29.11.2004

Die weltweit einheitlichen IFRS-Regeln könnten aber noch zerfleddert werden: Das Ziel der Reform sind internationale Standards

Als weltweites Normenwerk der Rechnungslegung waren sie gedacht: Die IFRS – International Financial Reporting Standards – sollten die amerikanischen Anforderungen an die Zahlenwerke der Unternehmen mit denen der übrigen Länder zusammenzuführen.

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von Joachim Weber und Handelsblatt

FRANKFURT/M. Mit der Annäherung war die Hoffnung verbunden, eines Tages vielleicht sogar die Amerikaner dazu zu bewegen, das neue, in sich geschlossene Regelwerk komplett zu übernehmen.

Immerhin wollen sich Unternehmen in fast 100 Staaten der Welt die neuen Spielregeln zu eigen machen, die das International Accounting Standards Board (IASB) zu beachtlicher vorläufiger Reife entwickelt hat. Doch das überzeugende Bild der globalen Einheitlichkeit beginnt zu bröckeln. Die Regel IAS 39 zur Bewertung von Finanzinstrumenten hatte für Zwist gesorgt.

Europäische – in erster Linie französische – Banken und Versicherungen, die große Mengen von Derivaten bewegen, befürchteten hohe Wertschwankungen in ihren Bilanzen für den Fall, dass sie jeweils aktuelle Werte dieser Derivate statt der historischen Kosten ausweisen müssten. Die EU-Kommission erhörte ihre Volatilitätssorgen und drängte beim IASB auf eine erleichterte Version der IAS 39 – mit Erfolg.

„Das ist eine fürchterliche Situation“, schimpft Sven Hayn, Partner in der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Ernst & Young. „Jetzt haben wir eine Londoner und eine europäische Version der IFRS.“ Wie vielen seiner Kollegen schwant ihm, dass das schlechte Beispiel Schule machen könnte und auch andere Staaten auf eigene Faust an den Regeln herumbasteln: „Dann sind wir schnell wieder bei dem Flickenteppich, den wir ursprünglich vereinheitlichen wollten.“

Die Gefahr ist umso größer, als nicht nur der IAS 39 ins Kreuzfeuer heftiger Kritik geraten ist. Auch der überarbeitete IAS 2, in dem unter anderem die Vorratsbewertung geregelt ist, stößt auf erbitterten Widerstand, diesmal wesentlich aus Deutschland. Der Grund: Die neue Regel gestattet nicht mehr die Bewertung nach der Lifo-Methode (Last in – first out), die die verbrauchten Güter mit den jeweils letzten Preisen ansetzt.

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