Degussa
Ein Chemiekonzern mit Glanz und vielen Schattenseiten

Was sich mit dem kompletten Verkauf an die RAG auf den ersten Blick als neue Zäsur ankündigt, könnte man im Fall Degussa durchaus als „business as usual“ bezeichnen.

FRANKFURT. Nur wenige Unternehmen der deutschen Chemiebranche wurden in den vergangenen Jahren derart oft umgebaut wie der Düsseldorfer Konzern.

Ein wirklich einfaches Unternehmen war Degussa vermutlich nur in ihren Anfangsjahren vor mehr als 130 Jahren. Die Frankfurter Unternehmer Hector und Heinrich Roessler nutzten die Chance, das junge Deutsche Reich im großen Stil mit Edelmetallen zu versorgen und machten die väterliche Metall-Scheideanstalt in Frankfurt 1873 zum Kern der neu gegründeten „Aktiengesellschaft Deutsche Gold- und Silber Scheideanstalt“. Ausgehend vom Metall begann schon in den 80er-Jahren des vorletzten Jahrhunderts die Diversifikation, etwa in die Produktion von Glanzgold für die Porzellan-Dekoration, Keramikfarben und andere Keramikprodukte sowie in die Herstellung verschiedener organischer Chemikalien.

Eines seiner wertvollsten Produkte bescherte dem Unternehmen im frühen 20. Jahrhundert der junge Chemiker Otto Liebknecht, ein Bruder des berühmten Sozialdemokraten Karl Liebknecht. Er entwickelte ein neues Verfahren zur Herstellung von Natriumperborat, jener Substanz, die dem Waschmittel Persil seinen sagenhaften Erfolg bescherte. Die Düsseldorfer Firma Henkel wurde wichtigster Abnehmer und später Großaktionär von Degussa.

Unterdessen führte die Metallreinigung den Frankfurter Konzern auf das Gebiet der Blausäure-Salze oder Cyanide und damit auf einen seiner dunkelsten Pfade. Denn über das Cyanidgeschäft wurde Degussa Teilhaber und vorübergehend Alleineigner der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch), die Anfang der zwanziger Jahre ein neuartiges Mittel mit der betriebsinternen Bezeichnung Zyklon B entwickelte. Ursprünglich für die Bekämpfung von Parasiten und anderen Insekten vorgesehen, wurde Zyklon B später zum Mordinstrument, mit dem das Nazi-Regime mehr als eine Million Menschen in den Konzentrationslagern umbringen ließ.

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