Das schwedische Aktienrecht stützt den Clan
Industriellenfamilie Wallenberg: Sein, nicht scheinen

Die Industriellenfamilie Wallenberg dominiert seit 150 Jahren Schwedens Wirtschaft. Im Kampf von MAN um Scania spielt sie eine entscheidende Rolle. Wer diese Familie ist, die in einem der spannendsten Übernahmepoker des Jahres eine solche Bedeutung hat.
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DÜSSELDORF. Wenn die Wallenbergs rufen, kommen in Schweden alle: Das Königspaar samt Kronprinzessin Victoria, Finanzminister Anders Borg und die Chefs schwedischer Weltkonzerne wie Hans Straberg von Electrolux marschierten Mitte Oktober in eleganter Garderobe in das Stockholmer Stadshuset ein. Das Bankhaus SEB, Grundstein des Wallenberg'schen Industrieimperiums, hat die schwedische Elite geladen, um das 150. Firmenjubiläum zu feiern - in jenem stattlichen Backsteinbau, dessen Turm mit der vergoldeten Kuppel das Wahrzeichen der schwedischen Hauptstadt ist.

Auf der Gästeliste des Fests stand auch Leif Östling, seit zwölf Jahren Vorstandsvorsitzender des Lastwagenherstellers Scania und enger Vertrauter des Familienältesten Peter Wallenberg. Der Kontakt ist für Östling derzeit so wertvoll wie nie. Schließlich versucht er seit Wochen, die Übernahme seines Konzerns durch den deutschen Konkurrenten MAN zu verhindern. Und solange Wallenberg zu Östling steht, kann MAN seine Pläne vergessen. Eine der Wallenberg-Stiftungen und Investor, die Investmentgesellschaft des Clans, halten zusammen mehr als ein Drittel der Stimmrechte an Scania - nur Volkswagen hält mit 34 Prozent einen höheren Anteil.

Wer ist diese Familie, die in einem der spannendsten Übernahmepoker des Jahres eine so entscheidende Rolle spielt? Es ist der mächtigste Industriellenclan Schwedens. Fünf Milliarden Euro und damit ein Großteil ihres Vermögens gehört Stiftungen, daher sind andere Familien wie die Rausings, die Herrscher über Tetrapak, oder die Perssons (Hennes & Mauritz) noch reicher. Doch die Wallenbergs kontrollieren über die Stiftungen und die Investmentgesellschaft Investor Anteile an Unternehmen wie Ericsson, Scania und ABB und engagieren sich über Fondsgesellschaften wie EQT im Private-Equity-Geschäft. Die Macht liegt bei den 50-jährigen Cousins Jacob und Marcus Wallenberg, die in den meisten Aufsichtsräten sitzen.

Die graue Eminenz, die noch immer die Strippen im Hintergrund zieht, ist Peter Wallenberg, Jacobs Vater. Beide dulden niemanden neben sich und wollen ihre Entschlüsse stets unverändert durchsetzen. Obwohl der 80-jährige Peter Wallenberg seine Posten fast alle niedergelegt hat, heißt es, kaum eine größere Entscheidung werde gefällt, ohne seine Meinung zu hören. Peter Wallenberg spielt das herunter, er sei nur "Ratgeber", sagt er.

Vielleicht haben er und Östling beim Digestif nach dem SEB-Dinner das Schicksal von Scania besiegelt. Die Wallenbergs stehen einem Zusammenschluss mit MAN positiv gegenüber, allerdings nur, wenn dieser zu ihren Bedingungen erfolgt. Das heißt vor allem, zu ihren Preisvorstellungen. Selbst wenn ihnen, wie derzeit kolportiert wird, der Aufsichtsratsvorsitz von MAN-Scania überlassen wird, werden sie wohl einen höheren Preis fordern, als die zuletzt gebotenen 9,6 Milliarden Euro für den gesamten Scania-Konzern.

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