Das große Sterben
„Nur sechs Autobauer weltweit überleben“

Düstere Stimmung bei den Autobauern: Branchenexperten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Hersteller in den kommenden fünf Jahren deutlich verringern wird. Nicht nur die Existenz der US-Unternehmen, für die jetzt ein Milliardenrettungspaket geplant ist, steht demnach auf dem Spiel.

DÜSSELDORF. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte mit der Aussage für Wirbel gesorgt, nur sechs Autokonzerne weltweit würden die derzeitige Krise überleben. Auf genau diese Zahl kommt auch Jürgen Pieper, Autoanalyst beim Bankhaus Metzler, wenn er fünf Jahre in die Zukunft schaut - "in der etablierten Welt", wie er gegenüber Handelsblatt.com einschränkte. Zusätzlich erwartet er mindestens zwei Autobauer in China und einen in Korea. Während Marchionne nur noch mit einem deutschen Anbieter rechnet, geht Pieper von zwei aus, einer davon VW-Porsche. Überdies prognostiziert der Autoanalyst einen Hersteller in Frankreich, zwei in Japan - und nur noch einen in den USA.

Der Fiat-Chef vertritt die Ansicht, dass nur Unternehmen überlebensfähig sind, die mehr als 5,5 Mio. Fahrzeuge im Jahr bauen können. Piepers Kalkulationsgrundlage ist der Jahresumsatz - und da sieht er bei 100 Mrd. Euro eine Grenze.

Branchenexperte Willi Diez rechnet nicht mit einem so großen Sterben. "Solche Befürchtungen hat es schon öfter gegeben. Sie haben sich bislang nicht bewahrheitet. Zudem werden auch wieder neue Unternehmen etwa in Indien und China dazukommen", sagte der Professor für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Doch auch er glaubt nicht, dass die Krise in ein paar Monaten vorüber sein wird. "Sie wird auch in Deutschland nicht ohne tiefe Einschnitte etwa bei den Arbeitsplätzen bleiben."

Einig ist er sich mit Pieper in einem anderen Punkt, nämlich, wenn er sagt: "Autos müssen insgesamt billiger werden. Es ist ein Problem vieler Hersteller, dass die Kompakt- und Mittelklasse zu teuer geworden ist." Das gilt nach Piepers Ansicht zumindest für die kommenden drei bis fünf Jahre.

Skeptisch reagieren die beiden Branchenexperten auf die geplanten Soforthilfen von 15 Mrd. Euro für die US-Autohersteller. "Solche Pakete lehne ich prinzipiell ab", sagt Pieper. In der jetzigen Ausnahmesituation hält er sie allerdings "für einen begrenzten Zeitraum von sechs bis höchstens zwölf Monaten für volkswirtschaftlich vertretbar". Denn die Zahl der Arbeitsplätze, die direkt und indirekt an den Big Three der USA hingen, liege wahrscheinlich bei fast einer Million. Er spricht jedoch von einem "faulen Kompromiss: Diese Übergangslösung hält nur für höchstens drei Monate." Diez ergänzt: "Damit kauft sich die Politik bis zur Amtsübernahme von Barack Obama Zeit."

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