
FRANKFURT. Fresenius-Chef Ulf Mark Schneider ist zufrieden: Gestern konnte er den Analysten verkünden, dass sich der vor zwei Jahren für 4,9 Mrd. Dollar zugekaufte US-Generika-Hersteller APP wieder in der Spur befindet. Hatte APP im vergangenen Jahr seine Finanzierungskosten nicht verdient und dem Dax-Konzern einen negativen Ergebnisbeitrag geliefert, so soll der Zukauf dank seiner guten Geschäftsentwicklung in diesem Jahr nach Abzug der Finanzierungskosten einen „neutralen Ergebnisbeitrag“ liefern. So jedenfalls formulierte es gestern Finanzchef Stephan Sturm. Zu Jahresanfang hatte der noch viel pessimistischere Töne angeschlagen und davon gesprochen, dass APP auch 2010 das Ergebnis von Fresenius noch belasten würde.
Neue Zulassungen helfen APP
Jetzt läuft es anscheinend rund in Nordamerika: APP wächst hoch zweistellig und sorgte mit dafür, dass die Unternehmenssparte Kabi, zu der APP gehört, im zweiten Quartal des Jahres beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) einen Sprung um 33 Prozent auf 202 Mio. Euro machen konnte. APP ist auf intravenös zu verabreichende Nachahmermedikamente spezialisiert. Nachdem das Unternehmen zuletzt in puncto Zulassungen und Produktneueinführungen hinter den Erwartungen geblieben war, gab es im zweiten Quartal von der zuständigen amerikanischen Behörde FDA gleich drei Zulassungsbescheide. Zwei davon betreffen aussichtsreiche Krebsmedikamente, die Originalpräparaten Konkurrenz machen, deren Umsatz allein in den USA laut Marktforschungsdaten bei zuletzt jeweils mehr als 900 Mio. Dollar lag. Hinzu kommen besser als erwartete Geschäfte mit dem Blutgerinnungshemmer Heparin. Außerdem ist APP seit kurzem alleiniger Anbieter des Narkosemittels Profopol, weil die Konkurrenten Hospira und Teva ihre Mittel wegen Qualitätsproblemen vom Markt nehmen mussten.
Wegen des guten Kabi-Geschäfts hatte Fresenius bereits in der vergangenen Woche seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Insofern sorgte die Veröffentlichung der detaillierten Quartalszahlen gestern an der Börse für keine große Aufwärtsbewegung.
Analystin Silke Stegemann von Unicredit zeigt sich allerdings positiv überrascht, dass der Gesundheitskonzern über alle Sparten hinweg besser als erwartete Zahlen geliefert hat. Die ebenfalls im Dax notierte Dialyse-Tochter Fresenius Medical Care hatte ein starkes zweites Quartal, weil die Erstattungssätze für Dialysepatienten auf dem wichtigsten Markt Nordamerika im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen sind. Der Umsatz von Fresenius Medical Care stieg in Dollarwährung gerechnet um sieben Prozent auf knapp drei Mrd. Dollar. Das operative Ergebnis erhöhte sich um elf Prozent auf 465 Mio. Dollar.
Die staatliche amerikanische Krankenversicherung, bei der fast alle Dialyse-Patienten in den USA versichert sind, hat gerade bekanntgegeben, dass die Dialyse-Behandlung inklusive Medikamente künftig pauschal abgerechnet werden soll. Bislang gab es eine Basisrate für die Behandlung, notwendige und spezielle Medikamente, die bei der Blutwäsche eingesetzt werden, mussten extra abgerechnet werden, was für die Unternehmen einen erheblichen bürokratischen Aufwand bedeutete.
Neue Erstattungsregeln für Dialyse
FMC-Chef Ben Lipps sagte der Nachrichtenagentur Reuters gestern, dass der Konzern von der Umstellung profitieren werde, da FMC sämtliche Produkte rund um die Dialyse aus einer Hand anbiete. „Der Ergebnisbeitrag wird 2011 neutral bis leicht positiv sein“, sagte Lipps. „Wir werden innovative Behandlungsmethoden vorantreiben, was sich dann ab 2012 zunehmend positiv aufs Ergebnis auswirken dürfte.“
Insgesamt hat Fresenius sein Wachstum deutlich beschleunigt. Legte der Konzern von Januar bis März bei Umsatz und Gesamtergebnis noch um acht Prozent zu, so wuchs das Dax-Unternehmen von April bis Juni um 14,8 Prozent auf 4 Mrd. Euro Umsatz und satte 40 Prozent beim bereinigten Nettoergebnis von 183 Mio. Euro. Fresenius hatte die Gewinnprognose für das Gesamtjahr von acht bis 10 Prozent auf 10 bis 15 Prozent angehoben. CEO Ulf Schneider konkretisierte gestern, dass man wohl eher im oberen Bereich landen werde.