Dauerhafte Job-Sicherung auch beim Daimler nicht
„Rausschmeißen können sie mich nicht“

Der Daimler-Chrysler-Konzern will bei der Mercedes-Gruppe in Deutschland 8500 Stellen streichen. 2004 haben sich Vorstand und Betriebsrat allerdings auch auf einen Pakt zur Standortsicherung geeinigt. Jeder zehnte Mitarbeiter soll also freiwillig gehen.

HB STUTTGART. „Rausschmeißen können sie mich nicht, zumindest nicht bis zum Jahr 2012“, meinte der 35-jährige Bandarbeiter Fritz K. vor dem Werkstor des Daimler-Chrysler Werks in Sindelfingen. Genervt hat er dies jetzt zum dritten Mal in das Mikrofon des Radioreporters gesagt. Die Mutmaßungen, wie viele Mitarbeiter bei Daimler-Chrysler in Deutschland freiwillig gehen sollen, hatten dann am Mittwochabend ein Ende: 8500 Stellen sollen mit freiwilligen Abfindungsregelungen bei der Mercedes Car Group in Deutschland wegfallen, gab der Konzern bekannt.

Ganz überrascht sind die Daimler-Werker nicht. Seit Wochen wird öffentlich darüber spekuliert, dass „so etwa 5000 Beschäftigte beim Daimler“ zu viel an Bord sind. Auch die Zahl 10 000 war schon einmal im Gespräch. Die Unternehmensberatung McKinsey hatte schon vor einem Jahr bei Daimler in Deutschland einen Personalüberhang von knapp 10 000 Mitarbeitern in Deutschland identifiziert.

„Klar wissen wir, dass in Sindelfingen mit seinen derzeit 31 000 Mitarbeitern einige entbehrlich sind“, meint ein Kollege des Bandarbeiters. Wenn weniger Autos in Sindelfingen zusammen gebaut werden, dann braucht man auch weniger Motoren aus Untertürkheim. Also dürfte es auch das Motorenwerk dort mit seinen rund 20 000 Daimler- Werkern treffen. Und dass Bremen mit über 13 400 Beschäftigten nicht „ganz ungeschoren davonkommen wird“, davon sind die Daimlerarbeiter im Südwesten schon „aus Gerechtigkeitsgründen“ überzeugt.

„Mal sehen, wie sie uns das freiwillige Ausscheiden schmackhaft machen wollen“ meinte eine Sekretärin aus der Entwicklung. Sie befürchtet, „dass das so wie immer“ laufen könnte. „Die Leute mit guter Ausbildung nehmen die sicherlich nicht schlechte Abfindung an, weil sie gleich wieder einen Job finden“. Dennoch, einen Job beim Daimler gibt man nicht so leichten Herzens her. Auch geht man nicht ganz leichtfertig in eine Frühpension. Gezahlt wird beim schwäbischen Autobauer traditionell mehr als in vergleichbaren Metallbetrieben. Nicht zu vergessen auch die zusätzlichen Annehmlichkeiten - wie etwa ein Werkswagen - der sich auch heute noch nach einem Jahr mit einem „kleinen Verdienst“ weiterverkaufen lässt.

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