Dax-Konzerne: Firmen sparen an Personal statt an Dividenden

Dax-Konzerne
Firmen sparen an Personal statt an Dividenden

Die Dividenden schießen in die Höhe - doch für ihre Mitarbeiter haben Dax-Unternehmen laut jüngster Berechnungen offenbar nicht so viel übrig. Manche schaffen es sogar, ihren Personalaufwand zu senken.
  • 0

DüsseldorfDie Ansagen bergen Sprengstoff: Sechs Prozent mehr Gehalt fordern die 550 000 Beschäftigten in der Chemie-Industrie, 6,5 Prozent verlangt die IG Metall für ihre 3,6 Millionen Angestellten. Genauso viel will Verdi für die Staatsdiener und die 85 000 tariflich Beschäftigten der Deutschen Telekom.

Setzt sich Verdi durch, entstehen der Telekom Mehrkosten von 240 Millionen Euro. Gewerkschafter begründen ihre Forderungen unter anderem mit der üppigen Dividende von drei Milliarden Euro, die die Telekom ihren Aktionären am 24. Mai zahlt. „Mit dem Geld könnte die Telekom die Lohnerhöhung der nächsten 15 Jahre bestreiten“, rechnete Verdi-Tarifexperte Michael Halberstadt vor.

Gibt es in den Unternehmen keine Einigung, drohen Streiks – ausgerechnet wenn fast alle Firmen ihre Dividenden zahlen. Die 30 Dax-Konzerne überweisen ihren Anlegern nach den Hauptversammlungen 27 Milliarden Euro – rund 24 Milliarden Euro im April und Mai. Das ist nach 2007 die zweithöchste Summe in der deutschen Firmengeschichte.

Berechnungen des Handelsblatts liefern den Gewerkschaften Munition – zumindest auf den ersten Blick. Während die Dax-Konzerne ihre Dividenden in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich 87 Prozent erhöht haben, stieg der Personalaufwand (siehe Glossar) nur um zwölf Prozent. Grund dafür sind geringe Lohnsteigerungen in Deutschland, vor allem aber die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins billigere Ausland.

22 der 30 Dax-Konzerne erhöhten ihre Dividenden stärker als den Aufwand für ihr Personal, oft sogar sehr viel mehr. Der Düngemittelspezialist K+S steigerte seine Ausschüttung um 376 Prozent, die Münchener Rück um 400 Prozent und die Deutsche Börse sogar um 900 Prozent – der Personalaufwand stieg aber selbst bei K+S, der Firma mit der höchsten Steigerungsrate, nur um 37 Prozent.

Kommentare zu " Dax-Konzerne: Firmen sparen an Personal statt an Dividenden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%