Dassault contra EADS
Der Krieg der Drohnen

Der Rüstungskonzern Dassault will EADS einen wichtigen Auftrag für unbemannte Aufklärungsflugzeuge streitig machen. Die deutsche, französische und die spanische Regierung unterstützen EADS. Doch Dassault will gleich doppelt angreifen – und arbeitet dafür mit demselben Partner wie EADS.

PARIS. Die ehemaligen Partner Dassault und EADS gehen im Kampf um die Ausrüstung der europäischen Streitkräfte mit Aufklärungsdrohnen auf Konfrontationskurs. Beide Rüstungskonzerne arbeiten an Projekten für die so genannte „Male“-Drohne (mittlere Flughöhe, hohe Reichweite). Und an beiden Entwürfen ist der französische Elektronik-Spezialist Thales beteiligt.

EADS hat am Freitag von der deutschen, der französischen und der spanischen Regierung wichtigen Rückenwind für sein Drohnen-Projekt „Advanced UAV“ bekommen. Die drei Verteidigungsministerien einigten sich darauf, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Diese Studie soll prüfen, ob die verschiedenen Missionsanforderungen der drei Länder von der EADS-Drohne erfüllt werden.

So wollen die Deutschen eine Drohne, die lange in der Luft ist und ein großes Gebiet ausspähen kann. Die französische Armee braucht eine schnell und niedrig fliegende Drohne, die eine eng umrissene Kampfzone überblickt. Erweist die Studie, dass die EADS-Drohne beide Missionen erfüllen kann, wollen die beteiligten Länder das Gerät bestellen. „Die Lieferung ist dann für die Jahre 2014/2015 vorgesehen“, sagte ein Sprecher der französischen Rüstungsagentur DGA. „Die Vision einer gemeinsamen europäischen Drohne beginnt, Wirklichkeit zu werden", freute sich EADS-Rüstungsvorstand Stefan Zoller. Dabei hat er aber die Rechnung ohne die französische Industrie gemacht. Denn Dassault Aviation, die früher mit EADS an dem Drohnen-Projekt mitgearbeitet hat, will sich nicht so leicht bei dem Großauftrag ausbooten lassen.

Dassault will EADS gleich doppelt angreifen: Auf der Airshow unterzeichnete Dassault mit der italienischen Alenia Aeronautica und der schwedischen Saab ein Absichtsabkommen, eine neue Drohne für vergleichbare Aufklärungsmissionen zu entwickeln, wie sie die „Advanced UAV“ von EADS erfüllen soll. Parallel arbeitet Dassault mit Thales daran, eine existierende Drohne der israelischen Firma IAI für die Bedürfnisse der französischen Armee anzupassen. Die letztere Variante soll bereist 2011 marktreif sein.

Interessant bei diesem Wettstreit ist die Rolle des System-Spezialisten Thales. Denn Thales soll die EADS-Drohne mit dem Radar ausstatten. Gleichzeitig bestätigte der bei Thales für Aeronautik zuständige Vorstand François Quentin, an Dassaults Gegenprojekt mitzuarbeiten.

„Beide Projekte stehen in keinem Wettbewerb, da das Dassault-Projekt bereits 2011 lieferfähig sein soll, während die Advanced UAV noch im Stadium der Machbarkeitsstudie steckt", sagte Quentin dem Handelsblatt. Angesichts der Bedürfnisse der Militärs in Italien und Schweden würden Dassault und Thales eine Marktchance sehen, vor der Advanced UAV von EADS ein Drohne-Modell auf den Markt zu bringen. Quentin redete die Rolle Thales bei dem EADS-Projekt klein: „Bei der Advanced UAV treten wir nur als Ausrüster auf.“ Bei EADS baut man dagegen auf den Rückhalt der Regierungen. Selbst die französische Rüstungsagentur scheint von dem Vorstoß von Dassault nur wenig zu halten. Denn die Drohnen-Technologie wird als strategisch angesehen, dabei wollen die Franzosen kein Derivat aus Israel kaufen, heißt es in Paris.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%