Das Haar in der Suppe
Angst vor dem Abschwung

Die Berichtssaison für das 3. Quartal dürfte die Anleger beglücken. Analysten rechnen für die 110 wichtigsten deutschen Konzerne mit einem steilen Gewinnanstieg. Dennoch liefern die Firmenchefs nur verhaltene Ausblicke über 2010 hinaus. Sie fürchten einen Rückschlag in den USA, der auch ihren Exportmarkt Nummer eins, Europa, treffen würde.
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Eigentlich hat BMW-Chef Norbert Reithofer keinen Grund zur Klage: Der Autobauer fährt Sonderschichten, und dennoch müssen Kunden monatelang auf ihre Modelle warten.

Die Gewinne sprudeln, doch Reithofer weigert sich beharrlich, den Finanzmärkten ihren größten Wunsch zu erfüllen: eine Anhebung der Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2010. Noch drohe, sagt er zögerlich, "eine Reihe von konjunkturellen Risiken" und allein auf den Boom in China wolle er sich nicht verlassen.

Der Pessimismus ist kaum nachvollziehbar: Allein die 30 Dax-Konzerne dürften nach Analystenschätzungen im dritten Quartal des Jahres unterm Strich mehr als 15 Milliarden Euro verdienen - nach fünf Milliarden Euro im Vorjahresquartal. In den anderen Börsensegmenten ist der Trend ähnlich.

Gegenüber dem Vorjahresquartal werden sich die Gewinne der 110 wichtigsten deutschen Konzerne verdreifachen, sagen Analysten. Die Ergebnisse erreichen damit fast wieder das Vorkrisenniveau.

Es läuft hervorragend für die deutschen Unternehmen - könnte man meinen. Sogar die Konkurrenz aus Nordamerika, jahrelang Weltspitze bei Umsatz- und Gewinnwachstum, ist bis auf wenige Ausnahmen abgehängt.

Selbst einen weiteren Einbruch der Konjunktur in den USA brauchen deutsche Konzerne - vordergründig - nicht zu fürchten. Schließlich nimmt ihre Abhängigkeit von der größten Volkswirtschaft der Welt stetig ab. Der Umsatzanteil der 100 größten deutschen Unternehmen in Nordamerika ist seit 2007 von 20 auf 15 Prozent geschrumpft.

Dagegen profitieren deutsche Konzerne vom überproportionalen Wachstum in Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien oder Russland. Und das wird weitergehen, auf diesem Szenario jedenfalls beruhen die optimistischen Prognosen der Konjunkturforscher.

Doch es könnte auch anders kommen - jedenfalls ist das die Sorge der Konzernchefs. "Was passiert", fragen sie sich, "wenn die USA nicht nur ein bisschen schwächeln, sondern einen zweiten Absturz - den sogenannten Double Dip - erleben?"

Dann, so die Meinung unter Fachleuten, würden die Schwellenländer in Mitleidenschaft gezogen. Und wenn deren Wachstum einbricht, kann sich der deutsche Export - und damit der größte Teil der deutschen Wirtschaft - dem Abwärtstrend nicht mehr entziehen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht denn zwar auch davon, die Stuttgarter hätten gerade den "besten September der Unternehmensgeschichte" erlebt. Doch auf einen optimistischen Ausblick warten Investoren vergeblich. Stattdessen warnt Daimler vor den "enorm gestiegenen Schwankungen im Automobilgeschäft".

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Kommentare zu " Das Haar in der Suppe: Angst vor dem Abschwung"

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  • @ aruba: instant classic!!!

    diese analogie ist einfach fantastisch! :)

  • Was viele der oft zitierten Analysten, Ökonomen, Experten und wie sie sonst noch alle heißen, irgendwie nicht so richtig wahrnehmen oder kapieren, ist die Tatsache, dass wir in der schönen neuen heilen Welt des globales Dorfes und der offenen Märkte immer stärker die Grenzen des Wachstums zu Gesicht bekommen. Die berufs-Propheten gehen immer wieder davon aus, dass nach oben hin alles offen ist und nichts und nimmer den Wachstum behindern oder bremsen kann. Wenn der hiesige Markt gesättigt ist, geht man halt woanders hin und erschließt neue Märkte. So die übliche Denke. Wer so naiv denkt, der kann auch nie zu einem anderen Fazit kommen, als dass es mit dem Aufschwung wie in allbekannter Manier weitergehen wird.

