Das breite Produktspektrum lockt
Finanzinvestoren schielen auf MG Chemie

Beim geplanten Verkauf von Dynamit Nobel, der Chemie-Tochter von MG Technologies, werden Finanzinvestoren zu den Hauptinteressenten zählen. Das erwarten Experten aus der Chemiebranche sowie Vertreter großer Private Equity-Gesellschaften. Eine Übernahme durch einen etablierten Chemiekonzern gilt dagegen als sehr unwahrscheinlich.

HB/shf/abo FRANKFURT. Die geplante Neuordnung der MG Technologies würde damit einen Trend bestätigen, der bereits in den vergangenen Jahren die Neuordnung der europäischen Chemielandschaft prägte. Immer häufiger wurden dabei Unternehmen aus der Branche von privaten Beteiligungsgesellschaften übernommen, darunter zum Beispiel die einstige Chemiesparte von Henkel (Cognis), die Hoechst-Tochter Messer Griesheim oder die Spezialchemiesparte der britischen Astra Zeneca.

Etliche Häuser bereiteten sich bereits auf eine eingehende Prüfung der MG-Chemieaktivitäten vor, berichtet ein Kenner der Szene. Als potenzielle Käufer für Dynamit Nobel werden etwa ein Dutzend große Beteiligungsfirmen gehandelt, darunter Bain Capital , KKR, Permira, Advent, Texas Pacific oder CVC gehandelt. Selbst für diese Unternehmen wäre Dynamit Nobel aber ein relativ großer Brocken. Schätzungen über den Kaufpreis bewegen sich immerhin zwischen 1,8 und 2,5 Mrd. Euro. Denkbar sei daher, dass sich Konsortien mit mehreren Anbietern bilden, wie es in den vergangenen Jahren auch bei anderen großen Engagements der Fall war.

Gegen ein Engagement von Chemiekonzernen spricht vor allem die derzeit schwache Investitionsneigung der Branche und die vielfach angestrebte Fokussierung auf Kernbereiche. Nach den überwiegend negativen Erfahrungen bei einigen großen Übernahmen setzen die Unternehmen allenfalls auf selektive Zukäufe von Sparten oder einzelnen Produktlinien. „Das Interesse an komplexen Strukturen ist in der Branche derzeit sehr gering“, so Chemie-Analyst Andreas Heine von der Hypovereinsbank.

Dynamit Nobel zeichnet sich durch ein relativ gemischtes Produktspektrum aus, die Folge einer Reihe von Akquisitionen in den 90er Jahren. So wurden unter anderem Aktivitäten von Hoechst, DSM und Sanofi zugekauft. Das Programm der MG-Tochter umfasst so unterschiedliche Produkte wie Explosivstoffe, Kunststoff-Formteile für die Auto- und Elektroindustrie, Spezialchemikalien für die Oberflächenverarbeitung, Farb-Pigmente und Hochleistungskeramik.

Darüber hinaus ist Dynamit Nobel in der Auftragsfertigung von Vorprodukten und Wirkstoffen für die Pharmabranche engagiert. „Zum Konzern gehören Spitzengeschäfte, die sich für ein Mehrfaches des Umsatzes verkaufen ließen, aber auch einige Sorgenkinder“, so ein Kenner der Sparte. Dank der breiten Aufstellung erwies sich die Gruppe für den MG-Konzern als zuverlässiger Ertragsbringer. Im letzten vollen Geschäftsjahr 2001/2002 (30.9.) verbuchte sie bei 2,5 Mrd. Euro Umsatz eine operative Umsatzrendite von rund zehn Prozent. Im ersten Halbjahr 2003 sank der Umsatz um 6 % auf 1,2 Mrd. Euro und der Betriebsgewinn (Ebit) um knapp ein Zehntel auf 116 Mill. Euro wegen Einbußen im Industrie- und Wehrtechnikgeschäft. Hinzu traten Währungseffekte und Anlaufverluste bei Neuprodukten.

Firmenchef Jürg Oleas, der im vergangenen November die Führung von Dynamit übernahm, hat das Pharmawirkstoffgeschäft als eines der wichtigsten Wachstumsfelder definiert. Gerade auf diesem Gebiet kämpfen einige Chemiefirmen aber mit schwacher Auslastung. Die niederländische DSM etwa ist derzeit dabei, Kapazitäten in dem Bereich abzubauen.

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