Deal mit Fruchtcocktails besiegelt
Der Scheich will Geld verdienen

Der Stuttgarter Killesberg ist bekannt für seine begüterten Bewohner und ihre luxuriösen Karossen. Am Freitagnachmittag wurde die bereits bestehende Porsche-Dichte noch einmal erhöht: Gleich mit sieben Modellen aus der Stuttgarter Sportwagenschmiede trafen Scheich Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani und seine Delegation vor der Villa Porsche ein.

dpa STUTTGART. Nach monatelangen Verhandlungen sollten die Vereinbarungen zwischen dem Emirat und der Porsche Holding endlich unterzeichnet werden. Ein gut gelaunter Scheich mit Drei-Tage-Bart und elegantem Anzug und der Aufsichtsratschef der Porsche Holding, Wolfgang Porsche, entstiegen einem schwarzen Panamera Turbo.

Im Hof der vom renommierten Stuttgarter Architekten Paul Bonatz erbauten Villa zeigte Wolfgang Porsche seinem Gast ein Stück Unternehmensgeschichte: einen türkisfarbenen "Urporsche", Jahrgang 1962. "Nur zwei Jahre, nachdem ich geboren wurde", kommentierte Premierminister al-Thani. Der Chef des Wüstenstaates auf der arabischen Halbinsel, der mit einem Privatjet angereist war, wirkte ungezwungen und verbindlich. Auf Fragen der Journalisten, unter ihnen auch Reporter des Fernsehsenders Al-Dschasira aus Katar, äußerte er sich offen.

Er sehe sein Land als "strategischen Partner" von Porsche, einer "exzellenten Marke". Der erste Grund für den Einstieg sei, Geld zu verdienen.

Weitere Motive seien, gute Beziehungen zu Deutschland aufzubauen und Technologie in sein Land zu bringen. Gespräche über eine Beteiligung von Porsche an einem Technologiepark werden bereits geführt. Die Sportwagenschmiede könnte dabei auch im Hinterkopf haben, den Markt in Nahen Osten kräftiger zu beackern als bisher: Immerhin gingen im vergangenen Jahr 6000 von 98 000 verkauften Fahrzeugen in diese Region.

Der Scheich weiß sehr genau, dass er sein Land für das Ende sprudelnder Ölquellen rüsten muss. Der jetzige Reichtum müsse dazu dienen, die Zukunft kommender Generationen zu sichern. So investiert der Staat über einen Fonds nicht nur in die einheimische Infrastruktur und Wirtschaft, sondern hält auch Anteile etwa an der Schweizer Großbank Credit Suisse oder der britischen Barclays Bank.

Der Fonds soll mehr als 50 Milliarden Dollar verwalten.

Baden-Württemberg hat seinerseits keine schlechten Erfahrungen mit Investoren aus dem Morgenland: Daimler hat gleich zwei davon: Abu Dhabi und Kuwait sind die größten Aktionäre des Stuttgarter Autobauers. Porsche-Personalvorstand Thomas Edig sagte dann auch mit Blick auf diese Konstellation: "Das sind berechenbare, langfristig zur Verfügung stehende Investoren."

Gastgeber Wolfgang Porsche passte sich den Gepflogenheiten des islamischen Landes an. Um den Deal zu begießen, stand nicht etwa Sekt bereit; die neuen Partner besiegelten ihre Vereinbarung mit nicht- alkoholischen Fruchtcocktails.

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