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„Das Schweigen der Familie Quandt“: Quandt und die Zwangsarbeiter

Viele große Unternehmernamen haben mit dem Nazi-Regime kooperiert und paktiert – so auch die Unternehmerfamilie Quandt. In dieser Woche sorgte die ARD mit einer Programmänderung für Furore und zeigte die Sendung „Das Schweigen der Familie Quandt“ – eine journalistische Dokumentation über die unheilvolle Verstrickung der Familie in Zwangsarbeit.

Der Großindustrielle Herbert Quandt und seine Frau Johanna. Am Sonntag wartete die ARD mit einer Programmänderung auf. Foto: dpa Quelle: dpa
Der Großindustrielle Herbert Quandt und seine Frau Johanna. Am Sonntag wartete die ARD mit einer Programmänderung auf. Foto: dpa Quelle: dpa

FRANKFURT. Normalerweise sorgen Fernsehfilme eher selten für Diskussionen: Der „Tatort“ oder die Doku vom Sonntag taugt maximal noch bis zum Mittagessen am Montag als Gesprächsstoff. Doch was die ARD am vergangenen Sonntag gezeigt hat, erhitzt die Gemüter noch Tage später. Heftig wird in den Internetforen und Blogs diskutiert. Das ist kein Wunder, geht es doch um ein Thema, wie es sensibler nicht sein könnte: die Verstrickung der Unternehmerfamilie Quandt mit dem Nazi-Regime – einer Familie, die heute zu den reichsten in Deutschland gehört, die Großaktionär bei BMW ist und es bei Altana bis vor kurzem war.

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„Das Schweigen der Familie Quandt“ haben die Autoren Eric Friedler und Barbara Siebert ihr Werk genannt. Ungewöhnlich kurzfristig hatte die ARD die Sendung ins Programm gehoben, aus Sorge vor möglichen rechtlichen Schritten gegen das Werk, mutmaßen viele. Eine Entscheidung, die einige Kommentatoren in den Foren spürbar erzürnt hat: Das sei eine von den Medien gezielt eingesetzte „Nazikeule“, gerichtet gegen eine Familie, die immerhin die deutsche Autoikone BMW vor der Pleite gerettet habe, klagen sie. Eine notwendige Aufarbeitung der Vergangenheit, befinden andere.

Schonungslos sollte er sein, so der Anspruch der Autoren an ihren Film. Und in der Tat ist die Kost schwer. Da berichten Zeitzeugen von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter in der Quandtschen Batteriefabrik Afa. Benjamin Ferencz, einer der Ankläger in den Nürnberger Prozessen, kommt zu Wort – findet, dass Firmenpatriach Günther Quandt ebenso vor Gericht gehört hätte wie viele andere Unternehmergrößen jener Zeit.

Ein eindrucksvoller Film, ein Höhepunkt journalistischer Dokumentation. Schnell macht sich Beklemmung breit. Beklemmung, weil man mal wieder daran erinnert wird, dass viele der heute noch klangvollen Unternehmernamen wie Flick oder Krupp so eng mit dem unheilvollen NS-Regime paktierten. Bedrückung aber auch, weil immer wenn das Thema NS-Vergangenheit hochkommt sich auch jene Frage stellt, wie weit die Verantwortung der nachfolgenden Generationen reicht.

Die Familie will im Fall der Quandts zunächst analysieren. „Erstmal müssen sich jetzt alle Familienmitglieder den Film anschauen“, sagt ein Sprecher. Vorher sei ein abschließendes Urteil nicht möglich. Ob es ein solches geben wird, ob am Ende die Familienchronik neu bewertet und umgeschrieben wird, das weiß keiner. Fakt ist: Die enge Verbindung einzelner Familienmitglieder mit den Nazis ist keine neue Erkenntnis. Allerdings haben die Quandts bislang nicht in der ersten Reihe der Beschuldigten gestanden. Das waren andere, etwa Friedrich Flick oder Alfred Krupp. Der frühere Journalist und Buchautor Rüdiger Jungbluth hat in seinem Buch „Die Quandts“ bereits im Jahr 2002 auf das unrühmliche Kapitel der Familiendynastie aufmerksam gemacht – eine der Grundlagen für den Film. Schon hier war deutlich zu lesen, dass Günther Quandt und seine Familie nicht sehr viel unbedeutender gewesen sein sollen als etwa Flick und Krupp.

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