Datsun-Chef Cobee: „Wir wissen, wie man durch einen Sturm geht“

Datsun-Chef Cobee
„Wir wissen, wie man durch einen Sturm geht“

Die Billigmarke von Nissan wagt sich dorthin, wo andere Hersteller bisher noch nicht sind: ins Hinterland der Schwellenländer. Im Interview erzählt Datsun-Chef Vincent Cobee, warum er weiter an Russland glaubt.
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GenfAuf den Autosalon in Genf hat Datsun kein eigenes Auto mitgebracht. Kein Wunder: Die Billigmarke von Nissan soll dort Erfolge feiern, wo andere große Autobauer sich bisher kaum hinwagen - abseits der Metropolen der Schwellenländer. Die Billigmarke der Japaner wird in Indien, Russland, Indonesien und Südafrika verkauft, auch in Nepal. Und doch scheinen die Wachstumspläne bisher nur wenig aufzugehen. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt Datsun-Chef Vincent Cobee, warum er trotzdem gelassen bleibt.

Handelsblatt: Herr Cobee, mit Datsun sind sie im September 2014 mit einem neuen Modell auf dem russischen Markt gestartet. Ein interessantes Timing…
Vincent Cobee: Wie Sie sagen, das Timing ist interessant, aber das muss nicht heißen, dass es schlecht ist. Unser Plan war es, für den russischen Markt ein modernes, verlässliches und bezahlbares Auto und eine gute Service-Infrastruktur anzubieten. Und damit vor allem in der Fläche zu expandieren.

Ist der Plan aufgegangen?
Wir hatten einen außergewöhnlich guten Dezember – wie alle anderen auch. Die Russen kauften Autos, weil sie die Inflation antizipierten. Zusätzlich legte die russische Regierung eine Abwrackprämie auf, die sie auch 2015 beibehalten will. Die letzten Monate lagen daher über unseren Erwartungen. Selbst im Januar, als unsere Verkaufszahlen gesunken sind, haben wir mit Datsun im Gesamtmarkt Platz 11 erreicht. Und das nach drei Monaten, mit nur einem Auto und 42 Händlern. Und wir reden von über 30 Marken auf dem russischen Markt.

Aber mal ehrlich: Als Sie die Pläne für die Marke Datsun entwickelt haben, war Russland noch ein Wachstumsmarkt. Jetzt sinken die Absatzzahlen rasant. Woher nehmen Sie den Optimismus?
Den Plan, mit Datsun auf den russischen Markt zu gehen, haben wir vor vier oder fünf Jahren beschlossen. Es ist immer noch ein Markt mit großem Wachstumspotential. Ein Land mit vielen Rohstoffen, vielen Einwohnern und nur einem geringen Anteil an Autobesitzern. Und alleine aufgrund der Größe des Landes werden viele Autos benötigt. Es gibt ein großes Potential auch außerhalb der großen Metropolen Moskau und Sankt Petersburg. In diesen zwei Städten werden immer noch vierzig Prozent aller Autos in Russland verkauft, obwohl sie einen kleineren Anteil an der Gesamtbevölkerung haben.
Trotzdem haben Sie Ihre Produktion zurückgefahren und die Preise erhöht…
Wir dürfen uns nichts vormachen: Der Markt steckt in einer Krise. Durch die Abhängigkeit von ausländischen Währungen, die Rohstoffpreise und politische Einflüsse ist der Markt extrem volatil. Wir treffen uns jede Woche, um unsere Strategie der Situation anzupassen. Wir sehen, wie die Preise von einem auf den anderen Tag steigen und dann wieder sinken. Darum handeln wir ganz pragmatisch. Und wenn es nötig ist, erhöhen wir auch die Preise. Aber man sollte auch seine Kunden nicht frustrieren oder sein Händlernetz unnötig strapazieren. Und darum haben wir unsere Produktion – anders als einige Konkurrenten – nicht gestoppt, sondern nur reduziert.

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