Debatte um Managementgehälter
Bosch-Chef greift große Koalition an

Bosch -Chef Franz Fehrenbach hat sich in die Debatte um Managementgehälter eingeschaltet und scharfe Kritik an der Arbeit der großen Koalition geäußert.

DÜSSELDORF. "Hier wird wegen weniger Ausreißer ein politischer Schaukampf geführt", sagte Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des weltgrößten Autozulieferers aus Stuttgart, dem Handelsblatt. "Politiker wissen, dass sie an dieser Stelle leicht Zustimmung erhalten." Doch Debatten nach gesetzlichen Obergrenzen für Managergehälter seien "schlichtweg Unsinn". Über diese Frage hätten in der globalen Marktwirtschaft Aufsichtsräte und Gesellschafter zu entscheiden. In ungewöhnlich scharfen Worten bezieht damit nach den Wirtschaftsverbänden auch ein deutscher Spitzenmanager Stellung in der politischen Diskussion.

Fehrenbach verteidigte ausdrücklich die Bezüge der Wirtschaftselite. "Nahezu alle Manager tragen mit ihrer Leistung maßgeblich zum Wohlstand der Gesellschaft bei und werden dafür angemessen bezahlt", sagte der Bosch -Chef. "Doch darüber spricht niemand." Stattdessen werde pauschaliert und vor dem Hintergrund der Debatte um soziale Gerechtigkeit ein unglaublicher Populismus betrieben. Fehrenbach erwartet allerdings, dass als Konsequenz der Diskussion künftig klarere Regeln geben werde, um Auswüchse zu vermeiden. Zahlreiche Politiker aus Union und SPD hatten sich für bescheidenere Vorstandsgehälter ausgesprochen und teilweise gesetzliche Obergrenzen für Managementbezüge verlangt. Die zehnköpfige Bosch -Konzerngeschäftsführung verdiente 2006 insgesamt nur 14 Millionen Euro.

Der Ton zwischen Wirtschaft und Politik wird damit rauer. "Ich kann nur sagen, in der Frage der Managergehälter und Mindestlöhne gibt es eine große Distanz zwischen Wirtschaft und Politik", sagte Fehrenbach. Die marktwirtschaftlichen Ansätze der Agenda 2010 würden zunehmend außer Kraft gesetzt. Mit dem Mindestlohn sei ein Tor geöffnet worden, das sich kaum noch schließen lässt. "Das ist der bislang größte Fehler der Koalition", sagte Fehrenbach. "Damit hat sie die Büchse der Pandora auch für andere Branchen geöffnet. Das ist unverantwortlich." Es sei zu befürchten, dass solche Eingriffe in zwei bis drei Jahren wieder zu steigenden Arbeitslosenzahlen führen würden. Auf die Frage, ob er von der Arbeit der Koalition zur Halbzeit enttäuscht sei, antwortete der Bosch -Chef knapp: "Zunehmend."

Kritisch äußerte sich Fehrenbach auch über den Ausgang der Weltklimakonferenz in Bali. Mit der Einigung auf ein Nachfolgeprotokoll zu Kyoto sei "wohl gerade noch ein Minimalziel erreicht worden", monierte der Topmanager. "Ein deutlicheres Signal von Bali wäre nötig gewesen." Im Klimawandel sei ein globales Vorgehen gefordert. "Da müssen alle Länder mithelfen und gemeinsam etwas bewegen."

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