"Das könnte das Ende für Mitsubishi Motors sein"
Daimler-Chrysler sorgt für Schock in Tokio

Daimler-Chryslers überraschender Entschluss, kein weiteres Geld in den hoch verschuldeten japanischen Autobauer Mitsubishi Motors zu stecken, hat in Tokio Schockwellen ausgelöst.

bas TOKIO. Analysten gehen von einem Rückzug der Stuttgarter aus dem viertgrößten japanischen Autobauer aus und schließen auch den Untergang von Mitsubishi Motors (MMC) nicht mehr aus. Die Aktie ist im freien Fall, hat bisher rund ein Viertel ihres Wertes verloren, nachdem sie am Vormittag vom Handel ausgesetzt war. Standard&Poors´s senkte sein Rating für Mitsubishi von B- auf CCC-. Junkstatus für die einstige Hoffnung bei Daimlers Asienstrategie.

„Das könnte das Ende von Mitsubishi Motors sein“, sagte Autoanalyst Koji Endo von Credit Suisse First Boston dem Handelsblatt. „Es scheint höchstwahrscheinlich, dass sich Daimler-Chrysler aus MMC zurückzieht.“ Alleine jedoch sei Mitsubishi Motors zu klein und markenschwach, um zu überleben. Entscheidend sei, ob sich dann ein neuer Partner, etwa Hyundai Motors aus Korea, die viel ihrer Technik von Mitsubishi Motors übernommen haben.

Die Anteilseigner der Mitsubishi-Gruppe kamen am Freitagmorgen zur Krisensitzung zusammen und sicherten dem Autobauer ihre weitere Unterstützung zu. „Die Ankündigung von Daimler kam sehr plötzlich“ – man müsse noch Details klären, ließen Maschinenbauer Mitsubishi Heavy, Handelshaus Mitsubishi Corp und die für die unmittelbare Finanzzukunft MMCs entscheidende Tokyo Mitsubishi Bank wissen.

In der MMC-Konzernzentrale versucht man derzeit, dem Eindruck entgegenzuwirken, Daimler-Chryslers Nein zur Kapitalerhöhung bedeute zugleich den Ausstieg. Heute will sich Daimler genauer zu seiner Entscheidung äußern. Am späten Donnerstagabend hatte das Unternehmen nach einer Aufsichtsratsitzung mitgeteilt, dass man sich nicht an der milliardenschweren Kapital-erhöhung für Mitsubishi Motors beteiligen werde. Bisher ist der deutsch-amerikanische Konzern mit 37% größter Anteilseigner. Auch Japans Regierung verfolgt die Entwicklung mit Anspannung. Betroffenes Schweigen bei den Arbeitnehmervertretern.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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