Debatte überschattet Verhandlungen über neuen Zukunftsvertrag bei Opel
GM heizt Standortkampf an

Die Hoffnungen des Opel-Managements, im Gegensatz zum lautstarken Tarifkonflikt beim Konkurrenten Volkswagen in aller Stille über einen neuen „Zukunftsvertrag“ für die deutschen Werke zu verhandeln, ist zerstoben. Nur wenige Wochen nach der Wiederaufnahme der Gespräche von Management und Betriebsrat hat der Mutterkonzern General Motors (GM) einen offenen Standortwettkampf zwischen den Tochtergesellschaften Opel und Saab entfacht und damit die Rüsselsheimer zurück in die Schlagzeilen geholt.

hz FRANKFURT/M. Nach dem Willen Detroits soll es ab 2008 nur noch einen Standort für die nächste Mittelklasse-Modellgeneration des Opel Vectra und Saab 9.3 geben – das hessische Rüsselsheim oder das schwedische Trollhättan. Im Extremfall bedeutet dies die Schließung einer Fertigung. Für Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ein nahe liegender Schritt: GM sei in Europa mit einem Werk zu viel unterwegs.

Knapp drei Monate nach der radikalen Neuordnung des Europageschäfts setzt die neue GM-Spitze, Fritz Henderson und sein Vize Carl-Peter Forster, den Belegschaften der Tochtergesellschaften damit die Daumenschrauben an. Vor allem auf die wichtigste Tochtergesellschaft Opel, die allein rund 80 Prozent des Europageschäfts bestreitet, wächst der Druck. Denn der offene Standortwettbewerb bei der Mittelklasse ist nach Einschätzung von Experten nur ein Auftakt. Der in Europa defizitäre Autokonzern werde den Wettbewerb zwischen den Werken nach diesem Vorbild auch bei den volumenstarken Serien der Kompakt- und Kleinwagenklasse anheizen. Die wichtige Entscheidung über die Fertigung der voraussichtlich 2006 auf den Markt kommenden neuen Generation des Kleinwagens Corsa ist jedoch bereits intern gefallen. Der Wagen, der künftig auf einer gemeinsamen Plattform mit dem Fiat Punto stehen wird, wird weiterhin im spanischen Saragossa und in Eisenach gefertigt.

Der Vorsitzende des europäischen GM-Arbeitnehmerforums, Klaus Franz, der zugleich auch Betriebsratschef von Opel ist, warnt mit Blick auf die amerikanische Mutter: „Die europäischen Arbeitnehmervertreter werden sich nicht durch Sozialdumping gegeneinander ausspielen lassen.“ Doch eine erste Abfuhr musste sich Franz bereits einhandeln: Obwohl sich auch Rüsselsheim beworben hatte, entschied GM kürzlich, einen Teil der Opel Zafira-Produktion wegen der niedrigeren Lohnkosten ins polnische Gleiwitz zu verlagern – in den Augen von Franz und seinen Mitarbeiter ein Affront.

Der Ton zwischen den Kontrahenten ist rau geworden. In einem am Montag im Rüsselsheimer Stammwerk an die Beschäftigten verteilten Flugblatt warf der Betriebsrat dem Management angesichts der Standortdebatte sogar geschäftsschädigendes Verhalten vor.

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