Defizitärer Autobauer
Cerberus dreht ein großes Rad bei Chrysler

Der neue Chrysler-Eigentümer Cerberus greift beim Kauf des defizitären Autobauers Chrysler wesentlich tiefer in die Tasche als bisher gedacht. Den größten Teil des aufgetriebenen Fremdkapitals benötigt Cerberus, um Verbindlichkeiten der Finanzsparte abzulösen.

hz FRANKFURT. Nach Informationen aus Finanzkreisen geht der neue Chrysler-Eigentümer Cerberus mit bis zu 65 Mrd. Dollar für den defizitären US-Autobauer ins Risiko. Allein für die Ablösung von Verbindlichkeiten der Chrysler-Finanzsparte ließ sich die Private-Equity-Firma Kreditlinien in Höhe von rund 45 Mrd. Dollar einräumen, weitere 12 Mrd. Dollar stünden für das Industriegeschäft von Chrysler zu Verfügung, hieß es. Cerberus und Daimler wollten die Informationen nicht kommentieren. Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche sprach unlängst nur von einem sehr gewichtigen Engagement des Finanzinvestors.

Das weitgehend durch Fremdkapital gesicherte finanzielle Engagement der US-Investmentfirma übersteigt damit ein Vielfaches des Kaufpreises von 7,4 Mrd. Dollar (5,5 Mrd. Euro) für Chrysler, den Cerberus für seinen Anteil von 80,1 Prozent am US-Autobauer bezahlt. Daimler hatte Anfang vergangener Woche angekündigt, bis Herbst die Mehrheit der verlustreichen US-Sparte an den Finanzinvestor abzugeben. Daimler wird nur noch mit 19,9 Prozent an Chrysler beteiligt bleiben.

Dass Cerberus in der Lage gewesen sei, in kurzer Zeit knapp 60 Mrd. Dollar Fremdkapital aufzutreiben, sei einer der ausschlaggebenden Punkte dafür gewesen, dass der Zuschlag an die Amerikaner ging, hieß es in mit den Verhandlungen vertrauten Bankenkreisen. Den größten Teil der Bankkredite benötigt Cerberus, um Verbindlichkeiten der Finanzsparte abzulösen. Daimler-Finanzchef Bodo Uebber erläuterte in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“, dass Cerberus am Tag des Closings Inter-Company Loans (konzerninterne Kredite) von 36 Mrd. Dollar komplett an Daimler zurückbezahlen werde. Cerberus erhalte die dafür notwendige Finanzierung durch ein Bankenkonsortium.

Cerberus hat großes Interesse am Kreditgeschäft des Autoherstellers. Neben der Finanzsparte von Chrysler gehören dem Finanzinvestor bereits auch 51 Prozent an der Finanzsparte des US-Konkurrenten General Motors. Mit dem Chrysler-Kauf wird Cerberus damit im Autokreditgeschäft die Nummer eins in den USA und auch weltweit ein bedeutender Anbieter werden. GM-Chef Rick Wagoner hält nun eine Fusion seiner einstigen Finanzsparte GMAC mit Chrysler Financial für denkbar. Grundsätzlich rechne er mit weiteren Zusammenschlüssen auf dem US-Automarkt, sagte Wagoner.

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