Defizitäre Sparte
MAN erwägt Auslagerung der Bus-Fertigung nach Polen

Der Nutzfahrzeuge- und Maschinenbaukonzern MAN erwägt wegen der Probleme im Busgeschäft eine Verlagerung der Bus- Montage aus Salzgitter nach Polen. So könne die defizitäre Sparte vielleicht wieder flott gemacht werden, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson. Im Gegensatz zum Bus-Bereich boomt das LKW-Geschäft.

HB MÜNCHEN. Die Verlagerung sei eine mögliche Alternative, sagte Samuelsson am Dienstag bei der Vorstellung der Zahlen fürs zweite Quartal in München. Bis 2010 solle die Sparte, die im ersten Halbjahr einen operativen Verlust von 13 Mill. (Vorjahreszeitraum: plus elf Mio) Euro verbuchte, in die Nähe der Renditen im boomenden Lkw-Geschäft kommen. Dazu sei man in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern. „Wir suchen eine gute Lösung für unsere Mitarbeiter, unser Ziel ist, eine Lösung ohne betriebsbedingte Kündigungen zu finden“, sagte Samuelsson.

Vorstellbar wäre, dass im Falle eines Stellenabbaus Ersatzarbeitsplätze für Beschäftigte in der boomenden Lkw-Sparte gefunden würden. MAN hat in Salzgitter insgesamt insgesamt 2 900 Beschäftigte, davon 1400 im Bus-Bereich. Die Fertigung von Chassis könnte den Überlegungen zufolge in Salzgitter bleiben, da es hier Synergien mit der Lastwagen-Fertigung gebe, sagte Samuelsson. Die Probleme im Busgeschäft hatten das Konzernergebnis im ersten Halbjahr um insgesamt 130 Mill. Euro geschmälert. Die Hälfte davon macht eine Rückstellung für die geplante Restrukturierung aus. Zudem wurde der Wert der Tochter Neoplan in der Bilanz um weitere 65 Mill. Euro nach unten korrigiert.

Im ersten Halbjahr konnte MAN ist einen Umsatz- und Gewinnschub im ersten Halbjahr verbuchen. Samuelsson zeigte sich daher noch zuversichtlicher für 2007. Der Umsatz von 13 Mrd. Euro im vergangenen Jahr solle 2007 um mehr als zehn Prozent zulegen, sagte der Konzernchef am Dienstag laut Mitteilung in München. „Im Fokus stehen für uns die kontinuierliche Verbesserung unserer Geschäftsabläufe, die Steigerung von Produktionsvolumen und Effizienz sowie unser internationales Wachstum, diesen Weg gehen wir konsequent weiter.“ Bisher war MAN von rund zehn Prozent Erlösanstieg ausgegangen.

Das Unternehmen profitierte von der anhaltend lebhaften Nachfrage nach Lastwagen und Dieselmotoren. Der Bestelleingang legte in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Fünftel zu auf 9,6 Mrd. Euro. Das Auftragspolster hat damit das Rekordvolumen von 13,5 Mrd. Euro erreicht. Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten um zwölf Prozent auf 6,8 Mrd. Euro. Operativ verdiente MAN 721 Mill. Euro, nach 473 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich konnte der Konzern den Gewinn nahezu verdoppeln auf 668 (Vorjahr: 352 Mio) Euro.

Dabei gab es allerdings eine Reihe von Sondereffekten: Nach der Einigung in einem langwierigen Rechtsstreit hat MAN eine Entschädigungszahlung von DaimlerChrysler in Höhe von 250 Mill. Pfund wegen Unregelmäßigkeiten bei der Übernahme des britischen Herstellers ERF durch MAN vor sieben Jahren erhalten. Außerdem strich der Konzern eine Dividendenzahlung von 43 Mill. Euro des schwedischen Konkurrenten Scania ein. Seit dem im Januar gescheiterten Übernahmeversuch für Scania ist MAN mit 14,8 Prozent an Scania beteiligt. Die Probleme im kriselnden Busgeschäft schmälerten dagegen den Gewinn um insgesamt 130 Mill. Euro. 65 Mill. Euro davon machen die veranschlagten Aufwendungen für die geplante Restrukturierung der Bus-Sparte aus, dafür seien entsprechende Rückstellungen gebildet worden, hieß es. Zudem wurde der Wert der Tochter Neoplan in der Bilanz um weitere 65 Mill. Euro nach unten korrigiert.

Auch der Auftragsboom bei Lastwagen und Dieselmotoren ging im ersten Halbjahr am Busgeschäft vorbei. Während das Lkw-Geschäft in den ersten sechs Monaten 29 Prozent mehr Bestellungen verzeichnete, gab es im Bus-Bereich einen deutlichen Auftragsrückgang um acht Prozent. Die Dieselmotoren erhielten dagegen weiter Rückenwind durch den Schifffahrt-Boom und verbuchten ein Orderplus von 27 Prozent im ersten Halbjahr. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern nunmehr ein Plus beim Auftragseingang um etwa fünf Prozent. Im vergangenen Jahr hatte MAN Bestellungen im Wert von 16,6 Mrd. Euro in die Bücher genommen.

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