, wieder auf Einkaufstour gehen zu wollen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Darmstädter Pharmakonzern: Merck überrascht mit Milliarden-Deal in den USA"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieder ein Zeichen,wohin die Geldschwemme der Notenbanken führt.Bei einem normalen Leitzins von 4 Prozent plus x,wäre es Merck unmöglich gewesen, die Übernahme durch Bargeld, Kredite und Anleihen zu stemmen,aber so? Geben sie halt ne Anleihe von 1% plus x,genügend Dumme gibt es immer die zeichnen.Schließlich liegt der Leitzins noch tiefer.Und so steigen die Kurse von beiden,vom Übernahmekandidaten und von Merck.Anlagenotstand aufgrund der jahrelangen Nullzinspolitik nennt das der Fachmann .

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%