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19.03.2008 
Firmencheck Rendite

Dax-Konzerne sind gut gerüstet für die Krise

von Ulf Sommer

Deutschlands führende Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen gehen gestärkt in einen drohenden Abschwung. Dies zeigt der exklusive Handelsblatt-Firmencheck. Mit BMW, Metro und Tui legten am Dienstag die letzten Dax-Konzerne ihre Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Die Aussichten machen Hoffnung - zumindest überwiegend.

Der exklusive Firmencheck Rendite zeigt, dass die Dax-Konzerne die Krise kaum fürchten müssen. Lupe

Der exklusive Firmencheck Rendite zeigt, dass die Dax-Konzerne die Krise kaum fürchten müssen.

DÜSSELDORF. Die meisten deutschen Industriekonzerne haben bei den Margen den Anschluss an die internationale Konkurrenz geschafft. Nachdem der Nettogewinn im vergangenen Jahr noch einmal kräftig gestiegen war, kletterte die durchschnittliche Rendite der 23 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) auf 5,1 Prozent. Zu den Wachstumssiegern zählen vor allem Industriekonzerne wie Eon, Linde, MAN und BASF. Nach rasanten Boomjahren zwischen 2004 und 2006 gelang es ihnen im abgelaufenen Geschäftsjahr noch einmal, ihre Margen deutlich zu steigern. Das zeigt der Handelsblatt-Firmencheck, der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman entsteht

"Gegenüber dem Boomjahr 2000 erleben wir dramatische Veränderungen bei den klassischen deutschen Unternehmen" sagt Karlheinz Küting, Direktor des IWP an der Uni Saarbrücken. Zur Jahrtausendwende war es den Dax-Unternehmen schon einmal gelungen, ihre Rendite kräftig auf 4,8 Prozent zu steigern. Doch im Jahr 2000 standen vor allem Technologie-Unternehmen an der Renditespitze, darunter auch die Deutsche Telekom. Sie und der Chiphersteller Infineon kamen auf einmalig hohe Margen von 14,5 bzw. 15,5 Prozent. Inzwischen zählen beide aber mit zu den schwächsten Werten im Dax. Heute erreichen hingegen die meisten Industriefirmen hohe Umsatzrenditen zwischen fünf und zehn Prozent. Damit enden die Zeiten, in denen deutsche Unternehmen der internationalen Konkurrenz hinterherhinkten. Denn während die Dax-Konzerne jahrzehntelang nur auf Durchschnittsrenditen zwischen zwei und vier Prozent kamen - mit Ausnahme des Boomjahres 2000 -, sind für die größten Unternehmen in Rest-Europa und den USA schon seit den 90er-Jahren doppelt so hohe Margen üblich.

Grund für das einstige Gefälle waren ineffiziente Produktionsprozesse und hohe Personalkosten. Doch Produktionsverlagerungen ins Ausland und seit Jahren kaum steigende Löhne machen deutsche Firmen immer wettbewerbsfähiger. Gegenüber Nachbarstaaten wie Frankreich, Italien und den Niederlanden drifteten die Lohnstückkosten binnen zehn Jahren um ein Drittel auseinander. Darüber hinaus profitierten die vielen Industriekonzerne im Dax aufgrund ihrer hohen Exportquote außerordentlich vom investitionsgetriebenen Aufschwung der Weltwirtschaft.

Der Automobilriese Daimler, der seine Marge binnen eines Jahres mehr als verdoppeln konnte, verschlankte sich mit Hilfe seines Effizienzprogramms "Core", das auch mit massivem Personalabbau einherging. Hinzu kam der Verkauf der maroden US-Tochter Chrysler. Das war der Befreiungsschlag. In der Personenwagensparte liegt nun die Rendite mit neun Prozent deutlich höher als die vom Unternehmen avisierten sieben Prozent. Bis 2010 will Konzernchef Dieter Zetsche die Zehn-Prozent-Marke erreichen.

