Das Erfolgsgesicht von GM
Steve Girsky bleibt cool

General Motors ist drauf und dran wieder größter Autobauer der Welt zu werden. Vielleicht wichtigster Mann: Steve Girsky. Der GM-Vize kennt alle hellen und dunklen Seiten des Auto-Multis.
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Frankfurt„Hi, ich bin Steve“ – aufmerksamer direkter Blick aus blauen Augen. Schmucklose Brille ohne Rahmen. Ein kräftiger Händedruck. Keiner wird ihn vergessen. Blaues Hemd aus dicker Baumwolle, rote Krawatte. Das Jacket hängt längst über dem Stuhl. Das ist Steve Girsky, Vize-Chef von General Motors, der vielleicht mächtigste Auto-Manager der Vereinigten Staaten.

Girsky gilt unter Branchenbeobachtern vielleicht noch mehr als sein Chef Dan Akerson als das neue Gesicht von General Motors – dem Autobauer der einmal durch die Hölle – die Insolvenz – und wieder zurück ging. Er war 20 Jahre Autoanalyst bei Morgan Stanley, 2005 ging er ein Jahr als Berater bei GM an Bord. 2006 wechselte er in die Investmentfirma Centerbridge, um dann 2009 in den Vorstand des angeschlagenen Autobauers zu wechseln. Die Gewerkschaft UAW hatte darum gebeten.

Und Ed Whitacre, der neun Monate lang in der kritischsten Phase in der Geschichte des US-Autobauers an der GM-Spitze stand, soll sich laut einem Bericht der gut informierten "Autonews" von Anfang an auf Girskys Rat verlassen haben. Girsky kennt alle Seiten des Schreibtisches – und GM erst recht.

2005 hatte er dem Autobauer bescheinigt: Zu viele Fabriken, zu viele Arbeiter, zu viele Modelle – zu viel von allem. Angesprochen auf seinen Befund von damals kann Girsky heute lachen, bevor er sagt: „Wir haben seitdem enorme Fortschritte gemacht.“ In diesem Jahr wird das Unternehmen wieder sein, was es vor der Pleite 77 Jahre lang war: nach Stückzahlen die weltweite Nummer eins. Wobei Gersky betont: „Es ist uns nicht mehr wichtig, ob wir weltweit von Stückzahlen her die Nummer eins.“ Kein Wunder: Die Fixierung auf hohe Volumina hat ihren Teil dazu beigetragen, GM in den Abgrund zu stoßen.

Viel wichtiger ist für den GM-Vize deshalb auch, dass „wir mit 40 Milliarden Dollar die beste Kapitalbasis in der Geschichte des Unternehmens haben und auch bei geringeren Stückzahlen Geld verdienen“. Und im ersten Halbjahr hat GM etwa auf dem wichtigen nordamerikanischen Automarkt auch noch mit 1,48 Millionen Autos 16,4 Prozent mehr Wagen verkauft als im Vorjahreszeitraum.

Wie sich die Zeiten geändert haben. Noch Mitte 2009 stand der größte der US-Autobauer vor dem Kollaps. Der Staat sprang rettend ein, die Verkaufszahlen stiegen wieder und im November gelang GM die Rückkehr an die Börse. Der Umsatz im Quartal stieg um 15 Prozent auf 36,2 Milliarden Dollar.

Vor Jahren konnte sich GM für seine Weltmarke Chevrolet in Frankfurt deshalb nur einen mickrig kleinen Stand leisten – heute reckt eine gelbe, turmhohe Roboterfigur aus dem Blockbuster Transformers drohend die Arme Richtung Konkurrenz und gen Hallendecke – und auf den Frankfurter Flughafen hat Girskys Mannschaft gleich noch den „Chevrolet-Bar“, das Logo der US-Marke, in XXXL aufpinseln lassen.

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