Defcon
Hacker zeigen ihre Tricks an Tesla

In Las Vegas präsentierten zwei Hacker, wie sie die Teslas Model S knackten. Sie konnten das Elektroauto gar zum Bremsen bringen. Allerdings ging das nur bei geringer Geschwindigkeit und vorherigem Zugang zum Fahrzeug.
  • 0

New YorkDie Tische auf der Bühne waren ganz in Schwarz gehüllt, mit einem Totenkopf im weißen O von „Defcon“. So heißt die Hackerkonferenz, die derzeit in Las Vegas läuft und bis zum morgigen Sonntag geht. Das Design ist Programm, hier zeigen Datenpiraten ihr Können.

Um 14 Uhr Ortszeit am gestrigen Freitag traten Kevin Mahaffey, Technikchef von IT- Sicherheitsberatung Lookout, und Marc Roger, einem bekannten Hacker und Gründer der englischen Datenpiraten-Gruppierung „Die Agenten der feindlichen Macht“, auf. Der Titel ihrer Präsentation war Programm: „Wie man ein Tesla Model S hackt“.

Insgesamt zeigten sie „sechs Schwachstellen“ beim Model S auf. So konnten sie ferngesteuert den Tachometer verstellen, die Fenster hoch- und herunterlassen, die Türen aufschließen oder den Motor ausschalten. Bis zu einer Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern konnten sie auch die Handbremse aktiveren und das Auto zum abrupten Stopp bringen.

Allerdings machte Tesla eine deutlich bessere Figur als zuvor Fiat-Chrysler. Bei dessen Jeep Cherokee konnten vor wenigen Wochen zwei Hacker aus der Ferne die komplette Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen. Beim Elektroautopionier Tesla benötigen Mahaffey und Roger dagegen für ihren Dateneinbruch erst einen physischen Zugang zum Auto, um danach aus der Ferne eingreifen zu können.

Auch hatte Tesla verschiedene Sicherheitsbarrieren eingebaut. So ließ sich die Handbremse nicht bei mehr als acht Stundenkilometern betätigen, es gingen nur alle Bildschirme aus und das Fahrzeug sprang in Leerlauf. Der Fahrer konnte aber weiter steuern. „Das ist eine enorme Leistung“, sagte Rogers, „und steht im starken Kontrast mit der Jeep-Geschichte“. Tesla habe schon weit vorausgedacht und „katastrophales“ Versagen ausgeschlossen.

Tesla behob in Zusammenarbeit mit den Hackern die Sicherheitslücken, was bei ihm leichter geht als bei anderen Marken. Die Firma spielt regelmäßig per Internet neue Feature auf das Auto, so auch die Sicherheitsverbesserung. Der Inhaber muss also nicht eigens in eine Werkstatt kommen, sondern nur den Knopf mit „Yes“ im Autobildschirm drücken.

Insgesamt lobten Mahaffey und Roger die Kooperation mit Telsa, die über mehrere Wochen ging. Wie gut die Stimmung war, zeigte die Anwesenheit von JB Straubel auf der Bühne. Der Tesla-Sicherheitschef kommentierte die Hacks der Beiden und wie Tesla reagierte. Sein Auftritt brachte ihm einen Schnaps ein: In der Tradition der Konferenz ist das eine Art Feuertaufe für diejenigen, die zum ersten Mal präsentieren.

Solche Präsentationen sind in den Augen von Letizia Jay, die bei der Digitalen Sicherheitsberatung Gemalto Vizepräsidentin für Maschinenkommunikation ist, auch Augenwischerei. Vordergründig ginge es um die Aufklärung der Öffentlichkeit und des Herstellers. Aber die wahre Motivation liege bei solchen Konferenzen wie „Defcon“ bei „Ruhm und Ehre, die die Hacker erringen wollen“.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

Kommentare zu " Defcon: Hacker zeigen ihre Tricks an Tesla"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%