Das US-Traditionsunternehmen feiert seinen hundertsten Geburtstag
Harley-Davidson – ein Motorrad nicht nur für Bad Boys

Harley-Davidson, die US-Motorrad-Ikone, wird hundert Jahre alt. Zum Jubiläum lädt der Harley-Davidson-Clan die Biker-Gemeinde für drei Tage nach Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin ein. In der Geburtstadt der Gründer und Tüftler William Harley und Arthur Davidson, dort wo 1903 alles in einer Holzhütte begann, wird es übers Wochenende ohrenbetäubend laut.

NEW YORK. Denn von den erwarteten 250 000 Gästen sind Tausende bereits mit ihren schweren Maschinen aus der ganzen Welt angereist. Das typische Knattern der Motoren ist jedoch nur Hintergrundmusik für zahlreiche Bands und Musiker, wie Billy Idol und B.B. King, die am Ufer des Lake Michigan auftreten werden.

Die Fans feiern nicht nur eine amerikanische Erfolgsgeschichte. Für sie ist es ein Lebensgefühl, wenn sie in Lederkluft auf einem Prachtstück aus Chrom und Metall ganz relaxt über breite Highways fahren. Der typische Harley-Fahrer galt stets als rebellisch. Heute gehört der typische Käufer einer Harley-Davidson eher zu den Besserverdienern: Er ist männlich, 47 Jahre alt (Branchenschnitt: 38 Jahre) und hat ein Jahreseinkommen von 78 000 $. Die Harley verleiht ihm für den Feierabend das Image eines „Bad Boys“.

Die Harley-Fahrer altern mit dem Motorradhersteller – ein Problem für die Zukunft des Familienunternehmens. Noch kann sich die Firma über einen Anteil von 46 % auf dem nordamerikanischen Markt für schwergewichtige Motorräder freuen. „Langfristig muss sich Harley-Davidson darüber Gedanken machen, ob sie Motorräder für ältere Herren bauen wollen“, sagt Don Brown, ein unabhängiger Motorrad-Analyst aus Kalifornien. Den ersten Platz im gesamten Motorrad-Geschäft in den USA nimmt jetzt schon Honda ein. Jüngere Motorradfahrer bevorzugen schnelle Sport-Maschinen aus Japan, die außerdem günstiger sind als die 15 000 Dollar teuren Harleys.

Schon die zurückliegenden hundert Jahre waren für die Motorrad-Ikone nicht einfach. Nach Weltwirtschaftskrise und zwei Weltkriegen, in denen zehntausende Harleys der US- Armee dienten, war Harley-Davidson 1953 zwar der einzige große Motorradhersteller in den USA. Doch billige Motorrad-Importe aus Asien brachten den Konzern danach an den Rand des Ruins.

Als Harley-Davidson zum Verkauf stand, legte der heutige Chef Jeffrey Bleustein mit anderen Vorständen zusammen und kaufte das Unternehmen 1981 zurück. Um die ausländische Konkurrenz in Schach zu halten, setzten sie sich anschließend für einen fünfjährigen Einfuhrzoll ein. Trotzdem war der Konzern 1985 so gut wie pleite.

Der bekannte Markenname aber rettete Harley aus der Misere. Das Unternehmen ist mittlerweile eine wahre Marketing-Maschine. Das Logo, ein schwarz-oranges Wappen, prangt heute auf allen Merchandising-Artikeln – vom Spielzeug bis zum Tanga. Sogar Brautschleier und Eheringe werden angeboten.

Merchandising-Produkte sind bei Harley der Renner. Mit ihnen verdiente der Konzern im vergangenen Jahr 232 Mill. $. Das clevere Marketing, mit dem der Markenname aufgebaut und langfristig neue Kunden gewonnen wurden, macht heute 6 % des gesamten Jahresumsatzes aus. „Harley-Fahrer stehen auf solche Produkte“, sagt Markenanalyst Alan Siegel. „Und die Leute, die sich kein Motorrad leisten können, wollen zumindest Harley-Davidson auf dem T-Shirt stehen haben.“

Beim weiblichen Geschlecht scheint sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt zu haben. Bisher ist nur jeder zehnte Fahrer einer Harley-Davidson eine Frau. Damit das nicht so bleibt, produziert der Hersteller mittlerweile auch leichtere Maschinen wie die V-Rod und den Sportster. Neue Typen dieser Reihen sollen auf der Jubiläumsfeier vorgestellt werden.

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