Industrie
Das Wunder von Kecskemét

Daimler hat sich nach monatelangen Diskussionen durchgerungen, sein Werk für die neue A- und B-Klasse im ungarischen Kecskemét zu bauen. Im Puszta-Städtchen herrscht nun Aufbruchstimmung. Eine Ortsbesichtigung.

KECSKEMÉT/FRANKFURT. Es ist heiß an diesem Morgen. Die Luft steht über den kilometerlangen Ackerflächen, wo sich Maispflanzen, Sonnenblumen und ein braunes undefinierbares Gestrüpp abwechseln. Mitten im Feld steht ein Plakat, das für neue Paprikasorten wirbt. Und ein Schild an der vorbeiführenden Hauptstraße verkündet: „Durchfahrt für Pferdefuhrwerke verboten“.

Mit der Puszta-Idylle ist es spätestens im kommenden Frühjahr vorbei. Der Daimler-Konzern verwandelt die Ackerfläche am Rande der ungarischen Stadt Kecskemét in eine High-Tech-Landschaft. Die Stuttgarter haben vergangene Woche nach monatelangen Diskussionen entschieden, hier für 800 Millionen Euro ihr erstes Werk in Osteuropa zu bauen. Ab 2011 wollen sie jedes Jahr 100 000 Autos der neuen A- und B-Klasse auf dem Ackergelände montieren.

Was bedeutet die neue Fabrik für die strukturschwache Region Kecskemét?

„Das Werk bringt uns hoffentlich einen Schub“, sagt Márton Hovány, der seinen Gast im roséfarbenen Hemd empfängt, dessen Kragen bis zum Brusthaar offensteht. Der 47-Jährige mit der großen Zenith-Uhr am Handgelenk gehört mit drei Autohäusern in Keczkemét und weiteren fünf im Land zu den größten PKW-Händlern Ungarns. Er vertritt zehn Marken. Die Autos mit dem Stern tragen erst gut 3,5 Milliarden zum Gesamtumsatz von 20 Milliarden Forint (gut 80 Millionen Euro) bei.

Nun hofft Hovány, der seine Tochter aus Verbundenheit zum Konzern vor 18 Jahren Mercedes getauft hat, dass er noch mehr Daimler verkauft. Ausgerechnet der A-osztály, wie es auf Ungarisch heißt, und die anderen Fahrzeuge der Kompaktklasse, die künftig hier gefertigt werden, verkaufen sich nicht besonders gut. Auch während des ganzen Tages sind auf den Straßen kaum Autos mit dem Stern zu sehen.

Auf einen Aufschwung setzt ebenfalls der Bürgermeister der Stadt, die für ihren Barackpálinka, den feinen Aprikosenbrand, bekannt ist. „Wir haben uns am Mittwoch sehr gefreut, als die Daimler-Wahl für Kecskemét bekanntwurde“, sagt der hochgewachsene Mann, der vor zwei Jahren vom Krankenhauschef zum Stadtoberhaupt aufstieg. „Die Daimler-Leute waren oft hier und haben sich alles unglaublich genau angeschaut“, erzählt der 44-Jährige, als er den prachtvollen Sitzungssaal des Stadtrats zeigt, der aus österreichisch-ungarischen K.u.k.-Zeiten stammt. „Wir haben gelernt, wie wertvoll unsere Lage ist, unsere Maschinenbauer-Tradition, und, fügt er hinzu, „wie wichtig Selbstvermarktung ist“.

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