Dax-Konzerne auf Einkaufstour
Wer zu viel wagt, verliert

Firmenübernahmen werden immer teurer. Denn die Gewinne in den Unternehmen sprudeln und mit ihnen der Druck, das Geld anzulegen. Das treibt die Preise. Deutsche Konzerne spielen bei diesen Geschäften eine auffällige Rolle. Doch bei weitem nicht jeder Zukauf rechnet sich. Beispiele von Adidas bis Tui.

DÜSSELDORF. Blätterten europäische Konzerne 2005 nach Berechnungen des Investmenthauses JP Morgan nur sieben Prozent mehr für die Unternehmen hin, als es ihrem Aktienkurs einen Tag vor der Offerte entsprach, so sind es in diesem Jahr doppelt so viele. In Deutschland lassen sich die Dax-Konzerne ihre Kaufobjekte nach Handelsblatt-Berechnungen noch mehr kosten: in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich 25 Prozent, 2006 sogar mehr als ein Drittel.

„Die Unternehmen stehen unter einem enormen Anlagedruck. Sie verfügen über sehr viel Liquidität und haben zudem ihre Schulden reduziert. Hinzu kommen moderate Bewertungen, die die Käufe rechtfertigen“, sagt Kai Franke, Leiter der Anlagepolitik im Privatkundengeschäft der BHF-Bank. Basierten die Übernahmen im Boom zur Jahrtausendwende darauf, dass die Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) an der Börse mehr als das 25-fache ihres damaligen Jahresgewinns kosteten, so sind die Firmen heute nur halb so hoch bewertet. Das bedeutet: Bei gleichem Aufgeld kosten die Unternehmen gemessen an ihrem Gewinn heute die Hälfte. „Die Gewinne sprudeln derzeit. Bei vielen Unternehmen ist die Kriegskasse gut gefüllt“, sagt Joachim Spill, Partner bei der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Auffällig ist aber, dass die Preise für Übernahmen rasant steigen. Henkel bekam 2004 den amerikanischen Konsumgüterhersteller Dial noch für ein Aufgeld von elf Prozent, Tui zahlte für die kanadisch-britische Reederei CP Ships ein Jahr später sogar nur zehn Prozent. Anschließend sprangen die Preise aber praktisch im Gleichschritt mit der anziehenden Börse in die Höhe. Selbst nachdem Linde zuletzt für den britischen Gasespezialisten BOC eine Prämie von 39 Prozent hinblätterte, scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Eon ist mit seinem Wunsch nach dem spanischen Versorger Endesa inzwischen bei einer Prämie von knapp 50 Prozent angelangt, ohne bislang den Zuschlag zu erhalten. Dabei ist sogar noch hinzuzurechnen, dass der Endesa-Kurs schon vor dem ersten Angebot der Deutschen auf Grund der Fusionsspekulationen mit Gaz Natural in die Höhe gesprungen war.

Die Preistreiberei reiht sich in das internationale Umfeld. So bot der indische Stahlkonzern Tata im Oktober 455 Pence pro Aktie des britisch-niederländischen Wettbewerbers Corus, erhöhte weniger später auf 500 Pence, ehe das brasilianische Unternehmen CSN mit 515 Pence konterte. Marktbeobachter erwarten jetzt Gebote von 600 Pence. Allein in diesem Jahr legte der Titel um 75 Prozent zu.

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