Das Ende der Welt AG
Nichts ist unmöglich – Daimler

Vor knapp einhundert Monaten fiel der Startschuss für die Welt AG Daimler-Chrysler. Doch der Traum vom global agierenden Autokonzern mit Töchtern in Europa, Amerika und Asien ist geplatzt. Übrig geblieben ist ein starker deutscher und ein kränkelnder US-Zweig. Eine Geschichte von Größenwahn, Managementfehlern und Querschüssen.

FRANKFURT. Mit einem breiten Lachen genießt Jürgen E. Schrempp das Blitzlichtgewitter. Unter den Klängen von Frank Sinatras „New York, New York“ klopft er Schultern und schüttelt Hände. An diesem 17. November 1998 nimmt die Vision des Managers reale Formen an. Die Erstnotiz der Daimler-Chrysler AG an der New Yorker Börse ist für ihn der „Startschuss für eine neue Zeitrechnung“. Es ist die offizielle Geburtsstunde der „ersten automobilen Welt AG“, wie der Chef des Doppelkonzerns unter dem Nicken seines amerikanischen Co-Chefs Bob Eaton verkündet.

Mit starken Worten wird wahrlich nicht gespart. Von der „Hochzeit im Himmel“ zwischen Daimler-Benz und Chrysler ist die Rede, von den Computerbildschirmen prangt die Botschaft „Die Zukunft beginnt heute“. Alles unterlegt mit den Sinatra-Textzeilen „Wenn du es hier schaffst, schaffst du es überall“.

Schrempp schaffte es nicht – weder in New York noch sonst wo. Wer damals in die Daimler-Chrysler-Aktie investiert hat und dabei geblieben ist, wartet bis heute auf einen Kursgewinn. Mehr noch: Er hat fast ein Drittel seines Kapitals eingebüßt. Das versprochene Potenzial konnte die Verbindung zu keiner Zeit ausschöpfen, die „Hochzeit im Himmel“ ist an der irdischen Realität gescheitert. Seit gestern ist offiziell, dass eine Scheidung nach neun verflixten Jahren nicht ausgeschlossen ist.

Mit der kurzen Mitteilung, dass „keine Option ausgeschlossen“ wird, hat Schrempp-Nachfolger Dieter Zetsche das bisherige Tabu gebrochen. Noch vor fünf Wochen konterte der Mann, der einst als Chrysler-Retter gefeiert wurde, Fragen nach einer Abspaltung der US-Marke auf humorvolle Weise: „Wir sind nicht Toyota. Bei uns ist nicht alles möglich.“ Seither scheint sich die Einschätzung der Situation bei Chrysler dramatisch verändert zu haben.

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