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23.06.2008 

Die Entscheidung für das neue Daimler-Werk kommen in der Stadt, 80 Kilometer südlich von Budapest, nicht überall gut an. Einige Unternehmer fürchten, die Deutschen trieben das Lohnniveau in der Stadt in die Höhe und könnten erfolgreichen Firmen Arbeitskräfte abjagen, weiß Gaál, der auch die Industrie- und Handelskammer führt. „Da haben wir natürlich Sorgen. Aber die Erfahrung mit dem Audi-Werk im ungarischen Györ hat gezeigt, dass alle damit leben können.“

Es hätte auch ganz anders kommen können. Denn Daimler selbst ist die Entscheidung für Kecskemét nicht leicht gefallen. Über 50 verschiedene Standorte haben sich die Daimler-Teams in den vergangenen Monaten angesehen, wie Mercedes-Manager berichten. Am Schluss zieht Kecskemét, in einer strukturschwachen Tiefebene gelegen, das große Los. Über die Standortwahl zugunsten der Ungarn waren Experten überrascht, und auch intern war sie lange offen.

Denn Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle ging am vorigen Dienstag ohne klare Empfehlung in die entscheidende Vorstandssitzung. Vier Standorte präsentierte er dem Vorstand um Daimler-Boss Dieter Zetsche zur Endauswahl. Darunter neben dem rumänischen Timisoara noch eine weitere mögliche Fertigungsstätte in Rumänien, einen Standort in Polen sowie die ungarische Stadt.

Doch die Tabellen, die Schmückle dem Daimler-Führungszirkel zeigte, der im Design-Zentrum auf dem Mercedes-Werksgelände in Sindelfingen gemeinsam mit dem Mercedes-Board berät, sind eindeutig: In den Ampelfarben Rot, Gelb und Grün sind dort die Stärken und Schwächen der vier Standorte in wichtigen Fragen wie Bahnanschluss, Arbeitskräfte, Zulieferernetz und Lebensqualität festgehalten – und bei Kecskemét leuchtet alles in sattem Grün. „Die Entscheidung war eindeutig“, sagt einer, der bei den Beratungen involviert war.

Für Schmückles Standort-Team nahm damit ein monatelanges Verhandlungsmarathon sein Ende. Lange gelten Rumänien und Polen als favorisiert. In Polen nehmen die Teams Breslau und Gleiwitz ins Visier. In Rumänien steht anfangs noch das rumänische Cluj, zu Deutsch Klausenburg, auf der Liste möglicher Standorte. Doch zu früh brüsten sich rumänische Regionalpolitiker mit ihrem vermeintlichen Fang, und auch das schlechte Image durch den Abzug von Nokia aus Bochum nach Cluj schreckt die Stuttgarter Strategen.

Es ist am Ende das Gesamtpaket aus Infrastruktur, Lohnkosten, politischer Stabilität, Zulieferernetz und verfügbaren Arbeitskräften, das den Ausschlag gibt. „Das künftige Werk in Kecskemét bietet gesamtwirtschaftlich die eindeutig besten Perspektiven“, begründet Schmückle die Entscheidung. Neben geringeren Logistikkosten und einem bestehenden Zulieferernetz lockt eine durchgehende Autobahnverbindung nach Rastatt sowie ein Stundenlohn von rund fünf Euro in der Region – und damit kaum mehr als in Rumänien.

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