Zwar hat die schwache US-Konjunktur durchweg auch schon 2007 die Geschäfte belastet, selbst bei den stärksten Dax-Konzernen. So brach bei Daimler der Absatz in der Lastwagensparte in Nordamerika um ein Drittel ein. Dennoch blieb der Autobauer auch in dieser Region dank höherer Effizienz ohne Verluste.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Es gibt auch Zweifel am Optimismus

Darüber hinaus schaffen es die meisten Konzerne, Schwächen im US-Markt durch die enorme Nachfrage in Osteuropa, Fernost und den Ölländern mehr als zu kompensieren. MAN ragt als positiver Sonderfall heraus: Die Schwäche in den USA lässt den Lastwagenhersteller kalt, weil er hier so gut wie keine Geschäfte macht. Konzernchef Hakan Samuelsson rechnet zwar damit, dass eine von der Immobilienkrise ausgelöste Konsumschwäche in den USA auch Westeuropa treffen wird. Doch das immer noch ungebrochene Wachstum in vielen anderen Regionen dürfte das Geschäft auch weiter beflügeln, zeigte er sich mit Blick auf 2008 weiter zuversichtlich.

Zweifel an so viel Optimismus wecken Unternehmen wie Henkel und Adidas. Sie verdienten 2007 ebenfalls glänzend. Doch trotz deutlicher Zuwächse beim Umsatz, Gewinn und der Marge spürten sie bereits die sinkende Nachfrage in den USA (Adidas) und Nachteile aus dem schwachen Dollar (Henkel). Beim Waschmittelkonzern verhagelte der starke Euro die Umsätze. Sie wuchsen nur um 2,6 Prozent - ohne Währungseinflüsse wären es 5,8 Prozent gewesen. Konsequenz: Henkel verkündete bei seiner Bilanzvorlage ein Sparprogramm, das den Abbau von 3 000 Arbeitsplätzen vorsieht. Doch selbst damit verspricht sich der scheidende Konzernchef Ulrich Lehner kaum noch Chancen, die ursprünglich anvisierte Zielrendite von zwölf Prozent im laufenden Jahr zu schaffen. Zu sehr verschlechterte sich in den ersten Monaten das Umfeld. Die Rohstoffkosten legen rasant zu, und der Euro kletterte um weitere zehn Prozent - so viel wie im Gesamtjahr 2007.

Nur wenige Konzerne sind auf einen heraufziehenden Abschwung schlecht vorbereitet. Beim Chiphersteller Infineon sanken auch 2007 die Umsätze, und die Verluste stiegen. Seit der Gründung 1999 häufte die Siemens-Tochter einen Nettoverlust von zwei Mrd. Euro an. Das Unternehmen konnte noch nie beweisen, dass es über ein profitables Geschäftsmodell verfügt.

Von solch einer negativen Ausnahmestellung sind zwei Ex-Monopolisten weit entfernt. Zwar präsentierten sich Deutsche Telekom und Deutsche Post im Jahr vier des deutschen Aufschwungs äußerst schwach: Renditen und Nettogewinne brachen ein. Doch beide Konzerne können dafür Sondereffekte ins Feld führen. Bei der Post schlugen hohe Abschreibungen im verlustreichen US-Geschäft zu Buche. Die Telekom erlitt außergewöhnliche Belastungen durch Rückstellungen für den Personalabbau.


Serie: Firmencheck

Deutschlands führende Konzerne haben ihre Bilanzen vorgelegt. Schlusslichter waren gestern BMW, Metro und Tui. Der erste Handelsblatt-Firmencheck im Jahr 2008 analysiert die Ertragslage und Renditeentwicklung für die 23 im Dax-30 vertretenen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Grundlage sind die Umsatzerlöse, das Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten und die daraus errechnete Umsatzrendite. Banken und Versicherungen bleiben außen vor, weil ihre Kennzahlen nicht mit denen der Industrie-Unternehmen vergleichbar sind.

Umfassende Untersuchungen zu den Börsensegmenten MDax, SDax und TecDax folgen in den kommenden Monaten, wenn auch die kleineren Gesellschaften ihre Bilanzen veröffentlicht haben. Der Firmencheck entsteht in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) an der Universität Saarbrücken und der Unternehmensberatung Oliver Wyman in München.

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