    Nur – es gibt ein kleines Problem, oder besser gesagt gleich mehrere. Die Dinge sind nun mal nicht mehr so wie sie mal waren. Auf der weltpolitischen Ebene hat sich vieles verändert. Viele der aufstrebenden Schwellenländer wollen genauso Wachstum haben wie die westliche Welt. Wenn also viele Länder nach der gleichen Art und Weise neue Märkte erschließen wollen (also damit die westlichen Länder), prallen diverse Länder und ihre Unternehmen mit ihren Produkten auch immer häufiger aufeinander und die Konkurrenz auf globaler Schiene wird immer größer. Der heutige Wettbewerb ist zunehmends international.

    Weiterhin kommt hinzu, dass die natürlichen Ressourcen, und dabei insbesondere die Seltenen Erden und andere für den Wachstum zwingend erforderlichen Ressourcen, nun mal nicht endlos sind und außerdem sich unter der Kontrolle einiger weniger befinden (China kontrolliert heute ca. 95% der Seltenen Erden). Da braut sich so einiges zusammen und riecht unangenehnm nach Konflikt. Zumindest glaube ich kaum daran, dass diese Situation sich durch nettes Diskutieren und Verhandeln regeln lässt.

    Als abschließenden Punkt sollte der Klimawandel, welcher das Wachstum in immer stärkerem Maße einschränken wird, nicht unerwähnt bleiben.
    Und eine Sache wird auch nie erwähnt: das der Konsum mit einer immer ärmer werdenden bevölkerung, immer mehr Arbeitslosen und sozial bedürftigen, welche sich ohne Kredite immer weniger werden leisten können, zurückgehen wird. Ach ja, und die bald kommende Hyperinflation hab ich noch vergessen.

  • Eins scheint inzwischen klar zu sein: Die Oszillationsgeschwindigkeit zwischen Abschwüngen und Aufschwüngen steigt - und damit das Gesamtriskio für alle Unternehmen, da investitionen und Planungen sich schnell als falsch herausstellen können und dies auch oft der Fall sein wird (gestiegene Pletechancen). Staatliche Finanzverwaltungen und Haushaltsplaner haben immer den "Schwarzen Peter" im Gepäck. Wenn (vernünftige und vertrauenswürdige) Anlagestrategen und -berater inzwischen sich nicht mehr der Geldvermehrung, sondern zuerst dem Vermögensschutz (vor Verlusten) widmen, dann erübrigt sich jeder Kommentar, wohin der Gesamtprozeß treibt: Der Merkantilismus hat seinen Zenit überschritten und die "Globalisierung" erweist sich als selbstvergiftender Prozeß, der die Chaos-Theorie stützt und alle Versuche der Regulierung werden nicht verhindern, daß die Abwärtsspirale, die sich in der Zerstörung des Mittelstandes und dem Wachsen der Armut und Mittellosigkeit der Mehrheit dokumentiert, weiter an Dynamik gewinnt. Der Globalisierung muß die "neue" Regionalisierung, verbunden mit einem Denken und Entscheiden entgegengesetzt werden, die ihren Ansatz in Nachhaltigkeit und begrüdeter Sparsamkeit für das Allgemeinwohl und zum Schutz der Leistungserbringer hat.

    Es ist wohl wie mit einem Garten: Wenn der Zaun fehlt oder kaputt ist, werden Leute kommen, die den sachkundigen Fleiß der Gärtner zunichte machen und der Wind wird den Müll aus Stadt und Feld in den Garten blasen und wind- und müllabhängig für neues Ungemach sorgen. Man möge rechtzeitig auf die Warnungen der Gärtner hören, nicht auf die Zaunverkäufer, nicht auf die Feindes des Zaunes und man möge die um den Garten Herumstreunden und den Müll im Auge behalten und sie rechtzeitig als solchen erkennen und ihnen zutreffende Namen geben!

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