Das Interesse deutscher Firmen am Irak wächst, doch die Voraussetzungen für Investitionen fehlen
Zähes Warten auf die großen Geschäfte

Zu der Veranstaltung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zum Thema Irak gestern in Berlin hatten sich viele Firmen angemeldet – doch das Treffen musste ausfallen.

DÜSSELDORF. Der Hauptredner Arthur Helton, Koordinator für die von den Vereinten Nationen (UN) verwalteten Wiederaufbauprojekte, zählt zu den Opfern des Anschlags auf das UN-Hauptquartier in Bagdad letzte Woche. Damit wird das Dilemma vieler deutscher Firmen deutlich, die rechtzeitig auf den irakischen Markt wollen: „Das Interesse vor allem von Mittelständlern ist stark gewachsen“, sagt Ines Ratajczak, Irakexpertin bei der Industrie- und Handelskammer. Das Irakgeschäft sei aber gefährlich und zeitaufwändig. „Einsteigern raten wir zur Zeit ab, in den Irak zu fahren“, sagt Ratajczak.

Eine aktuelle Studie des US-Beratungsunternehmens Kroll kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: „Ein kurz- bis mittelfristiges Engagement im Irak ist mit einem großen Aufwand für die Sicherheit von Mitarbeitern und Anlagen verbunden“, sagt der Kroll-Deutschland-Chef Thomas Spemann. Viele Mittelständler können das nicht leisten.

Auch größere Unternehmen halten sich zurück: Hochtief, Deutschlands größter Baukonzern, will sich vorerst nicht um Projekte bewerben, sagte Vorstandschef Hans-Peter Keitel gestern: „Wir werden erst dann Personal in den Irak schicken, wenn ich es mit gutem Gewissen verantworten kann.“

Erste Geschäftsbeziehungen gibt es zwar schon – doch nur in geringem Umfang. Wegen der geringen Präsenz der Deutschen im Zweistromland, kommen irakische Geschäftsleute verstärkt nach Deutschland. Stehen Waren oder Maschinen abholbereit im Lager, schlagen die Iraker meist zügig zu: Wie kürzlich bei einem rheinischen Mittelständler, der nun Maschinen für eine Lebensmittelfabrik in den Irak liefert.

„Die Amerikaner können nicht alles gleichzeitig machen. Sie brauchen Sub-Unternehmer“, sagt Gealn Khulisi von der Deutsch-Irakischen Mittelstandsvereingung. Immer mehr Aufträge gingen daher an einheimische Firmen. Und von denen würden viele Lieferungen „Made in Germany“ bevorzugen.

Investitionen jedoch bleiben schwierig. „Es ist nicht klar wie wir mit alten Verbindlichkeiten oder eingefrorenen Guthaben umgehen sollen“, sagt ein Irak-Spezialist einer deutschen Großbank. „Wir würden gerne mehr machen. Im Augenblick können wir aber nur abwarten.“ Warten zum Beispiel darauf, dass die EU den Anhang zu der Verordnung zum Ende der Sanktionen nachliefert. Darin werden irakische Organisationen und Unternehmen aufgelistet, die von Geschäften ausgeschlossen werden sollen. „Bis die Altschuldenfrage nicht geklärt ist, wird die Bundesregierung auch keine Hermes-Bürgschaften geben“, sagt Jochen Münker, Nahostexperte beim DIHK.

Die Hoffnungen ruhen nun auf der „Trade Bank of Iraq“, für die zur Zeit eine Ausschreibung der Besatzungsregierung, der Coalition Provisional Authority (CPA), läuft. Sechs internationale Konsortien haben sich darum beworben, das Management der neuen Bank zu übernehmen, angeblich auch die Deutsche Bank. Das neue Institut könnte auch deutsche Exporte absichern, erwarten Finanzexperten.

Doch von irakischer Seite hagelt es Kritik: Der Aufbau der Trade Bank unter internationaler Regie ignoriere den bestehenden privaten Banksektor im Irak, heißt es. Für Diskussionsstoff sorgt auch die Prioritätenliste der CPA für 2004. Der Aufbau des Ölsektors steht dort ganz oben, weit vor den Kraftwerken. „Das könnte ein Problem werden“, meint Münder: Die Stromerzeugung im Irak beträgt gerade die Hälfte des Vorkriegsniveaus. Schon damals gab es Engpässe. Und ohne Strom laufen keine Maschinen.

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